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Kleve
Ein Schatzsucher in Rindern

Kleve. Der Klever Stefan Möller untersuchte eine Wiese in der Nähe Rinderns und brachte viele wertvolle Funde aus einer dunklen Zeit zutage: dem Mittelalter. Seine Funde zeigt jetzt das Forum Arenacum in Rindern. Von Matthias Grass

Der Kleine hat seinen gefährlichen Schwanz mit der dreieckigen Spitze eingerollt und guckt mit großen Augen aus der Einfassung heraus, die Flügel auf dem Echsenkörper zum Start ausgebreitet. Der Kleine stammt aus einer Zeit, als Drachen noch nicht lieb wie Grisu und tolerant-weise wie ihre Verwandten aus China waren.

Damals hießen sie noch Fafner und meuchelten regelmäßig Jungfrauen und Ritter, bis Recken vom Schlage eines Siegfrieds ihnen den Garaus machten. Oder sie kämpften als die Ausgeburt der Hölle mit Erzengeln. Kurz: Der Kleine da in der gläsernen Vitrine ist zwischen 500 und 600 Jahre alt und stammt vom Zierbeschlag eines vornehmen Ritters. Gelebt hat der Mann im Mittelalter im Klever Land – denn der Beschlag wurde auf einem Feld in Rindern gefunden.

Dunkel der Klever Geschichte

Stefan Möller, Fotograf und Hobby-Archäologe, hat das kostbare Stück aus dem Dunkel der Klever Geschichte ans Tageslicht gebracht. Das Museum Forum Arenacum in Rindern zeigt die schönsten Stücke, die Möller aus der Erde geholt hat. Stücke, die sich sehen lassen können und die eine Zeit ans Tageslicht bringen, aus der es bisher kaum Funde in Kleve gab: das Mittelalter.

"Wir haben Funde aus der Frühzeit und aus der Römerzeit – vom Mittelalter findet man eigentlich wenig", sagt Roland Verheyen vom Rinderner Heimatverein. Und gerade hier hat Stefan Möller richtige Schätze herausgeholt: Kreuz- und Bügelfibeln ab dem 7. Jahrhundert nach Christus, Denare, Pfennige. Ein Denar aus der Zeit von Kaiser Otto I. (936 bis 962) trägt am Rand die Prägung "Oddo".

Dabei sind auch in Deventer geprägte Münzen von Kaiser Konrad II (1027 bis 1039) oder König Heinrich (1002 bis 1014). Das reicht bis in die Neuzeit: Musketenkugeln aus der Zeit der Belagerung Schenkenschanz', Knöpfe französischer Soldaten und nicht zuletzt Medaillen vom großen Kaisermanöver 1891.

Metalldetektor gekauft

Sein erstes Hobby, die Fotografie, hat der ehemalige Getlinger-Vertraute Möller zum Beruf gemacht. Als er in der Nähe Rinderns (eine genaue Ortsangabe darf der Hobby-Archäologe nach Rücksprache mit dem Denkmalamt nicht bekannt geben) eine leichte Erhebung mit sandigem Boden erkundete, fiel ihm sein zweites Hobby ein.

"Archäologie fand ich immer spannend. Ich habe mir dann einen Metalldetektor gekauft", erzählt der Klever. Mit dem Schritt er systematisch das ausgesuchte Feld ab - und wurde fündig. "Da muss es wohl im 14./15. Jahrhundert eine Siedlung geben haben, wenn man sieht, wie viel Mittelalterliches wir dort gefunden haben. Es ist unglaublich spannend, auf wenigen Quadratmetern 2000 Jahre Geschichte zu begegnen", sagt er.

Natürlich war die ganze Aktion zuvor mit den Denkmalämtern abgesprochen, mit denen Möller in engem Kontakt steht. Schließlich bekommen sie Funde, die so wertvoll sind, dass sie in Bonn beim Denkmalamt untersucht werden sollen. Doch zunächst ist Drache Fafner golden schimmernd noch in Rindern zu sehen.

Quelle: RP
 
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