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Kleve
Erdmännchen proben "Flucht" aus dem Zoo

Kleve: Erdmännchen proben "Flucht" aus dem Zoo
Die stets hellwach wirkenden Erdmännchen haben viele Fans. Sie können aber auch für Chaos sorgen. FOTO: Zoo
Kleve. Buddeln gehört für Erdmännchen zum lebensnotwendigen Alltag. Doch im Burgers' Zoo in Arnheim haben sie das Graben übertrieben. Die kleinen Tiere haben von ihrem Gehege aus ein komplexes unterirdisches Höhlensystem über weite Teile des Tierparks gebaut.   Von Anja Settnik

Dass Erdmännchen gerne unterirdische Gänge graben, ist bekannt. Das ist in jedem Gehege zu beobachten, vor dem kleine und große Tier-Fans gespannt auf das Auftauchen der possierlichen Wesen warten. Dass sie aber ein kleines Loch in der Schutzkonstruktion unterhalb ihres Geheges im Burgers' Zoo ausnutzen, um weitere Teile des Arnheimer Tierparks zu erobern, hat die Tierpfleger doch zum Staunen gebracht. "Wir waren beinahe sprachlos, als wir das System aus unterirdischen Gängen entdeckt haben", erzählt Zoodirektor Alex van Hooff.

Vorübergehend hat der Zoo das Loch versperrt, im Herbst soll das komplette Höhlensystem wieder mit Erde befüllt werden. Die Verantwortlichen sind übrigens sicher, dass nicht etwa Jungtiere, von ihren Müttern ins unterirdische Nest gelegt, in den Gängen sitzen und nun nicht mehr ans Tageslicht zurück finden - das komplette Tunnelsystem sei überprüft worden.

"Die Gänge verlaufen nicht nur unterhalb des Erdmännchen-Geheges, sondern auch unterhalb anderer Teile des Zoos", erklärt van Hooff. "Jetzt befinden sich wieder alle Erdmännchen dort, wo sie hingehören, und wir haben die betreffenden Gänge vorübergehend versperrt. So können sie nur noch innerhalb ihres Geheges graben." Nach der Hauptsaison im Zoo, wenn also nicht mehr ganz so viele Besucher kommen, soll der Untergrund des Geheges umfangreicher untersucht und wieder auf den alten Stand gebracht werden.

Als das Gehege als Teil des Lebensraums "Desert" (Wüste) 1993 errichtet wurde, hat man unterhalb der obersten Erdschicht ein Gazegewebe verlegt. Dieses ist zwar durchlässig, soll die Erdmännchen aber davon abhalten, tiefer zu graben. Scheinbar haben sie in dieser Konstruktion vor einiger Zeit eine Schwachstelle entdeckt und sie ausgenutzt. Erdmännchen graben oft umfangreiche Höhlensysteme mit mehreren Kammern und Ein- und Ausgängen. Dabei hat jede Kammer ihre eigene Funktion - beispielsweise als Futterlager oder Toilette. Die Höhlen dienen aber auch als Zufluchtsort bei Angriffen tierischer Feinde. Die gibt's natürlich im für sie vorgesehenen Gehege nicht - aber vielleicht sind die Tiere abenteuerlustig? Eventuell ahnten sie vielleich auch, dass es in der Nähe schmackhafte Anreicherungen des Speiseplans geben könnte - Schlangen, Echsen und sonstige Reptilien etwa. Der Ausflug hätte natürlich für einige der Ausreißer auch übel enden können, schließlich sind die natürlichen Feinde der Erdmännchen - große Greifvögel, Wildkatzen oder Wildhunde - auch im Tierpark zuhause. Und vermutlich auch interessiert an jeglicher Abwechslung.

Als tagaktive Tiere bleiben die Tiere, die in vielen Ländern Afrikas und (dann heißen sie Präriehunde) Nordamerika heimisch sind, nachts in ihren selbst gegrabenen Erdhöhlen. Die Tunnel sind etwa zehn bis 15 cm breit und können maximale Längen von bis zu Meter erreichen. Sie führen nicht zuletzt zu Nestkammern, die mit Gras ausgelegt werden und einen bis fünf Meter unter der Erdoberfläche liegen.

Ein Verband besteht meistens aus einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und einer großen Zahl Jungtiere. Weibchen, die in einem Verband geboren wurden, bleiben dort, so dass alle Weibchen einer Gruppe miteinander verwandt sind. Männchen hingegen verlassen den Verband irgendwann, um "Chef" in einem anderen zu werden - so wird Inzucht vermieden. Die einzelnen Verbände bilden große Kolonien aus Hunderten von Tieren. Oft werden diese Kolonien als "Präriehundstädte" bezeichnet. Im Nordwesten Mexikos soll es eine Kolonie von einer Million Exemplare auf 350 Quadratkilometern geben. Was für Arnheim und Umgebung sicher nicht gewollt wäre.

(NL)
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