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Kleve
Ein familiengerechter Schatz der Nibelungen

Kleve. Richard Wagners "Ring des Nibelungen" in 60 Minuten? Das geht! - bewies die Kammeroper Köln beim 1. Konzert der Besonderen Reihe. In einer familiengerecht bearbeiteten Version erlebten Familien und Schulklassen im gut gefüllten Saal die Abenteuer rund um den sagenumwobenen Schatz des Nibelungen. Hinter diesem waren da alle her: der Zwerg Alberich (Andreas Post, ebenfalls "Fasolt") raubt den Rheintöchtern das Rheinhold, das die Macht hat, alles zu beherrschen, und schmiedet einen Ring daraus. Göttervater Wotan (Dominic Kron, auch als "Fafner") kommt ins Spiel: er streitet sich mit Sieglinde (Sarah Cossaboon, auch als "Waldvogel") und raubt den Ring. Fafner, alleiniger Herr des Horts und des Rings, hat sich in einen Drachen verwandelt. Die Walküren erscheinen im Walkürenritt als fliegende Supermädchen und Sieglinde bittet Brünhilde (Miriam Kurrle, wegen Krankheit gesungen von Cossaboon), sie dem Tod zu übergeben. Von Barbara Mühlenhoff

Doch als die Walküren ihr offenbaren, dass sie einen Helden als Sohn unter dem Herzen trage, erwacht neuer Lebenswille in ihr. Brünnilde überreicht die Stücke des von Wotan zerschlagenen Schwerts Nothung. Es kommt der bereits erwachsene Held Siegfried (Brendan Sliger) als Lehrling des Schmieds Mime (Luise Lein, auch "Erda" und "Loge"): Nur wer - wie er - ohne Furcht sei, könne das Schwert wieder zusammenschmieden. Mime ("Mime macht so manches mit Metall") überlegt sich als Mutprobe, Siegfried müsse den Drachen Fafner töten und das Schwert wird kurzerhand dafür zusammengesteckt.

Siegfried, der nicht weiß, dass er zu Wotans Plan gehört, die Welt vom Fluch des Rings zu erlösen, erschlägt den Drachen und nimmt den Ring an sich. Er verliebt sich in Brünhilde und überlässt ihr den Ring als Liebespfand. Nach Verwicklungen, die nicht in epischer Wagner-Breite ausgelegt wurden, beendet Brünhildes Liebe den Fluch und alle finden glücklich zusammen. Teilweise waren die Kinder im Publikum gefragt: erst mussten sie Erda durch lautes Rufen wecken, damit diese die Geschichte überhaupt erzählen konnte, und später wurde Siegfried lautstark aufgefordert, Brünhilde einfach zu küssen.

Herrlich komisch machte Sliger aus dem Helden einen etwas pummeligen, lustigen und liebenswerten Gesellen. Das ganze Ensemble überzeugte mit starkem Gesang, allen voran Sarah Cossaboon. Das Bühnenbild war schnell variabel und deutlich, die Kostüme liebevoll und für Kinder gut zu erkennen. Leider waren die Gesangspassagen recht lang und der Text dabei nicht verständlich genug, als dass die Kinder ihn wirklich verfolgen konnten; das Ziel, die Geschichte um den Ring zu erzählen, wurde zwar erreicht, die Musik konnte aber nicht nahe gehen. Für ungeübte Kinderohren klang der Operngesang manchmal laut und "fremd", obschon das Konzept, den Gesang mit Klavier (Sung-Joon Kwun) zu unterlegen, die "Macht" der Wagner-Musik genau richtig dosierte.

Viel Applaus für das Ensemble.

Quelle: RP
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