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Kleve
Ein Jahrhundert der Schuhindustrie

Kleve: Ein Jahrhundert der Schuhindustrie
Theo Knips, Vorsitzender der "Kleefse Schüsterkes", in einer Werkstatt im Museum. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Im Schuhmuseum wird ein bedeutender Teil der Klever Geschichte veranschaulicht. Dort erinnern tausende Ausstellungsstücke an eine Industrie, deren Aufschwung mit der Industrialisierung begann. Von Marcel Romahn

Einst war Kleve eine weltweite Größe in der Schuhproduktion. Neue Modelle, verbesserte Materialien und schließlich die Massenproduktion von Qualitätsschuhen - dafür war der Niederrhein seit Ende des 19. Jahrhunderts berühmt. Heute ist von der Großindustrie nichts mehr übrig. Das Werk des Schuh-Produzenten Hoffmann, musste 2004 seine Toren schließen. An den damals größten Arbeitgeber der Stadt erinnert heute das Schuhmuseum. Inmitten der umfangreichen Sammlung des Vereins "Kleefse Schüsterkes" kann der Besucher auf Zeitreise gehen.

Auf zwei Etagen findet sich hier alles, was zur traditionellen Manufakturarbeit früher Jahre, aber auch zur fortschrittlichen Fabrikarbeit vom Verein zusammengetragen werden konnte: abgenutzte Werkbänke mit den dazugehörigen Werkzeugen des Schuhmachers, alte Fotos und Meisterbriefe und natürlich: Schuhe in allen Größen, Formen und Farben. "Diese Stadt war eines der Wirtschaftszentren in der Schuhbranche", sagt Theo Knips, Vorsitzender der "Kleefse Schüsterkes", die das Museum im Jahr 2010 eröffnet haben und seitdem ehrenamtlich betreiben. "Zwischen der Jahrhundertwende und dem Zweiten Weltkrieg hatten wir hier mehr als 50 Fabriken und hunderte Schuhmacher. Hier war jeder sehr stolz auf sein Gewerbe." So sei Kleve beispielsweise berühmt für seine Kinderschuhe gewesen. 1896 ließ sich die Firma Hoffmann in der Stadt nieder und entwickelte nur vier Jahre später den bislang fortschrittlichsten Schuh für Kinder, der in verschiedenen Größen und Maßen hergestellt und mit modernen orthopädischen Methoden an den Fuß des Kindes angepasst werden konnte. "Das war eine weltweite Revolution", sagt Knips. "Erstmals hatten die Kinder Schuhe, die auch für ihr Wachstum medizinisch verträglich waren."

Schuhgröße 70 - das größte Stück im Klever Museum. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Die Erfolgsgeschichte setzte sich über das gesamte Jahrhundert fort: 1928 waren 4.000 der insgesamt 19.000 Klever im Schuhgewerbe tätig. Doch mit dem Beginn des nächsten Jahrtausends kam auch das Ende der Branche immer näher. Im Jahr 2000 war die Belegschaft bereits auf 460 Mitarbeiter geschrumpft. "Dann folgten Angebote mächtiger Konzerne aus dem Ausland", sagt Knips. Auch die Tatsache, dass der Baby-Boom stark nachgelassen hatte - etwa durch Erfindung der Anti-Baby-Pille - machte dem Kinderschuh-Produzenten schrittweise den Garaus. Schließlich wurde die Firma Hoffmann aufgekauft - 2004 war Schluss.

Der Verein gründete sich erst vier Jahre später und sammelte fortan alte Fabrikbestände und Spenden aus der Bevölkerung. "Wir haben tausende Stücke für unsere Ausstellung zusammengetragen", so der Vorsitzende. "Die glorreiche Geschichte soll in diesem Museum erhalten bleiben und auch den jungen Klevern einen Blick in die Vergangenheit ermöglicht werden." Unter all den Herren- und Damenschuhen, den kleinen "ersten Schühchen" für Kinder und den großen, Nägel-beschlagenen Arbeiterstiefeln finden sich auch einige besondere Hingucker. Etwa die Hälfte eines Regalfachs benötigt der rechte Schuh, der für einen Herren in Übergröße gefertigt wurde - Schuhgröße 70. Besonderes Schuhwerk findet sich auch in der Sportlerecke. Ein Modell mit der Aufschrift "Bomber" wurde sogar von Fußballstar und Rekordtorschütze Gerd Müller mitentwickelt. Als Beweis dient eine Autogrammkarte mit persönlicher Widmung an die Firma Hoffmann.

Mit etwa tausend Besuchern im Jahr sind die 54 Mitglieder des Vereins sehr zufrieden. "Wir würden uns aber wünschen, dass die Wahrnehmung in der Bevölkerung noch größer wäre", sagt Knips. "Deshalb freuen wir uns immer über interessierte Gäste oder neue Mitglieder - gerne auch junge Leute."

Quelle: RP
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