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Kleve
Dürrenmatts Physiker in Kleve

Kleve: Dürrenmatts Physiker in Kleve
Katharina Dalichau als Doktor Mathilde von Zahnd - die einzige wirkliche Irre im Irrenhaus der "Physiker". FOTO: Landestheater Neusss
Kleve. Der Kulturetat der Stadt Kleve blieb für die kommende Saison unangetastet. Gestern stellte Kleves Bürgermeisterein Sonja Northing das neue Theaterprogramm für die Stadthallenbühne vor. Von Matthias Grass

Die Premiere ist nach den Sommerferien, am 30. September. Danach gehen die Physiker in der Inszenierung des Landestheaters Neuss auf Tournee. Jenes Stück, das die Frage nach der Verantwortung von Wissenschaft zwar stellt, aber auch zeigt: Eine Erkenntnis, die gedacht und ausgesprochen ist, lässt sich nicht zurückhalten, Wissenschaft gerät immer auch in falsche, zerstörerische Hände.

Friedrich Dürrenmatt schrieb die Physiker 1961, das Stück wurde 1962 uraufgeführt. Und gilt seitdem als einer der größten Theatererfolge im deutschsprachigen Raum, avancierte zu den meistgespielten Stücken aus der Nachkriegszeit. Am 12 März kommenden Jahres macht es Station in Kleve. Die Inszenierungen des Landestheaters konnten in den vergangenen Jahren auf der Bühne richtig überzeugen, Zuschauer konnten sie leider nicht locken. Vielleicht jetzt für die Physiker, ein immer lohnendes Stück, das bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Gestern stellten Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing und Annette Wier, Fachbereichsleiterin Kultur, den neuen Theaterplan der Stadt Kleve vor. Lobenswert: Der Etat für die Kultur in der Stadt blieb unberührt. Es gibt also weiter sechs Theaterstücke im Programm, dazu den Comedy-Herbst, den Kulturmanager Bruno Schmitz vorstellte - unter anderem mit Paul Panzer, den er für Kleve überzeugen konnten, zweimal eine Preview zu geben. "Normalerweise kommt Paul Panzer nicht mehr in so kleine Hallen", sagte Schmitz. Dazu, ein kleiner Schatz im Programm, wird Ulrike Folkers, bekannt als Tatort-Kommissarin Lena Odenthal, eine szenische Lesung mit Musik von Günther Grass' Blechtrommel geben (Ausf. Bericht folgt).

"Wir brauchen uns nicht zu verstecken, und wer sagt, in Kleve sei nichts los, der ist nicht informiert", sagte Sonja Northing angesichts der Vielfalt, die auch in der Saison 2017/18 wieder angeboten werde. Da sprang ihr auch Bruno Schmitz bei: "Das Angebot ist sehr umfassend", sagt er. Stimmt: Neben dem Tourneetheater in der Stadthalle gehen die Comedy- und Kabarettprogramme über die Bühne, inszenieren die beiden semiprofessionellen Theater vor Ort, XOX und Theater im Fluss, ihre Stücke, hat Cinque ein eigenes Kabarettprogramm, daneben stehen die beiden Musikreihen klassischer Musik. Um nicht das große Museum Kurhaus zu vergessen, dessen Ausstellungen weit über Kleve hinaus aufmerksam machen.

Das gelang in diesem Jahr auch mit dem neuen Theaterprogramm, freute sich Stephan Derks vom Fachbereich Kultur. Denn zum Auftakt steht ein weiterer Theaterklassiker auf dem Programm: Mit Heinrich von Kleists "Zerbrochener Krug" öffnet sich am Dienstag, 12. September, der Vorhang für die Theatersaison 2017/18. Und dafür haben bereits Schulen aus den Niederlanden angefragt: Sie möchten das Stück vom Dorfrichter Adam gerne angucken, der Teil ihres Deutschunterrichts ist. Der zerbrochene Krug ersetzt in diesem Jahr zugleich das Theaterstück fürs Abi, so dass eine gesonderte Aufführung entfalle, erklärt Stephan Derks. Inszeniert wird das Lustspiel um Lug und Trug vom Landestheater Burghofbühne Dinslaken.

Am Montag, 16. Oktober gastiert die Konzertdirektion Landgraf mit einer Tragikomödie von Florian Zeller auf der Bühne der Klever Stadthalle, die im Stück "Vater" die Krankheit Alzheimer thematisiert. Und dann agitiert er auch auf der Klever Bühne: Adolf ist wieder da. Er, der Herr Hitler, den Timur Vermes in seinem Roman "Er ist wieder da" ins 21. Jahrhundert holte. Das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel holt den Erfolgsroman als Theaterstück auf die Bühne und macht am Donnerstag, 18. Januar, Station in der Klever Stadthalle.

Ebenfalls für Theater umgeschrieben wurde das Dogma-Film-Stück "Das Fest", das am Mittwoch, 21. Februar ein Drama von Wahrheit und Lüge, Schein und Sein erzählt, von all den Verwerfungen, die bei einem Familienfest wieder hochkochen.

Den Abschluss macht am Dienstag, 10. April, ein alter Edgar Wallace-Krimi: "Die toten Augen von London", 1924 von Wallace geschrieben, 1961 mit Fuchsberger und Kinski in Hamburg verfilmt, verlangt dem gesamten Theaterteam um Inspektor Holt (Wolfgang Pfäffle) und seiner Assistentin Diana Ward (Michaela Schaffrath) eine Menge ab: für kollektives Mörderraten und für reichlich Komik.

Quelle: RP
 
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