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Kleve
Fahrschule wird immer teurer

Kleve: Fahrschule wird immer teurer
Fahrlehrer Peter Siegmund zeigt dem Fahrschüler Matthias Hommel das digitale Einparksystem des Autos. Durch solch spezielle Einparkhilfen kann der Autofahrer beim Rückwärtsparken sehen, ob Hindernisse im Weg sind. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Fahrschullehrer Peter Siegmund erklärt, warum der Führerschein kostspieliger und die Prüfung immer anspruchsvoller wird. Im Vergleich zu vor zehn Jahren zahlen Fahrschüler heute bis zu 200 Euro mehr für ihren Führerschein. Von Ann-Lea Woitge

Ein Klassiker bei den Fahrstunden: "Spiegel gucken, Blinker setzen, Schulterblick und los". Der Adrenalinkick bei der ersten Fahrstunde oder der Fahrprüfung war schon immer aufregend - für Fahrschüler und Fahrlehrer. Trotzdem hat sich bei den Fahrschulen einiges geändert.

Peter Siegmund (61) ist seit 1985 Fahrlehrer in Kleve. Er bereitet die Leute auf Auto-, Motorrad- und Anhängerprüfungen vor. Seine erste Fahrschule eröffnete er 2000 in Kleve. Jetzt leitet er vier Fahrschulen in Kranenburg-Nütterden, Rindern, Donsbrüggen und Kleve. Über die Entwicklung der Fahrschulen weiß er also Bescheid.

"Für meinen Führerschein 1972 habe ich 300 Deutsche Mark bezahlt. Heute ist das auch auf Euro umgerechnet nicht mehr möglich", so Siegmund. Jetzt zahle ein Fahrschüler etwa 1500 Euro, das ist bis zu 200 Euro mehr als noch vor zehn Jahren. Je nachdem wie viele Stunden benötigt werden: "Einige haben eben Talent. Andere brauchen länger, um ein Gefühl für das Autofahren zu bekommen."

Mindestens zwölf Sonderfahrten (vier Autobahnfahrten, drei Nachtfahrten und fünf Überlandfahrten) sind gesetzlich vorgeschrieben. "Diese Fahrten können aber erst gemacht werden, wenn der Fahrschüler sicherer beim Autofahren ist", sagt Siegmund. Im Schnitt bräuchten die Schüler zwischen 30 und 40 Fahrstunden. Vor einigen Jahren waren es bis zu zehn Stunden weniger.

Abgesehen von den Spritpreisen hat sich besonders das Verkehrssystem grundlegend geändert: "Der Verkehr ist viel dichter und komplexer geworden". Die Schüler müssten vorsichtiger sein, daher seien die Fahrprüfungen viel anspruchsvoller. Früher dauerte sie nicht länger als zehn Minuten. Jetzt braucht man für diese etwa 45 Minuten. Neu ist auch, dass heute im Anschluss der Prüfung viel nach Technik gefragt wird. Die Durchfallquote liegt bundesweit bei einem Drittel.

Auch die Theoriestunden seien aufwendige als früher: Mindestens 14 Theoriestunden (á 90 Minuten) schreibt der Gesetzgeber vor. Es wird mit Videos gearbeitet, die Situationen im Straßenverkehr zeigen. "Die Videos sind hilfreich. Sie bereiten gut auf den Straßenverkehr vor. Da man, um zu üben, heute mit der Fahrschul-App arbeitet, kann man überall lernen. Etwa im Bus oder im Zug", sagt Siegmund.

Nach Ansicht des Fahrlehrers plane die Jugend für den Führerschein nicht mehr so viel Zeit ein. Die Fahrschule liefe bei vielen eher nebenbei. Das zeige deren Einstellung: "Oft wäre es hilfreicher, wenn sich die Jugendlichen mal zwei Monate auf den Führerschein konzentrieren würden, dann hätten sie es schneller hinter sich. Da die meisten sowieso viel mit dem Handy beschäftigt sind, ist die App von Vorteil".

"Als der Führerschein mit 17 eingeführt wurde, hat wahrscheinlich nicht nur unsere Fahrschule einen großen Schub an Fahrschülern bekommen. Mittlerweile machen fast alle den Führerschein mit 16,5 Jahren", erklärt Peter Siegmund. Die Fahrschulen stehen unter enormen Druck, weil die Konkurrenzsituation groß ist: "Was die Konkurrenz ausmacht, sind die Intensivfahrkurse. Einige Schüler machen innerhalb von sieben Tagen die Fahrpraxis". Er selbst biete auch solche Kurse an, vertritt diese aber nicht mit vollem Herzen: "Wenn man die Wahl zwischen einem Piloten mit Crashkurs oder einem Piloten mit einem Jahr Flugerfahrung hat, in welches Flugzeug steigt man ein?", fragt er. "Erst wenn die Schüler sicher im Straßenverkehr sind, hat die Fahrschule alles richtig gemacht."

Auch die Eltern seien eine Hürde geworden: Die meisten hätten für den Führerschein nicht so lange gebraucht und weniger bezahlt. Viele wollen ihren Kindern den Führerschein zwar finanzieren, aber lieber wäre es ihnen, wenn es nicht so teuer wäre: "Sie kennen es selbst nicht anders. Sie haben weniger bezahlt. Aber so steigt der Druck auf die Schüler und uns Fahrlehrer."

Quelle: RP
 
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