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Kleve
Ein Konzert wie ein Sahnehäubchen

Kleve: Ein Konzert wie ein Sahnehäubchen
Counter Tenor Benno Schachtner gastierte in Kleve FOTO: Konzerte
Kleve. 4. Reihenkonzert mit dem dogma chamber orchestra und Counter Tenor Benno Schachtner. Von Barbara Mühlenhoff

Es gibt Konzerte mit wundervoller Musik, die sollen gar nicht aufhören - so fühlte man sich beim 4. Reihenkonzert mit dem dogma chamber orchestra und Counter Tenor Benno Schachtner. Dieser war gerade erst aus Toronto eingeflogen und gastierte sogleich in der Klever Stadthalle. Das Credo des 17köpfigen Kammermusikensembles ist, klassische Musik auf spieltechnisch hohem Niveau zu präsentieren, dabei aber die Distanz zum Publikum abzubauen. Dies gelang zum einen durch die ansprechende Moderation des Leiters Mikhail Gurewitsch, zum anderen durch die spritzige, ausdrucksbewusste Spielweise.

Es könnte an dieser Stelle eine Aneinanderreihung von Superlativen folgen, die dem Abend in jeder Weise gerecht würden, doch es zählte vor allem die emotionale Seite der Musik: die Spielfreude und der gemeinsamen Atem. Bei Vivaldis Concerto grosso op. 3 Nr. 11 aus "L'estro Armonico" sang die Solo-Geige im Mittelsatz über dem satten Gesamtklang; die Instrumentalisten spielten absolut staubfrei und lebendig.

Auch Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3 wurde in der Originalbesetzung mit allem Temperament und in agilen Tempo klar gefasst; man sah förmlich, wie der Duktus durch das Ensemble wanderte, das auch in virtuosen Läufen und zumeist non-vibrato blitzsauber intonierte. In einem klaren, ausgewogenen Klangbild intonierten die Musiker makellos und unangestrengt, phrasierten mit feinem Sinn für die innere Spannung der Musik.

Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen war der Auftritt des Countertenors Benno Schachtner, der für die Darbietung von insgesamt vier Arien aus Händels Oeuvre minutenlangen Applaus erhielt. Die rasche Heldenarie aus "Giulio Cesare" geriet aufgewühlt und in gleichsam verfliegenden Zorn, Schachtner präsentierte sich darin auch im Kampf als Poet, während "Cara sposa" aus "Rinaldo" innig und elegisch gelang. Neben "Si cadro" aus "Arminio" beglückte vor allem "Lascia ch'io pianga", der "Hit" aus "Rinaldo", in dem Schachtner die Farbpalette seiner Stimme einsetzte, um die Zuhörer zu berühren. Nach der Pause folgte vom dogma chamber orchestra gespielt ein bunter Strauss in der Auswahl aus Dimitri Schostakowitschs 24 Präludien op. 34, für Streicher bearbeitet von Grigory Korchmar.

Von der der Passacaglia bis zur Humoreske und Anklängen an "Straßenmusik" traf man hier auf vielerlei Gestaltungen. Den Abend beschloss die Streichersinfonie Nr. 12, ein jugendlich-frisches Werk vom damals 14jährigen Mendelssohn komponiert, ein Stelldichein der Tradition im frohgemuten Aufbruch in die neue Epoche.

Im Cantabile des zweiten Satzes wollte man baden, so schön und innig wurde interpretiert. Mit rhythmischem Drive und sichtlicher Verehrung für die Komponisten beschenkte das Ensemble die Zuhörer mit ausgefeiltem dynamischem wie artikulatorischen Zugriff auf die Werke mit vielen Höhepunkten, ohne jemals Längen aufzuweisen.

Die musikantische Kommunikation mit dem Publikum gelang und entließ mit den schönsten Gedanken und Gefühlen.

Quelle: RP
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