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Niederrhein
Ein Lebenswerk sucht seine Fortsetzung

Niederrhein. Bis zum Jahr 2020 werden kreisweit 750 Unternehmen mit 11.000 Beschäftigten die Nachfolge-Frage lösen müssen. Der 74 Jahre alte Manfred Hübbers vom Gocher Einrichtungshaus Kracht-Hübbers gibt sich dafür noch zwei Jahre Zeit. Von Jürgen Loosen

Der Kreis Klever Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers weiß, was auf ihn zukommt: "Wir stehen vor einer großen, gesellschaftspolitischen Aufgabe, denn bis zum Jahr 2020 werden kreisweit 750 Unternehmen mit 11.000 Beschäftigten die Nachfolge-Frage lösen müssen. Und das ist eine beunruhigende Zahl." Einer dieser Firmenchefs, Manfred Hübbers vom weit über die Grenzen des Niederrheins hinaus bekannten Unternehmen "Kracht-Hübbers Einrichtungen - Objekt Design" in Goch, macht das Nachfolge-Problem in seinen 900 Quadratmeter großen Ausstellungsräumen gemeinsam mit Kuypers deutlich. Der 74 Jahre alte Einrichtungsexperte hat bisher vergeblich versucht, seinem Lebenswerk eine Fortsetzung zu geben. Der Chef von acht Mitarbeitern gibt sich noch selbst zwei Jahre, um eine(n) Nachfolger(in) zu finden und seinem Netzwerk inklusive internationalen Kundenstamm vorzustellen, um den Start in die Welt von Möbel und Design zu erleichtern.

Das Netzwerk des Mannes vom Niederrhein kann sich mehr als sehen lassen: In ganz Deutschland, vor allem im Raum Frankfurt und München, wo er enge Kontakte mit der jüdischen Gemeinde pflegt, in den Benelux-Staaten, in England, den USA oder Israel hat er in zahllosen Bauten die Weichen gestellt für eine gelungene Mischung aus Funktionalität und Wohlfühl-Atmosphäre.

So hat er das Europäische Patentamt in Den Haag, die Wertpapierhandelsbank in Frankfurt oder aber auch das Airport-Hotel in Weeze mit seinen mehr als 100 Zimmern konzipiert und eingerichtet. Das Lukas-Krankenhaus in Neuss oder das Hotel Concorde in Frankfurt sind weitere Adressen. Besonders spektakulär und bis heute nachhaltig war sein Auftrag, für den teuersten und exklusivsten Trolley der Welt mit dem Namen "Henk" eine luxuriöse Vitrine zu entwickeln, mit der das 25.000 Euro kostende Schmuckstück auf der Internationalen Bootsschau in Monaco vom damaligen Prinzen Albert II. präsentiert wurde. Diese vor einem Jahrzehnt von Hübbers geschaffenen Vitrinen reisen bis heute um den Erdball (wir berichteten über den 4800 Euro teuren Prototypen). Tatsache ist: "Wir schieben heutzut

age mit unserem Team einen hohen sechsstelligen Auftragsbestand vor uns her und kriegen die Projekte kaum noch bewältigt. Derzeit arbeiten wir zum Beispiel an der Einrichtung eines Pflegeheims in der Nähe von München mit einem Volumen von etwa 400.000 Euro", erzählt Hübbers.

An all das könnte die nächste Designer-Generation anknüpfen, wobei Innenarchitekten, Möbelschreiner oder Projektentwickler in Frage kommen könnten - sofern sie denn kreativ und innovativ sind. Der größte Hinderungsgrund ist nach Ansicht von Hübbers die Tatsache, dass "junge Leute mit wenig Eigenkapital zu wenig Unterstützung bekommen, weil die Geldinstitute kaum noch ein Risiko bei der Finanzierung solcher Existenzgründer eingehen". Hübbers blickt zurück auf den Tag, als er das im Jahr 1949 von seiner Mutter Johanna Hübbers und seiner Tante Johanna Kracht (daher der Doppelname) gegründete Traditionshaus übernahm: "Ich wollte mich selbstständig machen und bin mit meiner Mutter zur Sparkasse gegangen. Obwohl ich über keinerlei Kapital verfügte, habe ich innerhalb von zwei Tagen den Kredit bekommen und konnte am 1. Juli 1970 als Geschäftsführer des Hauses beginnen. Damals zählten noch Glaubwürdigkeit und Vertrauen, aber das gibt es heute nicht mehr". Und so scheiterten alle bisherigen Versuche immer wieder an der fehlenden Bereitschaft der Geldinstitute, einen solchen Neustart bei fehlendem Eigenkapital zu finanzieren.

Hans-Josef Kuypers will auf mehreren Ebenen versuchen zu helfen: "Im Grunde ist die Lösung des Problems wahrscheinlich nicht kurzfristig machbar, auch wenn wir vom 14. bis 20. November wieder die Gründerwoche Deutschland haben mit vielen persönlichen Gesprächen." Zudem will er an den Hochschulen in NRW nach angehenden Innenarchitekten oder Designern suchen, denn: "Sofern jemand die einmalige Chance erkennt, bei machbaren Konditionen ein riesiges Netzwerk sozusagen in den Schoss gelegt zu bekommen, dann wächst auch die Hoffnung", hofft Kuypers.

Aber die Zeit drängt, denn Manfred Hübbers selbst gibt sich nach seiner Lebensplanung noch zwei Jahre Zeit für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Dann ist er 76 Jahre alt und möchte in den wohlverdienten Ruhestand.

Quelle: RP
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