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Kleve
Ein Schulleiter wird vermisst

Kleve: Ein Schulleiter wird vermisst
Mit Schülern verbrachte Claus Hösen den größten Teil seines (Berufs)Lebens. Auch sie dankten ihm zum Abschied für seine Arbeit. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Oberstudiendirektor Claus Hösen ist mit einem Festakt im Forum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums verabschiedet worden. In dem zweistündigen Programm dankten ihm Politiker, Kollegen - aber vor allem seine Schüler. Von Peter Janssen

Claus Hösen hat seit gestern viel Zeit, einen Berg Geschenke und keinen Job mehr. Er ist 63 Jahre alt und sitzt dort, wo er sich selbst nur ungern einen Platz sucht: In der ersten Reihe. Im Forum des Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums wurde er als Leiter der Schule verabschiedet. 15 Jahre prägte er "das Stein", und dies - nach Ansicht der zahlreichen Redner zu urteilen - extrem positiv. Es ist der letzte große Auftritt von Claus Hösen, und es ist die Zeit gekommen, in der es gilt, Danke zu sagen.

Allein die Namen und die Anzahl der Gäste zeugen davon, dass der Schulleiter in seinem Berufsleben nicht viel falsch gemacht hat. Vor dem endgültigen Abschied in den Ruhestand stand noch ein zweistündiges Programm, von dem sich nicht nur der scheidende Schulleiter bestens unterhalten fühlte.

Nimmt man die Vielfalt und Qualität der zahlreichen Schüler-Darbietungen als Maßstab, wie es um das Gymnasium bestellt ist, hinterlässt Claus Hösen eine Schule, die mehr als Normalbetrieb bietet. Zum Auftakt empfahl der Chor "Die Kieselsteinchen" ihrem ehemaligen Direktor, er solle es ab jetzt mit mehr Gemütlichkeit probieren.

Wolfgang Kluge dankte seinem Chef als Vertreter des Kollegiums. Er erinnerte an etliche bedeutende und nicht immer leichte Veränderungen, die in Hösens Amtszeit fielen. Dennoch stellte er ihm ein ordentliches Zeugnis aus: "Sie sind bei allem, was es auch an Schwierigkeiten zu bewältigen gab, stets ruhig geblieben." Hösen war immer ein Mann, der für seine Gelassenheit bekannt ist.

Kluge machte am Rednerpult für einen Gast Platz, der prädestiniert ist für Vorträge in diesem Rahmen: Kleves Bürgermeister Theo Brauer. Der versierte Rhetoriker, der als einziger minutenlang ohne schriftliches Konzept sprach, stellte Gemeinsamkeiten heraus: "Sie sind Pädagoge genau wie ich einst, und wir beide lieben unsere Arbeit." Er bezeichnete Hösen als ein pädagogisches Schwergewicht und lobte seine Lebensleistung. Brauer wusste, dass der Direktor in der vergangenen Nacht extrem schlecht geschlafen hatte. "Sie sind noch nie so ungern zur Schule gegangen wie heute. Jetzt beginnt für Sie der schwerste Lebensabschnitt", sagte Brauer und fügte an, bei ihm sei dies in genau 118 Tagen auch der Fall.

Einem gelungenen Vortrag von Georg Lettmann (stellvertretender Schulleiter) folgte ein Ausflug in die Geschichte, den Dr. Anke Domrose (Dezernentin bei der Bezirksregierung) unternahm. Ähnlich einem Proseminar Geschichte stellte sie Verbindungen von Hösens Geburtsstadt Köln zu Kleve her. Doch hob auch sie die messerscharfen, aber stets leisen Vorträge von Claus Hösen hervor.

Zum Abschluss sprach der scheidende Oberstudiendirektor. Er wisse, dass der Zeitpunkt zu gehen der richtige sei. Ausschlaggebend dafür war das Kind einer Kollegin, das ihn im Lehrerzimmer mit den Worten "Hallo Opa" empfing.

Auch bei seiner letzten Rede übte er dezente Kritik an der Schulpolitik des Landes. Er habe den Eindruck, das nordrhein-westfälische System habe sich auf den Weg zum barrierefreien Abitur in einfacher Sprache gemacht. Hösen sagte es wie immer beherrscht und ruhig. Eine Eigenschaft, die von Tiefsinn zeugt, glaubt man einem indischen Politiker, der sagte: "Die Vernunft spricht leise, deshalb wird sie so oft nicht gehört." Hösen dankte allen jenen, die ihn seit Jahren unterstützen: den Kollegen, Eltern, Schülern, den Damen im Sekretariat, dem Hausmeister und der Politik - vergessen wurde niemand.

Vergessen wird man auch ihn nicht so schnell. Er hat "das Stein" geprägt und dabei auf eine Mischung aus Innovation und "alter Schule" gesetzt. Doch ist Claus Hösen trotz des neuen Lebensabschnitts und angesichts seiner zahlreichen bevorstehenden Projekte weit davon entfernt, sich entspannt zurückzulehnen und allein in Erinnerungen zu schwelgen. Die Schule des Lebens geht eben weiter - auch für ihn.

Quelle: RP
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