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Kleve
Ein Schlote für die Museums-Pädagogik

Kleve: Ein Schlote für die Museums-Pädagogik
Den Strichmännchen-Mann setzte Wilhelm Schlote (l.) persönlich auf die Wand. FOTO: Evers
Kleve. Gestern übergab der Bleistift-Maler zwei aquarellierte Zeichnungen an das Klever Kurhaus. Zu diesen Zeichnungen gibt es zwei Auflagen vom Rotary-Club Kleve Schloss Moyland, die ab sofort im Buchladen Minerva verkauft werden. Von Matthias Grass

Der Strichmännchen-Mann lacht. Er reißt die Arme hoch und freut sich wie ein Schneekönig. Denn er ist am Lieblingsplatz seines Schöpfers Wilhelm Schlote im Museum Kurhaus Kleve, da wo das meiste Leben herrscht: in der "Wunderkammer". Schlote höchstpersönlich setzte den Mann mit einem dicken, karminroten Bleistift-Strich auf die Wand. Er war nicht der Erste, der auf die weiße Fläche malte, die in Museen eigentlich immer schneeweiß ist und höchsten Bilder tragen darf. Die "Wunderkammer" im Museum Kurhaus ist der Platz für die Kinder, für die Museumspädagogen. Hier hatte Schlote mit den kleinen Künstlern einen wunderbaren Nachmittag verbracht.

Dabei entstand auch die Idee, für den Rotary-Club Kleve Schloss Moyland eine Auflage zu machen, deren Erlös zu 50 Prozent an die Museumspädagogik des Kurhauses und zu 50 Prozent an das Hilfswerk des Rotaryclubs geht, das soziale Projekte unterstützt. Die Originale der beiden Drucke, die "Minerva", die anstatt des Speers bei Schlote natürliche einen Bleistift trägt, und das "Museum Kurhaus Kleve" mit neuem Eisernen Mann vom Karlsruher Professor Stephan Balkenhol, übergab Zeichner Schlote gestern dem Museum Kurhaus. Sie werden ihren Platz in der Wunderkammer bekommen.

"Die bewusste Naivität der Bilder erinnert an Kinderzeichungen", lobte Museumsdirektor Prof. Harald Kunde. Schlotes Bildern gebühre ein Ehrenplatz, übergebe der Künstler sie doch am "Geburtstag" des neuen Klever Museums, so Kunde. Das Kurhaus wurde gestern vor 20 Jahren eröffnet und setzte ein dickes Ausrufezeichen in die Museumslandschaft des Landes. "Wir werden ihnen einen Platz in der Wunderkammer geben", so Harald Kunde. Die Bilder sind damit bei den Kindern und können von allen dort auch gesehen werden. Da sei er gut aufgehoben, konterte Schlote - Picasso zitierend. Der habe gesagt, er habe schnell so zeichnen können, wie Raffael, aber er habe ein ganzes Leben gebraucht, um so zeichnen zu können, wie die Kinder. Es ist jener Kinder-Strich, den Schlote berühmt gemacht hat, jene auf wenige Striche reduzierten optimistischen Zeichnungen, die Strichmännchen und -frauen. So wird auf den Bildern der neue Eiserne Mann zum lustigen Strichmännchen und Minerva zieht mit dem Bleistift-Speer bunte Linien über das Blatt.

Die Auflage, auf gutem Karton gedruckt, wird gerahmt im Buchladen Minerva im Kurhaus verkauft. Sie zeigt eine auf Regenbogenfarben stehende Göttin Minerva, deren Delfine davon schwimmen. Die andere das Kurhaus mit Eisernem Mann. Mit Rahmen kosten sie 89 Euro, von jedem Blatt ist nur eine Auflage von 36 Exemplaren erschienen. Sie misst 40 mal 30 Zentimeter.

Heinz Roelofsen und Hans Vlaskamp vom Rotary-Club stellten die Auflage zusammen mit Schlote gestern im Museum Kurhaus vor. In der Diskussion um große und kleine Kunst zitierte der Zeichner aus Köln, der jahrelang in Paris lebte, nicht nur Picasso, sondern auch den Maler Balthus, der einst von Rainer Maria Rilke gefördert worden war und auch seinen Künstlernamen bekam. Der habe in einem Interview mit Richard Gere auf die Frage "wer der bedeutendste Künstler sei" geantwortet: Hergé. Das ist der belgische Comic-Zeichner und Schöpfer von "Tim und Struppi". Darüber freute sich natürlich der Cartoonist Schlote, der die Gunst der Stunde nutzte, sein neues Buch "Das magische Rechteck" vorzustellen. Das erzählt von Lisa, die zuhause nur auf ihren Computer und unterwegs nur auf ihr Smartphone guckt. Um nicht allein zu sein... ( 29 Euro, ISBN 978-3-00-053230-6).

Quelle: RP
 
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