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Kleve
Ein Schritt zurück ins rechte Licht

Kleve: Ein Schritt zurück ins rechte Licht
Bischof Heinrich Maria Janssen. FOTO: nn
Kleve/Hildesheim . Die 2015 öffentlich gewordenen Missbrauchsvorwürfe gegen den aus Rindern stammenden Bischof Heinrich Maria Janssen wurden von einer Arbeitsgruppe untersucht. Ergebnis: Nichts weist auf die Taten hin. Von Peter Janssen

Für Christa Storch waren die vergangenen Monate keine leichten. Die in Rindern lebende 69-Jährige ist die Nichte des ehemaligen Bischofs von Hildesheim, Heinrich Maria Janssen (1907 - 1988). Gegen ihren Onkel wurden im November 2015 schwere Vorwürfe öffentlich. Er soll Anfang der 1960er Jahre einen Messdiener regelmäßig missbraucht haben. Als Erstes berichtete damals das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über die Anschuldigungen.

"Vier Stunden bevor der Artikel im Internet stand, hatte uns die Bistumsleitung informiert. Für unsere Familie war es ein Schock. Ich denke ständig daran, aber ich war mir stets sicher, dass an den Anschuldigungen nichts dran ist", sagt Christa Storch. Sie kennt die Situation im Hildesheimer Bischofshaus, wo die Übergriffe auch stattgefunden haben sollen, bestens. Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin lebte sie dort ein Jahr. Personen, die nicht in das Bischofshaus gehörten, wären sofort aufgefallen, so die Kleverin.

Doch fühlt sich Christa Storch seit einigen Wochen wohler. Grund ist ein Heft mit 16 Seiten im DIN-A5-Format. Eine inoffizielle Arbeitsgruppe hatte den Fall "Bischof Janssen" untersucht und stellt in der Broschüre Ergebnisse vor. Der Gruppe gehören neben einem Juristen und einem Seelsorger auch ehemalige Domkapitulare an, die einige Jahre im Bischofshaus wohnten. Das Ergebnis ihrer Studie lässt keinen Interpretationsspielraum zu: "Für die Anschuldigungen gibt es nicht die Spur eines Beweises."

Das Quartett recherchierte in dem Fall ohne offiziellen Auftrag. Den hat das Bistum Hildesheim einem Institut in München gegeben. Das untersucht jedoch die Missbrauchsvorwürfe gegen Janssen in einem größeren Zusammenhang. Thema ist hier allgemein der Umgang mit sexueller Gewalt im Bistum. Die Ergebnisse sollen im Juni 2017 veröffentlicht werden.

In dem jetzt vorliegenden Heft befasst sich die Arbeitsgruppe unter anderem mit dem Mann, der die Anschuldigungen im vergangenen Jahr öffentlich erhoben hat. Er sei in seiner Zeit als Messdiener viereinhalb Jahre, 1958 bis 1963, vom Bischof sexuell missbraucht worden, so der Vorwurf. Als er zehn Jahre alt war, hätte es begonnen, so das mutmaßliche Opfer.

Heute dürfte der Mann um die 70 Jahre alt sein. 27 Jahre nach dem Tod von Heinrich Maria Janssen nahm er Kontakt zum Bistum auf. Seine Schilderungen hielten die zuständigen kirchlichen Gremien für "plausibel" und zahlten ihm 10.000 Euro. Mit der Zahlung sei jedoch weder ein Urteil noch ein Schuldeingeständnis verbunden, erklärte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Das Geld soll ein Signal geben, dass man dem Mann nicht aus Eigeninteresse misstraue.

In dem vorliegenden Abschlussbericht wird dargestellt, dass der Beschuldiger die 10.000 Euro angenommen habe, ein Angebot zur Finanzierung psychologischer Hilfe jedoch nicht. Später habe er angekündigt, den Fall in die Öffentlichkeit zu tragen, falls er nicht die fünffache Summe bekomme. Die Kirche lehnte die Forderung ab. Der Mann habe, wie es in der Zusammenfassung der Untersuchung steht, daraufhin alle Kontakte zum Bistum abgebrochen und dem Nachrichtenmagazin seinen Fall geschildert.

Auch mit der Praxis des Bistums von Geldzahlungen "zur Anerkennung des Leids" - wie es offiziell heißt - beschäftigen sich die Autoren: "Ob es richtig war, eine solche Zahlung zu leisten, obwohl keine Tatbeweise vorlagen, ist in der Öffentlichkeit umstritten."

An mehreren Stellen wird in dem Bericht untersucht, wie glaubwürdig die sehr detaillierten Schilderungen des mutmaßlichen Geschädigten sind. Unter den Personen mit Situationskenntnissen befand sich niemand, der die dargestellten Straftaten für möglich oder gar wahrscheinlich hielt. So lautete ein Vorwurf des Mannes, der Bischof habe ihn am Tag der Domweihe nach der Renovierung 1960 missbraucht. Als nahezu absurd bezeichnen die dazu befragten Personen diese Schilderung, da Janssen an diesem Tag pausenlos von Menschen umgeben war. Die Arbeitsgruppe bekräftigt in der Untersuchung die Glaubwürdigkeit ihrer Gesprächspartner: "Die Zeugen waren und sind in der Regel bereit, ihre Aussagen (...) mit eidesstattlicher Erklärung zu bekräftigen".

Die Verfasser des Dossiers kommen am Ende der 16 Seiten zu dem Schluss, dass die Anschuldigungen gegen Bischof Janssen nichts als unbewiesene Behauptungen sind und betonen, dass unter rechtsstaatlichen Verhältnissen die Unschuldsvermutung gelten muss.

Den Abschlussbericht liest Christa Storch regelmäßig, und es tut ihr immer wieder gut. Trotz der für sie bitteren Zeit, hat sie den Glauben nie verloren. Auch nicht den an ihren Onkel.

Das Heft zu der Abschlusserklärung ist erhältlich beim Druckhaus Köhler, 31177 Harsum, Siemensstraße 1 - 3, Telefon 05127 902040, E-Mail info@druckhaus-koehler.de (Preis 1,50 Euro, zuzüglich Porto).

Quelle: RP
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