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Kleve
Drogenkurier wurde von Rockern geschickt

Kleve: Drogenkurier wurde von Rockern geschickt
Die sichergestellten Drogen. FOTO: zoll Essen
Kleve. Ein Niederländer (35) wurde gestern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte 59 Päckchen mit Drogen bei sich, die er von Kleve aus versenden wollte. Zum Verhängnis wurde ihm fehlendes Portogeld. Von Peter Janssen

Der 35-jährige Niederländer Mikel G. war der Meinung, er würde Porno-Artikel versenden. Mit 54 Päckchen war der Mann im April über die Grenze gefahren, um diese von drei Paketshops in Kleve zu verschicken. Doch befanden sich statt der luststeigernden Artikel ausschließlich Drogen in den Päckchen. Dabei handelte es sich um kiloweise Amphetamine. "Das wusste ich nicht, sonst hätte ich das nicht getan", sagt er. Die Pakete trugen alle den Absender eines Unternehmens, das Babyartikel anbietet.

Für die Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Handeltreiben wurde der Niederländer von der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Kleve zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Mikel G. war lediglich der Kurier, seine Auftraggeber spielen in einer ganz anderen Liga. Der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby sprach im Rahmen der Urteilsverkündung davon, dass die Rockerbande Satudarah an der Tat beteiligt gewesen sei.

Der 35-Jährige wollte die Drogen von zwei Paketshops in der Innenstadt sowie der Postfiliale am Bahnhof versenden. In einer der Abgabestellen konnte er festgenommen werden. Zu der Verhaftung hatte er selbst keinen unerheblichen Beitrag geleistet, denn der Verurteilte hatte nicht ausreichend Portogeld dabei. Dem Shop-Besitzer kamen die Pakete auffällig vor und er informierte die Polizei, während Mikel G. sich das Geld für die Frankatur besorgte. Als er davon zurückkehrte, nahmen die Beamten ihn in Empfang, die auch die zahlreiche Pakete sicherstellten. Im Internet bestellt, waren die Sendungen an Empfänger in ganz Europa und teilweise den USA adressiert. Auf die Frage von Ruby, warum er die Pakete von Deutschland aus verschicken wollte, antwortete der Mann, dass in den Niederlanden viele Sendungen verschwinden würden. Die Ermittler gehen davon aus, dass bei den niederländischen Tätern ein deutscher Absender als weniger auffällig gilt. Der Lebenslauf des 35-Jährigen liest sich wie eine ununterbrochene Serie von Fehltritten. Dabei war er für seine Karriere hin zum Kriminellen nicht allein verantwortlich. Als er sieben Jahre alt war, trennten sich die Eltern. Sein Vater war Alkoholiker und spielsüchtig. Mikel G. startete in eine wenig verheißungsvolle Zukunft. Nach eigenen Angaben wuchs er auf der Straße auf, musste sich sein Essen selbst besorgen und wurde drogenabhängig. Mit 13 Jahren verließ er die Schule. Eine Wohnadresse konnte er nicht angeben. Zuletzt verdiente er als Gerüstbauer 1400 Euro netto im Monat. Verheiratet sei er nicht. Mikel G. hat eine sechsjährige Tochter, die bei einer Pflegefamilie wohnt. Hinreichend aktenkundig ist der Mann im Nachbarland. Für etliche Verbrechen, die auch zu Gefängnisstrafen führten, wurde er verurteilt.

Sowohl Staatsanwältin Julia Pöschel wie auch Verteidiger Stefan Siebert forderten dreieinhalb Jahre Haft, die die Kammer auch verhängte. Die Strafe will er in einem niederländischen Gefängnis absitzen. Ruby konnte aufgrund der Hintermänner teilweise nachvollziehen, dass Mikel G. keine Angaben zu seinen Auftraggebern machen will. Dass er nicht wusste, was in den Päckchen war, nahm der Richter ihm nicht ab. Der 35-Jährige will gegen das Urteil keine Rechtsmittel einlegen. Zum Ende der Verhandlung sagte Ruby: "Ich gehe davon aus, dass wir uns hier nicht wiedersehen." Der Verteilte antwortete: "Davon gehe ich auch aus."

Quelle: RP
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