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Kleve
Ermittler rekonstruieren Einbruchserie in Kleve

Kleve. Im Prozess um drei Albaner, die in mehrere Häuser eingestiegen sein sollen, geht es mittlerweile um jedes Detail. Von Alexander Triesch

Die Verhandlung war gerade erst eröffnet, da unterbrach Richter Ruby sie auch schon wieder: "Wir machen mal eben zehn Minuten Pause und holen die restlichen Akten." An Tag drei im Prozess um die Serie an Einbrüchen, die im vergangenen Winter in Kleve und Bedburg-Hau begangen wurde, geht es jetzt um jedes Detail, jede noch so kleine Spur. Die zehn Fälle, die den drei angeklagten Albanern zur Last gelegt werden, müssen fein filetiert werden, um zu klären, wer wann an welchem Tatort war. Während ein Mitglied des Trios bereits im Prozessauftakt alle zehn Einbrüche gestanden hatte, gaben die anderen beiden an, jeweils nur an drei beziehungsweise zwei Diebstählen beteiligt gewesen zu sein.

Zwischen Dezember 2016 und Januar 2017 sollen die Beschuldigten versucht haben, in mehrere Wohnhäuser einzudringen. Sogar dass Bewohner noch zu Hause waren, soll sie nicht abgeschreckt haben. Laut Anklage haben die drei Männer mit einem Handbohrer die Türen und Fenster der Häuser gewaltsam geöffnet und anschließend Wertgegenstände und Bargeld gestohlen. Schadensbilanz: mehr als 5000 Euro.

Gestern hat das Landgericht Kleve die ermittelnden Polizisten und einen Sachverständigen geladen. Nach Angaben eines Polizisten haben sich die Angeklagten bei ihrer Festnahme kooperativ verhalten - und das obwohl die Beamten die Handys, diverse Kleidungsstücke und das mutmaßliche Tatwerkzeug, ein Akkuschrauber mit gebrochenem Aufsatz, direkt eingezogen haben. "Das lief alles friedlich ab", erklärt er. "Bei der Auswertung der Handys konnten wir allerdings keine Erkenntnisse aus der Funkzellenabfrage gewinnen."

In der anschließenden Vernehmung sollen sich die Angeklagten zum Teil selbst belastet haben. Ein anderer Polizist, spezialisiert auf Wohnungseinbrüche, gibt an: "Mir fällt kein Fall ein, in dem solche Taten mit einem Bohrer alleine ausgeführt werden." Ein solches Vorgehen erfordere ein hohes Maß an Konzentration, so dass es eigentlich nicht möglich sei, den Einbruch ohne einen "Schmieresteher" auszuführen.

Ein ähnliches Bild zeichnet auch die Untersuchung der an den Tatorten sichergestellten DNS-Spuren. Dazu hat ein forensisches Institut mehrere Proben rund um die Bohrlöcher an den betroffenen Häusern genommen. Mit einem speziellen Verfahren ist es sogar möglich, in den Holzspänen, die beim Bohren entstehen, DNS nachzuweisen. Das Ergebnis: Nahezu bei jedem untersuchten Fall konnten die Forensiker eine Probe isolieren, die auf einen der drei Männer passt. Vereinzelt konnte man auch Mischproben sicherstellen, die auf mehrere Täter hindeuten. Wie genau die Ergebnisse zu deuten sind, will das Gericht in der kommenden Woche entscheiden. Das Urteil wird am 15. November erwartet.

Quelle: RP