| 00.00 Uhr

Kleve
Farbgewitter im Glaswürfel

Kleve: Farbgewitter im Glaswürfel
Wie gefangene Polarlichter im Glas. Den Kubus "P 19" schuf Wilfried Grootens im Jahr 2014. Drei Jahre zuvor hatte der Klever den Staatspreis NRW für seine Arbeit bekommen. FOTO: Buch
Kleve. Ein neuer Kunstband stellt die Arbeiten von 2013 bis 2016 des Klever Künstlers Wilfried Grootens vor, der in der ehemaligen Bensdorp-Fabrik sein Atelier hat. Das Buch lädt in dessen farbenprächtige, gläserne Welt ein. Von Matthias Grass

Wilfried Grootens ist nicht nur Glasmaler: Seit Jahren hat der Künstler das Flachglas verlassen, schafft gläserne Kuben, in denen seine abstrakten Figuren zu leben scheinen - schwebend wie unter Wasser, leuchtend wie Anemonen in der Südsee oder plustrig leicht wie eine gerade in der Bewegung eingefangene Pusteblume. Im Gegenlicht gibt's regelrechte Farbexplosionen, wenn die Tentakel der Anemone oder die weißen Flugsamen der Pusteblumen fluoreszierend leuchten und mit der Leichtigkeit des Seins gleich ihr gläsernes Gefängnis verlassen zu scheinen. Doch sie sind fest verankert in diesem gläsernen Würfel.

Wilfried Grootens ist auch Glasmaler: Mit feinem Pinsel bemalt er das Flachglas vor ihm auf dem Schreibtisch. Die Lesebrille tief unten auf der Nase, setzt er konzentriert Punkte und Linien, Striche auf das Glas. Scheibe für Scheibe für Scheibe. Diese vier bis sieben Millimeter dicken Glasscheiden werden aufeinandergesetzt, verklebt, geschliffen und poliert. Sie werden zu kubischen Kunstwerken, wenn aus den Strichen und Punkten so räumliche Figuren im Inneren der Würfel werden.

Einen Blick auf diese Arbeiten gibt jetzt ein neuer Band über den in Kleve arbeitenden Glaskünstler. Das Buch zeigt in vielen Fotos nicht nur die Kunst, sondern auch die Gegensätze von der Ruhe des stillen Glasmalers im "Atelier" beim Haus am Deich und der "groberen" Arbeit wie Zuschnitt oder Schleifen der Gläser in seinem Atelier in der Klever Bensdorp. 1954 in Uedem geboren, lernte Grootens ganz klassisch die Glasmalerei bei Derix in Kevelaer, machte seinen Meister und hat seit 1989 in der Klever Bensdorp-Kakao-Fabrik sein Atelier - gleich neben dem Stahlbildhauer Günther Zins, der den Strich vom Papier erlöste und im Raum minimalistische Zeichnungen schuf. Bei Grootens sind die äußeren Formen minimalistisch - einfache Würfel, geschwungene Scheiben. Doch drinnen in den kantigen Kuben können die Farben und Formen überborden oder wie eingefangene Nordlichter wirken.

Die Technik erlaubt aber auch, dass dieses Licht- und Farbengewitter verschwindet, wenn man den Würfel um 90 Grad dreht und nur auf die Schnittkanten der einzelnen Glasschichten blickt. "Nach Experimenten mit unterschiedlichen geometrischen Körpern zeigte sich der Kubus als die Form mit den klarsten und saubersten Spiegelungen des gemalten Objektes im Inneren des Glaskörpers", zitiert der Band den Künstler über seine Arbeit. "Mit ihr führt Wilfried Grootens die Glasmalerei in eine neue Dimension", schreibt Sven Hauschke im jetzt über den Klever Glaskünstler erschienenen Buch. Das zeigt auch die fantastischen Arbeiten aus der Serie "Where the Shark Bubbles Blow" mit den Luftblasen des Hais, an deren Beginn Grootens 2011 den Staatspreis NRW bekam.

Der sauber gedruckte Band stellt die Glasarbeiten von 2013 bis 2016 in den Mittelpunkt, die Texte stellen den Künstlern vor und würdigen seine Arbeit. Die Fotos stammen von Norbert Heyl, der Band trägt einen 3-D-Druck im Titel und natürlich ist das Ganze klimaneutral gedruckt .

Where the Shark Bubbles Blow. Kunstbuch, 72 Seiten. 46 Euro, gesehen bei Buchhandlung Hintzen. ISBN 978-3-00-050630-7

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleve: Farbgewitter im Glaswürfel


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.