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Bedburg-Hau
Fachtagung nach zehn Jahren Forensik für Frauen in Bedburg-Hau

Bedburg-Hau. Was vor zehn Jahren als Experiment begann, ist heute eine ausgewachsene Klinik mit Modellcharakter: Es gibt nur einzelne forensische Fachkliniken für Frauen in Deutschland, eine davon ist in Bedburg-Hau. 106 Frauen werden momentan hier behandelt, 91 wegen einer Psychose, 15 wegen Drogenproblemen. Alle sind straffällig geworden und deshalb in den Maßregelvollzug gekommen. Die Taten reichen von Eigentumsdelikten bis zur Gewalttat, bis zum Mord. Von Matthias Grass

"Wenn man von Sexual-Straftaten absieht, sind Frauen nicht minder gewalttätig, als Männer", sagt Rudolf Schlabbers, Chefarzt der Bedburg-Hauer Forensik II. Auch Frauen sind gewalttätig gegen andere Menschen, gegen den Partner, gegen die eigenen Kinder. Und gegen sich selbst: "Bei Frauen beobachten wir auch häufig Borderline-Fälle mit dem Hang zur Selbstverletzung", sagt Schlabbers. Insgesamt sind sechs bis acht Prozent aller forensischen Patienten weiblich. Bei den Frauen ist die Quote, nach erfolgreicher Behandlung entlassen und nicht rückfällig zu werden, größer, die Verweildauer in den Stationen geringer. Und seit in Bedburg-Hau Männer und Frauen in der Forensik getrennt sind, haben sich die Behandlungsergebnisse noch weiter verbessert, blickt Jack Kreutz zurück. Der Fachbereichsarzt Forensik ist Leiter der Forensischen Klinik (mit 400 Patienten eine der größten in Deutschland) und kommisarischer Direktor der LVR (Landschaftsverband Rheinland) Klinik Bedburg-Hau.

Gestern trafen sich Ärzte, Therapeuten und Pfleger zur "1. LVR-Fachtagung für den Maßregelvollzug - Frauen" im Gesellschaftshaus in Bedburg-Hau. Mit dabei als Referentin Verena Klein, Chefärztin für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am kbo-Isar-Amper Klinikum in Traufstein/Bayern, auch einer großen Klinik für Frauenforensik in der Republik.

Es wirke sich gut auf die Behandlung aus, wenn es keine typischen Geschlechter-Spielchen im Tagesraum gibt, wenn das klassische Frauen-Männer-Spiel wegfalle, erklärt Kreutz. Außerdem könnten so die Frauen ihr Männerbild revidieren, indem sie erkennen, dass es auch verlässliche Männer gibt, ergänzt Schlabbers. Nicht zuletzt deshalb habe man an einem gemischt-geschlechtlichen Therapeuten-Team festgehalten, sagt der Chefarzt. Intensive Gespräche werden auch hier von Frau zu Frau geführt, berichtet Henrike Vehreschild, Psychologin an der LVR-Klinik.

Gemein ist beiden, Männer wie Frauen, die Ursache der Störung, sagen Kreutz und Vehreschild: Sie machen meist schon in früher Kindheit Erfahrung mit Gewalt, mit unzuverlässigen Bezugspersonen.

Quelle: RP
 
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