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Kleve
Feier zu Sonja Matarés 90. im Kurhaus

Kleve. Im eher privaten Rahmen hat Sonja Mataré ihren Geburtstag bereits vor einigen Tagen in ihrem Haus in Meerbusch gefeiert. Gestern fand im Klever Museum Kurhaus der Empfang zum 90. statt. Guido de Werd würdigte die Jubilarin. Von Anja Settnik

Sie trägt eine sportliche, dennoch weibliche Kurzhaarfrisur, dazu eine farbenfrohe Tunika. Mögen die Gäste der Feierlichkeit auch im üblichen Schwarz und Dunkelblau erscheinen: Sonja Mataré pflegt ihren eigenen Stil. Das wird jeder Künstlerin oder Kunstmäzenin zugestanden und einer 90-jährigen erst recht. Ihr zu Ehren zum runden Geburtstag einen Empfang zu veranstalten - natürlich im Kurhaus, das seine Entwicklung nicht zuletzt der Jubilarin zu verdanken hat - war für den Freundeskreis der Klever Museen und für die Stadt eine Selbstverständlichkeit. Dass die Würdigung dennoch keine langatmige Aneinanderreihung von Artigkeiten wurde, war dem früheren Museumsdirektor Guido de Werd zu verdanken. "Wer 90 Jahre alt ist, dessen Lebenswerk ist schon so häufig gewürdigt worden, dass ich mich auf einige persönliche Begebenheiten beschränke", kündigte er an.

Zunächst aber gab es einige unverzichtbare Grußworte. So sprach Prof. Harald Kunde, der heutige Museumsleiter, sehr liebevoll über das "segensreiche Wirken" Sonja Matarés, die er zwar erst seit vier Jahren kenne, aber von der er genau wisse, was sie geleistet habe und immer noch leiste. In Kurzform: Sie übergab 1988 die Sammlung ihres Vaters Ewald Mataré, die er bereits 1965 der Tochter hinterlassen hatte, dem Klever Museum. Mataré war Bildhauer, Maler und Grafiker, lehrte an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er nicht zuletzt Lehrer von Joseph Beuys war. Die Nationalsozialisten ächteten seine Kunst als "entartet". Berühmt sind die Türen, die er für den Kölner Dom gestaltete, in Kleve kennt jeder das Denkmal des "Toten Kriegers" an der Stiftskirche, das Mataré 1934 zur Erinnerung an die Gefallenen des 1. Weltkriegs schuf und das die Nazis wenige Jahre später zerschlugen und an lange Zeit unbekannter Stelle vergruben.

Kunde sprach der Gönnerin des Museums "innigsten Dank im Namen aller Mitarbeiter des Hauses" aus. Er wünschte der Jubilarin, dass sie noch zu vielen Veranstaltungen in Kleve komme, wo sie weiterhin stets der gesellschaftliche Höhepunkt sein werde.

Dieser 90-Jährigen zu gratulieren sei für ihn fernab jeder Routine, erklärte Joachim Schmidt als stellvertretender Bürgermeister (der sonst eher in Wohnzimmern oder Senioreneinrichtungen Glückwünsche überbringt). Dass sie nicht nur die Sammlung ihres Vaters einbrachte, sondern das Museum seither stetig unterstütze, verdiene tiefsten Dank. Wilfried Röth, als Vorsitzender des Freundeskreises erst zwei Wochen im Amt, nannte es eine große Ehre, ein Grußwort sprechen zu dürfen. Nicht zuletzt ihr 2015 herausgegebenes Buch "Erinnerungen" habe ihm geholfen, viel über die Familie Mataré zu erfahren. Er versprach, sich für die Neuauflage des Mataré-Werkverzeichnisses einzusetzen. Die Jubilarin wünschte sich statt persönlicher Geschenke Spenden für die Realisierung des Katalogs.

Dann de Werd. Unzählige Namen aus dem Kunst- und Kulturbetrieb und von Klever Bürgern nannte er, die mit Sonja Mataré verbunden seien, was auch damit zusammenhänge, dass sie eine sehr kontaktfreudige,warmherzige und aufgeschlossene Person sei. Das Atelier ihres Vaters, in dessen Haus und "paradiesischem Garten" (Beuys half bei der Gestaltung und säte den Rasen ein) sie heute lebt, werde von der Tochter in Ehren gehalten.

Sichtlich angetan war Sonja Mataré von der jungen Sopranistin Franziska Andrea Heinzen, die, am Flügel begleitet von Benjami Mead, Kunstlieder von Schubert und Wolf vortrug. Bei Kaffee und Kuchen auf der Kurhaus-Dachterasse war dann Gelegenheit für gute Gespräche.

Quelle: RP
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