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Kalkar
Ein gutes, spannendes Jahr für Schulz

Kalkar: Ein gutes, spannendes Jahr für Schulz
FOTO: Evers Gottfried
Kalkar. Auch Kalkars neue Bürgermeisterin Dr. Britta Schulz ist in diesen Tagen ein Jahr Chefin im Rathaus. Ihr Fokus hat sich zwangsläufig vom Forum auf die gesamte Bürgerschaft verschoben. Haushalt bereitet Probleme, Sparen genügt nicht. Von Anja Settnik

Das erste Jahr war nicht einfach, aber spannend, lehrreich und unterm Strich besser als erwartet, sagt Bürgermeisterin Dr. Britta Schulz. Nicht zuletzt die Unterstützung der leitenden Mitarbeiter habe ihr geholfen, Fuß zu fassen. "Das Fachwissen, das die Kollegen haben, kann ich nicht in kurzer Zeit aufholen. Dafür sind lange Ausbildungen oder Studien nötig. Wir arbeiten gemeinsam daran, dass jeder Mitarbeiter im Rathaus selbstständig und eigenverantwortlich arbeitet. Und ich mache es dabei so wie jeder Angestellte: Wenn ich etwas nicht weiß, frage ich. Nur weil ich Bürgermeisterin bin, muss übrigens nicht jede Kleinigkeit über meinen Schreibtisch gehen. Die strikte Gliederung von oben nach unten will ich so nicht haben." Anfang November 2015 hatte Schulz CDU-Mann Gerhard Fonck "beerbt", der nach der verlorenen Wahl Ende September die Geschäfte noch einige Wochen weiter führte und dann sein Büro räumte.

Dort sitzt nun Dr. Britta Schulz, wobei "Sitzen" nicht so recht stimmt, denn die 56-Jährige ist viel in der Stadt unterwegs. "Ich möchte, dass die Kalkarer mich kennen, nicht nur von Fotos. Deshalb gehe ich zu so vielen Gruppen hin, wie es mir möglich ist. Ich möchte nicht als die Königin im Rathaus wahrgenommen werden. Entsprechend halte ich auch keine politischen Reden, sondern spreche ganz normal mit den Leuten. Das kommt an, glaube ich." Dass sie nun nicht mehr "nur" mit ihrem Forum, sondern mit allen Fraktionen im Rat zurecht kommen muss, sei ihr von Anfang an klar gewesen. "Ich bin jetzt in erster Linie Bürgermeisterin." Beobachter politischer Sitzungen haben schon mehrfach erlebt, wie Schulz durchaus auch die eigenen Leute recht rüde ansprach. "Ich muss zugeben, dass ich manchmal ungeduldig bin und damit sicher auch schon mal meine Fraktion geärgert habe", sagt sie. Im Bemühen um Ausgewogenheit erlaube sie sich eben auch schon mal Widerspruch - ungeachtet der Person ihr gegenüber. "Als wir noch Opposition waren, haben wir immer verlangt, dass nicht alle im Gleichschritt gehen müssen. Das nehme ich auch für mich selbst in Anspruch." Ein ganz wichtiges Thema ist für die Bürgermeisterin jetzt wie vor einem Jahr die Sanierung des Haushalts. "Mit Sparen an Kleinkram ist das nicht mehr zu machen. Wir müssen den Bürgern unangenehme Wahrheiten zumuten. Dazu gehören Steuererhöhungen. Und zwar lieber einmal kräftig als immer wieder nachlegen." Ein Gebäudemanagement einzuführen sei sicher richtig, Einsparungen daraus ergäben sich aber erst langfristig. "Damit erwirtschaften wir nicht von heute auf morgen die fehlenden zweieinhalb Millionen Euro."

Für den Freizeitbereich Wissel wolle sie gemeinsam mit dem Wirtschaftsförderer intensiv nach Sponsoren suchen. "Als Stadt können und sollten wir da nicht selbst investieren." Kleinere Projekte wie eine Eisbahn im Advent oder der Sandstrand auf dem Marktplatz seien Größenordnungen, die die Stadt stemmen könnten, zumal sie vom Engagement vieler profitierten: "Wenn Handel, Gastronomie, Verwaltung und Bürger an einem Strang ziehen, macht das unsere Stadt attraktiv. Was sich auch auf die Stadtteile bezieht, die ebenso aufgefordert sind, sich einzubringen." Zum Beispiel im kommenden Jahr, wenn Kalkar seine 775-Jahr-Feier begeht.

Gerne möchte Britta Schulz ein Bürgerbussystem installieren. "Wenn die NIAG jetzt mitspielt und es uns gelingt, einen Verein zu gründen, wäre das gerade für die Dörfer eine tolle Sache." Am Beispiel Grieth mit seinem bestens gestarteten Lädchen sei abzulesen, was Bürger erreichen können, wenn sie sich engagieren. Unzufrieden ist die Bürgermeisterin mit dem bisherigen Ergebnis der von der Kommune unterstützten Werbeaktion "Glasfaser". Noch sind längst nicht genügend Verträge für schnelles Internet in Kalkar geschlossen.

Quelle: RP
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