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Kreis Kleve
Es gibt neue Notfallpläne für die Schulen

Kreis Kleve. Sie enthalten nur Empfehlungen, keine Weisungen. Dennoch sind Schulministerium und Polizei der Ansicht, die Schulträger sollten die Vorsichtsmaßnahmen gegen Amokläufer und andere Katastrophen ernst nehmen. Von Anja Settnik

Das Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hat einen neuen "Notfallordner" für die Schulen herausgegeben. Er trägt den Untertitel "Hinsehen und Handeln" und gibt Empfehlungen zur Krisenprävention und -intervention. Das Schulamt des Kreises, vertreten durch Schulrätin Angelika Platzen, bestellte Vertreter aller Schulen von den Grundschulen bis zu den Gymnasien zu einer Informationsveranstaltung nach Uedem und händigte die Ordner aus. Mit dabei waren auch die Schulträger, als Kostenträger zuständig für die Ausstattung der Schulen. Nicht zuletzt das Schreckgespenst "Amoklauf" war Gegenstand der Debatte.

Wir alle erinnern uns an die schrecklichen Ereignisse von Erfurt (2002), als ein Amokläufer 16 Menschen und sich selbst erschoss. Ganz ähnlich Winnenden (2009): 15 Schüler, Lehrer und der Täter selbst kamen ums Leben. Wegen Mordversuchs in 37 Fällen wurde im Jahr 2006 ein Jugendlicher zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt; in die Emsdettener Schule war er mit mehreren Waffen und sogar einem Sprengstoffgürtel um den Bauch eingedrungen.

Spätestens nach Winnenden war allen Schulen klar, dass sie mehr für die Sicherheit der Schüler und Mitarbeiter tun müssten. Hier und da wurde ein neues Alarmsystem eingeführt, die meisten Klassenräume sind heute von innen abschließbar.

Sicherheitstechnik kostet jedoch viel Geld, das die Kommunen nicht haben. Zudem wollten die Schulträger nicht jeder für sich nachbessern, sondern sich auf ein gemeinsames Verfahren einigen. Doch mit den Jahren wurde die Dringlichkeit immer weniger wahrgenommen - die teilnehmenden Polizeibeamten benannten in der Runde einige Defizite. Michael Ermers von der Pressestelle der Kreispolizei war zwar selbst nicht dabei, weiß aber von den Kollegen, dass sie die Pflege der Notfallpläne anmahnten. "Die Polizei muss von allen Schulen aktuelle Telefon- und Mobilnummern haben und Raumpläne, anhand derer im Notfall innerhalb von Sekunden festzustellen ist, wo sich ein Attentäter befindet oder sich sonst eine Katastrophe anbahnt."

Schulrätin Angelika Platzen war sehr besorgt, als sie hörte, dass es Schulen gibt, die als "Alarm" lediglich ein Signal für den Fall eines Brandes haben. "Dann rennen alle Schüler durch die Flure auf den Hof, was ja auch regelmäßig geübt wird" - und dem Amokläufer eventuell direkt in die Arme.

"Da müssen die Schulträger aktiv werden und das Alarmierungssystem überarbeiten", sagt sie. Der Kreis könne da nicht viel mehr tun als gemeinsam mit der Polizei auf die Situation hinzuweisen.

Die Gocher Liebfrauen-Grundschule ist alt, der Denkmalschutz macht manche Erneuerung schwierig. Schulleiterin Carolin Fink kann zum Beispiel die Außentüren nicht geschlossen halten, weil die Kinder die Toiletten im Pausenhof besuchen können müssen. Als Alternative zum Feueralarm hat sie nur die Pausenklingel, die man im Notfall vielleicht dauerhaft klingeln lassen könnte. Sie ist froh, dass der neue Notfallordner Anlass bietet, sich erneut mit dem Thema auseinanderzusetzen.

So sieht das auch Markus Mühlenbeck, kommissarisch stellvertretender Schulleiter der Gesamtschule Mittelkreis. "Bei uns gibt es für den Notfall verschlüsselte Durchsagen, die entweder bedeuten ,verrammelt euch in den Klassen' oder ,alle schnell raus'. Sämtliche Klassenräume sind von innen abschließbar, aber die Außentüren bleiben offen. Wir wollen uns ja nicht gegen die Öffentlichkeit abschotten."

Sicherheit und Freiheit gegeneinander abzuwägen - das ist immer das Dilemma. Die Schultür der Gocher Gustav-Adolf-Schule ist zum Beispiel morgens ab kurz nach acht geschlossen. Wer zu spät kommt und rein möchte, muss klingeln und sein Anliegen der Sekretärin erklären.

Georg Lettmann, stellvertretender Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Kleve, lobt, dass die Stadt einiges getan habe; die Türen seien von innen abschließbar, verschlüsselte Durchsagen seien möglich.

Lettmann berichtet, eine Partnerschule in Nimwegen habe einen Wachmann in einer Eingangsschleuse aus Sicherheitsglas postiert - sympathisch finde er so etwas nicht.

Quelle: RP
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