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Kalkar
Ein Blick durch das Schaufenster

Kalkar: Ein Blick durch das Schaufenster
Den Blick durchs Schaufenster von drinnen nach draußen schuf der Kölner Maler Heiner Schlesing 1975. FOTO: Evers Gottfried
Kalkar. Das Museum Kalkar präsentiert in seiner Sommerausstellung "Im Wechsel des Lichts" Malerei des zuletzt in Köln lebenden Malers Heiner Schlesing. Die Bilder des "Reisemalers" sind bis 11. September in Kalkar zu sehen. Von Matthias Grass

Die Eingeborenen auf Bora Bora nannten ihn "Henere", wenn er sie wie einst Paul Gauguin sonnenverwöhnt inmitten der wuchernden Vegetation malte. Der Reiseautor Erich Keilpflug hat Maler "Henere" in der Mitte des vorigen Jahrhunderts verewigt, als "Landschafter", wie Harald Münzner, Leiter des Fachbereichs Kultur der Stadt Kalkar, aus einem kleinen Büchlein der Stadtbücherei zitiert. "Henere" ist Heiner Schlesing, der in den 1920er Jahren in Freiburg und München Kunstgeschichte und Archäologie und in Karlsruhe Malerei studierte und vor dem Zweiten Weltkrieg die Welt bereiste: Er war in Polynesien, in New York, im Vorderen Orient, bereiste Zentralafrika ebenso wie Australien oder Indien.

Schlesings Reisebilder widmen sich profanen Alltagsszenen, die oft die Natur und die Menschen in Anlehnung an Feininger in geometrische Formen auflösen. Die hier in Farben schwelgen, dort auf eher gedämpfte Töne setzen und immer irgendwie von der Leichtigkeit des Seins zu erzählen scheinen. Diesen Bildern hat das Kalkarer Museum seine Sommerausstellung gewidmet.

Schlesings Witwe Inge verwaltet den Nachlass des Künstlers. FOTO: eve

"Im Wechsel des Lichts" titelt sie und soll etwas Farbe und Freude in das triste Grau des Niederrhein-Sommers 2016 bringen. Mit den warmen Szenen aus Polynesien, mit den Bildern des Malers und seiner jungen Frau am Meer oder dem prallen Leben in der Jazzkneipe. Als habe es Schlesing geahnt, hängt aber auch eine in Grautönen gemalte Szene von den Hohen Straße in Köln dazwischen, die an Bilder aus einer Grafic-Novel erinnert.

Schlesing ist hochbetagt im Alter von fast 92 Jahren 1992 verstorben. Seine Witwe, jene junge Frau am Strand, die dem Maler über den Rücken blickend bei der Arbeit zuschaut, hütet den Maler-Nachlass. "Sie lebt zwischen seinen Bildern, die die Erinnerung an ihren Mann wachhalten", sagt Karl-Ludwig van Dornick, von den Freunden Kalkars, der zusammen mit Harald Münzner die Ausstellung im Kalkarer Museum eröffnet hat. Van Dornick sieht die Rückführung auf elementare Grundformen als ein Grundelement in den Arbeiten Schlesings. Eine Art Abstraktion, so der Ex-Bürgermeister, die die Wirklichkeit aber nicht verdränge.

Dieses "Umformatieren" der Szenen in Dreiecke oder Prismen findet man in den meisten Bildern Schlesings. Sehr schön zeigt das Museum hier anhand von Entwürfen, wie der Maler zunächst die Formen auflöst, dann die einzelnen Formen in Farben übersetzt, die er wieder mit Ölkreide in einer weiteren Skizze erarbeitet, um sie schließlich im großen Format mit Öl auf Leinwand zu bringen.

Auf der anderen Seite steht aber auch die Freude an der prallen Malerei wie in der Jazz-Szene mit der drallen Tänzerin in der Mitte, um die sich Blechbläser und Pianist gruppieren und gesetztere Herren in Anzügen an Tischen. Aus Köln stammen Treppenszenen mit einem prächtig farbigen Dom im Hintergrund oder einfach ein Blick durch die beleuchtete Schaufensterscheibe hinaus auf die Menschen in der dunklen, von Schaufenstern und Neon-Schriften beleuchteten Straße. Es wird ein Kölner Kaufhaus sein, jene Stadt in der Schlesing seit 1949 lebte und als Maler und Kunsterzieher arbeitete.

Seine Witwe lebt jetzt in Rees und sorgt dafür, dass das Werk des Malers, der nie "auf den Kunstmarkt drängte (so Münzner), in der Region bekannter wird.

Quelle: RP
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