| 00.00 Uhr

Kleve
Ein Ausflug in den Experimentier-Wald

Kleve. Keine rasanten Karussell-Fahrten, keine pulsbeschleunigende Action, nichts Multimediales. Kann ein Freizeitpark, der das nicht bietet, moderne Kinder ansprechen? Und wie - in der Dierener Spelerij. Sogar Lernen macht da Spaß. Von Anja Settnik

Schön, dass es endlich ein wenig sommerlicher ist. Weil darauf aber mittelfristig kein Verlass ist und immer nur Fahrradfahren den lieben Kleinen auch nicht gefällt, hier ein Vorschlag für einen garantiert unvergesslichen Ausflug in die Niederlande: Kreativ werden in der Spelerij Dieren. Im Wald zwischen Arnheim und Zutphen, leicht über Emmerich zu erreichen, hat sich ein niederländisches Ehepaar einen Traum erfüllt. Ausgehend vom künstlerischen Schaffen Jos Spanbroeks und dem pädagogischen Anspruch seiner Frau Riet entstand ein Spiel- und Erlebnispark, der seit über 30 Jahren funktioniert und dazu bis heute keinerlei Technologie nötig hat. Hingegen ganz viel Technik im Sinne der Physik.

Fast ohne es zu bemerken lernen Kinder in der Spelerij und der Indoor-Abteilung "Uitvinderij" (wörtlich übersetzt "Herausfinderei") Dinge, die längst nicht alle Eltern und Lehrer ihnen erklären können. Wo die Theorie nicht genügt, hilft die Praxis, das Selbermachen. Davon bleibt garantiert niemand unbeeindruckt.

Bildhauer Jos war früher auch Puppenspieler. In den Schulen, in denen er auftrat, hatte er das Gefühl, dass den Mädchen und Jungen Gelegenheit zum aktiven Tun fehlte. Selbst damals schon, als Computer und Spielekonsolen für Kinder noch kein Thema waren. Und noch etwas fiel der Erzieherin und dem Künstler schon in den 80-er Jahren auf: Der Nachwuchs hockt zu viel im Haus. Also kauften die beiden ein Stück Land, mit Waldbestand und einer Gebäuderuine darauf, die zum Kreativ-Spielplatz entwickelt wurde. Zuerst schuf Jos metallene Kunstwerke, die bis heute sämtlich zu bespielen sind und sich auch nach vielen Jahren und trotz mancher Roststelle immer noch erstaunlich gut bewegen lassen. Im Wald stehen phantasievolle Konstruktionen, überwiegend aus Recyclingmaterial hergestellt. Sogar ein großer Kran darf selbst bedient werden. Lehrstunden in Mechanik faszinieren Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Warum sich was dreht, wie Dinge ins Rollen kommen, wie ein Zahnrad ins nächste greift, wie sich Kräfte optimieren lassen - das alles ist, wenn experimentell vermittelt, höchst spannend und riecht kein bisschen nach Unterricht.

Den ganzen Tag lang können sich Familien in dem Dierener Komplex beschäftigen. Vieles ist draußen, aber auch bei Regen kommt keine Langeweile auf, denn die Uitvinderij ist indoor. Die Spelerij ist gleichzeitig Arbeitsplatz des Künstlers, Atelier und Ausstellungsraum, überall dürfen Kinder rein, rauf, alles anfassen, ausprobieren. Ob Karussell oder Bauplatz, bewegliche Figuren oder Tunnel mit schräger Akustik - jedes einzelne Kunst-Spielzeug lohnt die Auseinandersetzung. Die etwas älteren Kinder werden von der Uitvinderij begeistert sein, in der sogar Schmieden und Schweißen möglich sind. Derartige Workshops gibt's übrigens auch für Erwachsene; beim RP-Besuch mühten sich gerade Teilnehmer eines Junggesellenabschieds mit diesen ur-männlichen Fertigkeiten.

Um Metall zu biegen braucht's mit den richtigen Geräten aber nicht einmal Feuer, lernen die Kinder. Auch Stanzen ist kein Hexenwerk. Nach ein, zwei Stunden angeleiteter Werkelei hat garantiert jeder etwas zum Mitnehmen für zuhause geschaffen. Auch mit Holz, Papier, Plastik oder Wasser lässt sich kreativ arbeiten, wenn man nur weiß, wie. Die Mitarbeiter des Parks führen in die Techniken ein und stehen auch danach hilfreich zur Verfügung.

Und wenn der Hunger kommt? Gibt es nicht einfach Pommes, wie in den Niederlanden anzunehmen wäre, sondern ein Stück Stockbrotteig. Damit stelle man sich an lange Gasgrill-Wannen und halte einen Stock über die Flamme, bis das Gebäck fertig ist. Selber füllen mit Marmelade oder Schokolade, eventuell "umbauen" zum Hot Dog - fertig ist das schlichte Selbermach-Menü.

Geöffnet bis Ende September täglich von 10-18 Uhr, im Winter an den Wochenenden. Eintritt 13 Euro, "U 4" kostenlos. Mehr gute Ideen aus dem Grenzgebiet: www.das-andere-holland.de; www.buchen-holland.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleve: Ein Ausflug in den Experimentier-Wald


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.