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Kleve
"Ein neues kleines Paradies für Kleve"

Kleve. Maike, Ingmar, Wiebke und Marieta Schumacher, Kinder und Ehefrau des verstorbenen Arztes Dr. Gert Schumacher, melden sich zu seinem Vorschlag, ein Hundertwasserhaus auf dem Minoritenplatz zu bauen, erstmals auch zu Wort. Von Matthias Grass

Dr. Gert Schumacher hat kurz vor seinem Tod vorgeschlagen, ein Hundertwasserhaus in Kleve zu bauen - ein Vorschlag, der Wellen schlug. Jetzt meldet sich die Familie erstmals zu Wort. Die Reaktionen zeigen, dass man diesen Vorschlag in Kleve mit einer gewissen Ernsthaftigkeit angeht, die eine Umsetzung greifbar machen könnte. "Wir sind überwältigt von der so weitreichenden positiven Resonanz zu dem Vorschlag unseres Vaters Gert Schumacher, ein Hundertwasserhaus als 'Stadttor' für Kleve auf dem Minoritenplatz zu bauen", schreiben die Kinder und die Ehefrau des Arztes, Maike, Ingmar, Wiebke und Marieta Schumacher.

Sie erinnern sich, dass ihr Vater diesen Vorschlag in den letzten Tagen vor seinem Tod malte und plante, wohlwissend, dass er die weitere Diskussion um die Minoritenplatz-Bebauung nicht mehr erleben würde. "Dies ist sein Vermächtnis an seine Heimat Kleve, und für unsere Familie und unsere Kinder Inbegriff seiner Lebensphilosophie. Allein die Tatsache, dass er damit Menschen zur Diskussion angeregt und erreicht hat, hätte ihn sehr glücklich gemacht. In diesem Sinne hat er sein Ziel erreicht", schreibt Wiebke Schumacher.

Schumachers Kinder sind in Kleve großgeworden und leben inzwischen teilweise im Ausland (in Luxemburg und England), dennoch bleibt Kleve ihre Heimat: "Diese liebenswerte Stadt ist sogar für unsere noch kleinen Kinder zur zweiten Heimat geworden, weil wir regelmäßig die Großeltern besuchen", schreiben die Kinder. In den letzten Jahren habe Gert Schumacher trotz sich ausbreitender Krankheit fünf Enkelkinder in ihren ersten Lebensjahren begleiten können.

Er habe ihnen voller Stolz die neue Hochschule und die Museen gezeigt, die Enkel lernten die Schwanenburg mit ihrer Sage, Bootfahren auf dem Kermisdahl, den Tierpark und den Altrhein kennen. "Unser Kleve kann mit einigen Highlights punkten. Die grauslichen, nicht mehr gut zu machenden Bausünden der letzten Jahre sind da nur schwer zu ertragen", so das Fazit.

In den letzten Stunden seines Lebens habe Gert Schumacher für seine Heimat nur eines gewollt: seine Nachricht sollte Kleve wach rütteln aus dem Winterschlaf, die nicht endende Serie an nüchternen Bauvorschlägen für den Minoritenplatz mit ganz neuen Ideen zu beleben. "Architektur muss für uns alle nicht nur funktional sein, sondern in erster Linie "lebenswert", habe er gesagt.

Sieht man auf die Reaktionen, ist dieser Wunsch in Erfüllungs gegangen: Kleve diskutiert den Vorschlag größtenteils ernsthaft - und das nicht nur in der Hundertwasser-Gemeinde. Die Familie Schumacher zitiert den Künstler und Baumeister Hundertwasser, dem die heutige Architektur zu steril ist: "Denn fatalerweise hört jegliche Bautätigkeit in dem Augenblick auf, in dem Menschen ihr Quartier beziehen, wo doch normalerweise die Bautätigkeit nach Einzug des Menschen überhaupt erst beginnen sollte. Denn die wahrhafte Architektur entsteht durch normale Bautätigkeit und diese normale Bautätigkeit ist das organische Wachstum einer Hülle um eine Gruppe von Menschen. Dieses Bauwachstum verhält sich genau so wie das Wachstum des Kindes und des Menschen", so Hundertwasser. Das sei ganz im Sinne ihres Vaters, erklärt Wiebke Schumacher.

Der Appell an die Klever fällt sehr eindeutig aus: "Liebe Klever, lasst euch keine neue Bausünde aufdrängen - nutzt eure Stimme, e-mail, euer Telefon, und euer Gefühl, und entscheidet euch aktiv, was euch wichtig ist, um diesen Flecken von Kleve lebenswert zu machen. Eines Tages, so träumen wir, stehen wir vor diesem Hundertwasserhaus, mit unseren Kindern, die dieses Haus mit inspiriert haben, und sehen die Generationen wieder zusammenkommen, ein neues kleines Paradies in Kleve, ein Stadttor zu einer tollen Stadt, die nichts anderes verdient hat, als ein lebensfrohes Haus, gefüllt mit sozial engagierten Menschen, so wie unser Vater es war", schreiben Maike, Ingmar, Wiebke und Marieta Schumacher.

Quelle: RP
 
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