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Kleve
Duo "TubAkkord" begeisterte in der Kleinen Kirche

Kleve. Die erste Überraschung dieses herrlichen Abends erlebte man gleich zu Konzertbeginn: Fabian Heichele, Tubist des ungewöhnlichen Duos TubAkkord, betrat die Bühne allein. Sein Kollege, Akkordeonist Konstantin Ischenko, sei noch nicht hier - er habe morgens ein Konzert in Wien gehabt und sitze nun im Auto, es könne sich aber nur noch um Minuten handeln. Von Verena Krauledat

In der Zwischenzeit unterhielt Fabian Heichele das Publikum in der gut gefüllten Kleinen Kirche an der Klever Böllenstege glänzend, mit witzigen Anekdoten und vor allem mit Musik: einem rasanten Flamenco, einem Satz aus einer Bach-Cellosuite und einem "BlackbirdFunkTubaSolo", frei nach dem gleichnamigen Beatles-Song.

Nach einer halben Stunde eilte Ischenko herein, packte sein Instrument aus, setzte sich hin und spielte: Ein raumgreifendes Solo wanderte von Bachs Toccata d-Moll zu einer freien Improvisation, meditativ, schmerzlich, betörend - bis sich das Duo schließlich zu Astor Piazzollas wunderbarem "Adiós Nonino" zusammenfand. Das Warten hatte sich gelohnt.

Den beiden jungen Musikern war die Begeisterung am gemeinsamen Musizieren deutlich anzusehen. Da es für ihre Besetzung quasi keine Literatur gibt, besteht ihr Repertoire teils aus bearbeiteten zeitgenössischen Stücken für Tuba und Klavier (wie etwa das jazzige "Pearls III" des 1977 geborenen Ungarn Roland Szentpali), teils aus wahnwitzigen Eigenarrangements berühmter Klassiker: In Vittorio Montis "Csardas" oder Aram Chatschaturjans "Säbeltanz" brillierten beide Musiker mit virtuosen Läufen und Sprüngen, die man vor allem bei der Tuba sonst eher selten hört.

Heichele, Tubist bei den Augsburger Philharmonikern, überzeugte nicht nur mit souveräner Technik, sondern auch durch ausdrucksvolle Melodien in den hohen Lagen. Der in Sankt Petersburg geborene und ausgebildete Ischenko erwies sich als wahrer Zauberer auf seinem Instrument: Mal dröhnte das Akkordeon unter seinen Händen so voluminös wie eine Kirchenorgel, mal schlichen sich die Töne wie aus dem Nichts in den Raum, beseelt und herzzerreißend wie eine menschliche Stimme.

Fritz Kreislers bekannte Weisen "Liebesleid" und "Liebesfreud" mischten die beiden mit freien Ländler-Elementen, inklusive herzhaftem Juchzer des Tubisten. Zwischendurch machte Heichele mit den Zuhörern Ansatz-Übungen und ließ sie in eine imaginäre Tuba blasen - man wurde immer wieder überrascht in diesem Konzert.

Am meisten jedoch ergriff das Duo mit den Stücken Piazzollas: dem sehnsuchtsvollen "Ave Maria" (Akkordeon solo), dem tiefdüsteren Tango "Oblivion" und dem explosiv-rhythmischen "Libertango", den man selten so intensiv gehört hatte. Langer Applaus in der Kleinen Kirche.

Quelle: RP
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