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Kalkar-Hönnepel
Energie sparen im schwimmenden Haus

Kalkar-Hönnepel: Energie sparen im schwimmenden Haus
So könnte eine Siedlung energetisch vorbildlicher Häuser an oder auf dem Wasser im Bereich Kalkar-Hönnepel oder auch in der Klever Niederung aussehen. Die Bezirksregierung kennt die Pläne. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kalkar-Hönnepel. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat die schwimmende Forschungsstation in Hönnepel besucht. Dort liegt auf einem Baggersee der Prototyp eines Energie-plus-Hauses. Es gibt Pläne für Siedlungen in Kleve und Kalkar. Von Anja Settnik

Architekt Friedhelm Hülsmann hat, wie es sich für einen Vertreter dieser Berufsgruppe gehört, Visionen. Eine davon gefällt ihm derzeit besonders gut: Dass Menschen nämlich künftig in energetisch vorbildlichen Gebäuden auf dem Wasser leben könnten. "Überall am Niederrhein haben wir wenig oder gar nicht genutzte Bodenlöcher durch die Kiesabgrabungen, insgesamt sind das riesige Flächen. Warum sollen wir, um den weiteren Flächenverbrauch einzudämmen, diese Gewässer nicht nutzen", fragt Hülsmann. Die schwimmende Forschungsstation im Bereich Oybaum im Außenbereich von Hönnepel hat bewiesen, dass energieeffiziente Technik auf für Häuser auf dem Wasser nutzbar ist. "Wärmepumpe" und "thermische Energie aus Wasser" sind die Schlagwörter.

Friedhelm Hülsmann zeigt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die eher kleine Wärmepumpe, die aus kühlem Seewasser angenehm warmes Raumklima erzeugt. FOTO: Friedel Evers

Kaum zu glauben, aber spür- und ablesbar: In den Aufenthaltsräumen des schwimmenden Hauses herrschen gemütliche 24 Grad Celsius, gewonnen ausschließlich aus dem im Januar nicht gerade warmen Wasser des Sees. Die Wärmepumpe entzieht dem Wasser die Temperatur, die in der Anlage zu der Wärme verdichtet wird, die der Raum benötigt. Im Sommer, wenn es drinnen eher stickig wird, dient die Technik genauso zur Kühlung. "Das Tolle ist, dass wir mit 2,8 kW auskommen - das ist ungefähr so viel Energie, wie ein Kühlschrank braucht", sagt Hülsmann.

Während das Musterhaus nicht zum Wohnen vorgesehen ist, ist in der Nachbarschaft durchaus an eine Siedlung von Häusern auf und am Wasser gedacht: "Die Idee dazu stammt bereits von 2006, dann gab es einen Wettbewerb der Stadt Kalkar, aus dem unser Büro Hülsmann & Thieme als Sieger hervorgegangen ist", erinnert der Architekt. 2011 wurde das schwimmende Gebäude auf einigen von einem Stahlrahmen zusammengehaltenen Pontons errichtet. Das Haus ist so schwer, dass "Bewohner" die Bewegung des Wassers kaum spüren. Insbesondere, wenn der Schwerpunkt tief liegt, weil etwa Schlafräume bis zur halben Höhe unterhalb der Wasserkante liegen, "schaukelt" nichts mehr.

"Das Umweltministerium kann solche ,Fertighäuser' natürlich nur fördern, wenn sie energetisch vorbildlich sind", sagt Barbara Hendricks. Der Energie-plus-Standard mit der Mini-Wärmepumpe und zusätzlichen Solarpaneelen für die Stromerzeugung entspräche dieser Vorgabe. Die Ministerin, als Kleverin immer interessiert an allen Zukunftsprojekten ihrer Heimatstadt, weiß, dass die Stadt Kleve sogar schon einen Kellener See für ein solches Projekt vorgesehen hat. Allerding müssen dafür noch der Regional- und der Flächennutzungsplan geändert werden - ebenso wie in Kalkar, das sich die Umsetzung ebenfalls gut vorstellen kann. Die Bezirksregierung ist über die Vorhaben schon im Bilde. Noch ein weiterer Akteur steht Gewehr bei Fuß: "Wir möchten auch die Klever Hochschule mit ins Boot holen", sagt Hülsmann. An der Hochschule Rhein-Waal werden bekanntlich auch Maschinenbau- und Elektronik-Fachleute ausgebildet, zudem Nachwuchskräfte, die sich mit Umwelt, Ökonomie und Tourismus beschäftigen. Die Studenten könnten in die Fußstapfen der Kollegen des Fraunhofer Instituts treten, die sich von 2012 bis 2015 mit den schwimmenden Bauten und dem Prototypen in Kalkar beschäftigten.

Wenn Friedhelm Hülsmann und Barbara Hendricks in Kleves Zukunft blicken, können sie sich manches vorstellen: nicht nur Wohnen am und auf Baggerseen, sondern vielleicht sogar im Gebiet des Hafens, am Kanal, an der Schleuse. Vorausgesetzt, die Landesplanung macht da mit, die Kommunen finden's gut, und es werden Investoren gefunden. Etwa 330.000 Euro, hat Friedhelm Hülsmann errechnet, werde ein schwimmendes Energie-Plus-Haus seinen Eigentümer kosten. Einen Garten gibt's bei der Variante auf dem See natürlich nicht, wohl aber pflegeleichte Terrassen. Wer Anregungen sucht: In den Niederlanden gibt es schwimmende Häuser bereits vielerorts. Aber nicht klimaneutrale, wie sie für Kalkar und Kleve vorgesehen sind.

Quelle: RP
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