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Kleve
Fagott-Solistin wurde in der Stadthalle gefeiert

Kleve. Sechstes Reihenkonzert mit der Sinfonietta Köln Von Barbara Mühlenhoff

Dass das Fagott zu Unrecht der oft zitierte " Auspuff des Orchesters" ist, bewies beim sechsten Reihenkonzert die Fagottistin Rie Koyama gemeinsam mit der Sinfonietta Köln unter der Leitung von Cornelius Frowein. Das Orchester eröffnete das Konzert mit einer spritzig musizierten Sinfonie D-Dur op. 18 Nr. 4 des "Londoner" Bach-Sohns Johann Christian Bach. Der leichtfüßig-elegante Stil zeigte gleich die Spielfreude der Musiker und ihr präzises Agieren unter Froweins expressivem Dirigat. Es folgte das Werk "Fratres" des zeitgenössischen Komponisten Arvo Pärt (*1935): dessen Tintinnabuli-Kompositionen haben längst eine große Hörerschaft erlangt. Die "Fratres" bezeichneten Dreiklangs-Schichtungen entwickelten sich dynamisch ansteigend zu einem dichten harmonischen Netz, dabei klanglich sehr klar.

In den Tempi gut nachvollziehbar, die Schlichtheit der Musik wahrend und doch ihre Tiefe erfassend vollbrachte die Sinfonietta das Kunststück, dem Hörer die eigentliche Entdeckung der Musik zu überlassen. Zum Höhepunkt des Abends wurde der Auftritt der gerade einmal 24jährigen Fagottistin Rie Koyama mit Mozarts einzigem erhaltenem Konzert für Fagott und Orchester B-Dur KV 191. Die Solistin präsentierte die variablen Ausdrucksmöglichkeiten ihres Instruments auf höchstem Niveau, mit einer ungeahnten klanglichen Variationsbreite und einem gesanglichen Ton, wie man ihn kaum vermutet hätte. Mit perlenden Fagottklängen gestaltete sie ihren Part im ersten Satz gesanglich mit sich weit entfaltenden Phrasierungen. Im zweiten Satz entwickelte sie die einzelnen Motive langsam und nutzte wiederum die Solokadenz, um das Fagott in voller Pracht erklingen zu lassen. Auch im abschließenden dritten Satz überzeugte sie mit virtuoser Geläufigkeit. Das Orchester nutzt dabei die Ritornelle für ein rhythmisch schwungvolles Spiel mit klaren Akzenten und pointierten Einsätzen.

Die brillante Zugabe von Paganinis "Carnevale di Venezia" op. 10 (dem venezianischen Volkslied "O mamma, mamma cara", im deutschen als "Mein Hut, der hat drei Ecken" bekannt) in unglaublich virtuosen Variationen wurde mit frenetischem Applaus und Füßestampfen belohnt. Unauffällig mischte sich die charismatische Fagottistin Koyama für den zweiten Teil des Programms unter die Zuhörer. Die Sinfonietta Köln spielte dann Mozarts viersätzige "Linzer"-Sinfonie Nr. 36 C-Dur: Technisch makellos, mit vielen kleinen musikalischen Leckerbissen wie den Bläsersoli gespickt, begeisterten vor allem die Ausreizung der Klangfarbenpalette, die ausmusizierten Phrasenbögen und der Mut zu dynamischen Gegensätzen. Mozart strukturierte hier mehr noch als in den früheren Sinfonien den orchestralen Satz mit kontrapunktischen Techniken zu einer zuweilen fast kammermusikalischen Dichte. Der Ensembleklang blieb dabei stets durchsichtig, auch in Tutti-Passagen ließen sich die Gruppen gut voneinander trennen.

Auch die Zugabe, der 4. Satz aus der "Haffner"-Sinfonie, ließ das Publikum heftig applaudieren.

Quelle: RP
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