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Kleve
Familie Pfau und die Lindenallee in Kleve

Kleve: Familie Pfau und die Lindenallee in Kleve
Auf dem heißen Blechdach: Nicht die Katze, dafür ein Pfau, der seit drei Monaten an der Lindenallee lebt. FOTO: gottfried evers
Kleve. Seit rund drei Monaten lebt ein Pfauen-Pärchen in der Lindenallee-Siedlung. Die Nachbarn sind gespalten: Manche würden am liebsten die Schrotflinte laden, andere freuen sich über die schönen Federn. Von Nicole Scharfetter

Erst war da ein Männchen, das - ganz Mann eben - das Revier auskundschaftete. Dann kam das Weibchen dazu. Nicht ganz so prächtig wie das Männchen, trotzdem eindeutig zu identifizieren an den schönen Farben am Hals. Drei Monaten lebt das Pfauenpaar nun an der Lindenallee und sorgte bei den Nachbarn nicht nur für schlaflose Nächte.

Das Ehepaar Pfau gehörte sogar viele Wochen zu jenen frisch Zugezogenen in der Lindenallee-Siedlung, das nicht von jedem Anwohner gleichermaßen gern gemocht wurde. Die einen fanden, Herr und Frau Pfau - so werden sie inzwischen schon von manchen genannt - seien den Nachbarn viel zu oft aufs Dach gestiegen - grundlos, wie alle versicherten. Andere beklagten sich über das ständige Gekreische - vielleicht Auseinandersetzungen, vielleicht die ganz normale Art sich zu verständigen, vielleicht aber auch Paarungsrituale. Jedenfalls war es laut geworden um Herr und Frau Pfau, besser gesagt dank ihnen, ohne Rücksicht auf Lärmpegel oder Tages- beziehungsweise Nachtzeit. Wenn Herr und Frau Pfau sich einmal warm geschrien hatten, konnte das gut und gerne schon mal mehrere Stunden dauern.

Inzwischen scheint sich das Paar in der Siedlung eingelebt zu haben, manche freuen sich sogar über die Neuen - vor allem die Kinder. Weil Herr Pfau schon in ganz Kleve und dem angrenzenden Ausland bekannt ist für seine Großzügigkeit. Herr Pfau nämlich ist so zusagen ein Experte in Sachen schöner Wohnen, verliert manchmal den ein oder anderen Deko-Artikel, den er mit sich rumschleppt, auf der Straße. Um genau zu sein sind es Federn - und um noch genauer zu sein die schönen, blau-grünen, für die Pfauenmännchen so bekannt sind. Im Dekoartikel-Laden kann so eine Feder schon mal drei Euro das Stück kosten. Herr Pfau von der Lindenallee verteilt sie kostenlos.

Seit ein Fernsehteam von der Siedlung und den neuen Bewohnern berichtet hat, "kommen sogar Touristen her, um die Pfauen zu sehen", sagt eine Anwohnerin, die nach wie vor nicht verstehen kann, warum niemand etwas unternimmt. Sie habe alle angerufen; Polizei, Naturschutzbund, Zoo. Festgestellt haben die Experten nur, dass die Tiere nicht beringt sind. "Vielleicht haben sie einen Chip", sagt die Frau, "für die meisten Behörden sind Pfauen aber einfach Tiere, die in der freien Natur leben."

Oder eben in einer ruhigen Wohnsiedlung, wo es schöne Bäume gibt, und Dächer, mit tollem Blick auf den Sonnenauf- und untergang und prächtigen Gärten mit kleinen Obst- und Gemüsebeeten. "Bei uns sind schon die Erdbeeren und Cocktailtomaten angeknabbert worden", sagt die Anwohnerin. Vielleicht seien es andere Tiere gewesen, vielleicht aber doch die Pfauen. Immerhin sind die Autos wieder in Sicherheit: Seit das Weibchen da ist, pickt niemand mehr auf den Motorhauben rum. Zu sehr ist das Paar vermutlich gerade damit befasst, sich anzukreischen.

Die Lindenalleeler müssen sich wohl oder übel mit den neuen Nachbarn arrangieren. Hat sich der Pfau nämlich einmal niedergelassen, geht er auch nicht mehr so schnell weg. Ganz sicher werden Herr und Frau Pfau schon bald die Familienplanung in Angriff nehmen, "dann können wir nächstes Jahr die Lindenallee in Pfauenallee umbenennen", fürchtet die Bewohnerin. Denn freilaufenden Pfauen zu fangen, "das ist praktisch unmöglich", sagte Dietmar Cornelissen vom Klever Tiergarten nach den ersten Meldungen vom Pfauenpaar. Und auch die Versuche in den letzten Monaten, die Tiere zu fangen, bestätigen den Experten.

Quelle: RP
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