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Kleve
Eisern auf der Säule stehen

Kleve. Denkmäler im Klever Land (1): Der Eiserne Mann Von Matthias Grass

Natürlich ist er nicht aus Holz, der Eiserne Mann. Auch wenn der Bildhauer Stephan Balkenhol vor allem wegen seiner Holzskulpturen berühmt wurde, die er ausgesprochen fein grob aus dem Stamm schlägt. Zwar sind die Skulpturen scheinbar grob mit dem Beitel aus dem Holz gehauen, sind die Bearbeitungsspuren noch sichtbar, dennoch sind es feingliedrige Menschen oder Tiere, die der Karlsruher Kunstprofessor in seinen Werken schafft. Es sind Alltagsmenschen, die er aufs Podest stellt. Meist in weißes Hemd und Hose gekleidet, beim Tanze tragen seine Frauen auch schon mal Etuikleider. Oder es sind Akte wie die nackten Männer auf den Baumstämmen, die von auf Tafeln skizzierten Frauenakten umringt werden - dieses Ensemble gehört zu den Aushänge-Schildern der Klever Sammlung. Der Eiserne Mann aus eisernem Material trägt weißes Hemd und schwarze Hose, kommt also sehr zivil daher. In seiner Hand hält er ein langes Schwert. Es ist Mars, der Gott des Krieges, der da oben auf der schwarzen Säule steht. Er muss auf dieser Säule stehen, denn schließlich will er der barocken Minerva gegenüber auf der anderen Straßenseite in die Augen scheuen. Hier der Gott des Krieges, dort die Göttin der Künste und Wissenschaften (die als Athene auch ganz schön kriegerisch sein konnte).

Minerva und Mars wurden nach Ende des 30-jährigen Krieges vom Klever Statthalter Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen aufgestellt - als Trophäenmal für das Ende des Krieges der Mars. Der Statthalter hatte damals als Mars die Rüstung des Schenk von Nideggen auf eine Säule gestellt, die die Stadt Nimwegen dem ertrunkenen Feldherrn abnahm, nachdem er vergeblich versucht hatte, die Stadt einzunehmen. Leeres Kriegsgut, ohne Inhalt, nur Harnisch und Helm zeugten vom Ende des Krieges. Als die französischen Revolutionstruppen einrückten zerstörte angeblich der Klever Pöbel die Denkmäler im Park, schlug der Minerva einen Arm ab, kippte die Säule um, die dann samt Rüstung in den Zeitläuften verloren ging. Kleves ehemaliger Museumsdirektor Drs. Guido de Werd versuchte lange, der Göttin wieder ein Gegenüber zu geben. Schließlich konnte man sich - abgestimmt mit dem Denkmalschutz - 2004 auf die Arbeit von Balkenhol einigen.

Der setzte wieder eine auf Kanonenkugeln ruhende Säule auf ein Postament und darauf den modernen Mars. Da inzwischen die Straße den Park zerschneidet, wurde das Denkmal ein Stück zum Kanal zurückversetzt und schließt damit eine Jahrhunderte alte Lücke. Möglich wurde das Ganze durch eine Sammlung des Freundeskreises und die Unterstützung von Landesstiftungen.

Quelle: RP
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