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Rp-Serie Unsere Seelsorger Joseph Bullmann (17)
Ein Leben zwischen Kreuz, Krieg und Kunst

Rp-Serie Unsere Seelsorger Joseph Bullmann (17): Ein Leben zwischen Kreuz, Krieg und Kunst
Prälat Bullmann begrüßt 1958 die Festgäste im neuen Ludwig-Wolker-Heim, darunter in der ersten Reihe Josef Sonderfeld, Friedrich Peiter, Theo Vermaaten und Hans Verheyen. FOTO: Cellina
Kleve. Pfarrer Joseph Bullmann wirkte von 1934 bis 1958 in St. Willibrord Kellen. Von Werner Stalder

KLEVE-KELLEN Drei ehemalige Messdiener, Pierre Theunissen, Hans Kerst und Hans Kehren, haben Pfarrer Joseph Bullmann, der von 1934 bis 1958 Pastor in Kellen St. Willibrord war, erlebt. Am 30. August 1885 in Xanten geboren, wuchs er im Schatten des Domes auf. Die Priesterweihe empfing er am 10. Juni 1911 im Dom zu Münster. Seine priesterliche Tätigkeit begann er als Kaplan in Duisburg-Hamborn.

1952 pflanzt Pastor Bullmann am Schützenhaus einen Baum. Dabei sind auch Bürgermeister Friedrich Peiter und Gerd Heeck (Vorsitzender des Schützenvereins). FOTO: Cellina

Seine späteren Seelsorgsstellen waren in Millingen, Telgte und Münster. Seine Zeit als Pastor in Kellen war geprägt durch die schweren Jahre der Bedrängnis in der Kriegszeit und den großen Belastungen der Nachkriegszeit. Hans Kerst erinnert sich daran, dass er mit seinem Bruder Horst die Messe diente, als bei einem Fliegeralarm die Gottesdienstbesucher aufgefordert wurden, sofort die Kirche zu verlassen. Pastor Bullmann aber sagte ihnen: "Jungs, wir machen weiter!" Nach der Messe waren nur noch die drei in der Kirche.

Unter dem Titel "Licht und Schatten" hat Bullmann über die Zeit von 1933 bis 1945 eine Chronik veröffentlicht. Pierre Theunissen, der in Frankreich lebt, war während des Krieges fast täglich im Pfarrhaus, weil Pfarrer Bullmann einen Jungen aus Duisburg aus der Familie seiner Haushälterin Susanne Stiehl aufgenommen hatte, mit dem Pierre freundschaftlich verbunden war. "Ich könnte ein ganzes Buch über den Pastor schreiben", sagte er.

Gegen den Widerstand seines Vaters, Rektor Theunissen, der den Sohn gerne zum Gymnasium schicken wollte, entschloss er sich, mit der Unterstützung durch Pastor Bullmann, Bildhauer zu werden und eine Lehre bei Josef Kopetzki zu beginnen. Joseph Bullmann war nicht nur ein fortschrittlicher Seelsorger, sondern auch ein Liebhaber und Kenner der modernen Kirchenkunst. Auch setzte er sich ein in Fragen katholischer Erziehung, der Presse und des Theaters.

So hat er die Kirche mit vielen Kunstwerken bereichert, beispielsweise das schöne Willibrordreliquiar, die prachtvolle Kanzel und die Wandbehänge im Chor, die je nach den Festkreisen des Kirchenjahres ausgewechselt werden. Nach den Verwüstungen der Nazizeit fing der Pastor an, die Seelsorge wieder aufzubauen. Familie Kerst gehörte zu den vielen, die nach der Evakuierung nichts mehr vorfanden, "nicht einmal ein Kreuz.

" Pfarrer Bullmann schenkte ihr ein einfaches Kreuz, das bis heute im Hause Kerst an ihn erinnert. Hans Kehren bekam sporadisch eine Weihnachtsgabe vom Pastor, meistens mit Messdienergeschichten. 1956 erhielt er mit einer ganz persönlichen Widmung ein Buch, das "Kleine Katholische Kirchenlexikon", das ihn bis heute bei allen Umzügen begleitet hat: "Mit einem herzlichen Dank für Deine Mithilfe an der Jugend und somit am christlichen Volk.

" Von 1945 bis 1955 war der Geistliche Dechant des Dekanates Kleve, anschließend Ehrendechant. Eine besondere Ehrung erfuhr er an seinem 80. Geburtstag in der Ernennung zum Päpstlichen Geheimkämmerer durch Papst Paul VI. Die Gemeinde Kellen würdigte die großen Verdienste um das Wohl der Gemeinde und ihrer Bürger durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Kellener Pastor wurde jeden Morgen im Salon Artz auf der Emmericher Straße rasiert.

Am 12. März 1967 setzte Gott seinem Priesterleben ein Ende. Wenn man durch die Fenster der Feierhalle in Kellen schaut, blickt man auf sein Grab.

Quelle: RP
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