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Kranenburg
Festung und Abbild der Stadtgeschichte

Kranenburg: Festung und Abbild der Stadtgeschichte
Hans Nebelung und Peter Willemsen mit dem zerschossenen Kranich vor dem Mühlenturm in Kranenburg. FOTO: Gottfried Evers
Kranenburg. Der Mühlenturm gilt als eines der Wahrzeichen Kranenburgs. Seine Geschichte reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Heute dient das alte Bauwerk sogar als Schauplatz für Hochzeiten. Von Werner Stalder

Schon sieben Brautpaare wählten die romantische Atmosphäre des Kranenburger Mühlenturms mit einem Standesbeamten der Gemeinde in einer kleinen Gesellschaft zur Feier ihrer Hochzeit. Obligatorisch gehört anschließend ein Besuch auf dem Balkon des Turmes mit der schönen Aussicht über das Grenzstädtchen dazu. Während man für Hochzeitsfotos auf die Gäste blickt, fühlt sich so manches Brautpaar wie Romeo und Julia in der Geschichte zweier junger Liebender. Vom Balkon erklingt auch beim Nikolausmarkt das Turmblasen des Kranenburger Musikvereins.

Mit Heimatverbundenheit und Heimatgefühl ist der Mühlenturm eng verbunden. Hans W. Nebelung, Vorsitzender des Vereins für Heimatschutz 1922 e.V., weist auf die Satzung des Vereins hin: "Zweck ist die Förderung von Kunst und Kultur sowie Landschafts- und Denkmalschutz." Der Mühlenturm gilt - neben der Stifts- und Wallfahrtskirche - als eines der prägenden Wahrzeichen Kranenburgs. Dieser Turm, dessen Historie bis in das 14. Jahrhundert zurückreicht, hatte für die Menschen stets eine herausragende Bedeutung. Als Bestandteil der Stadtbefestigung leistete er seinen Beitrag zur Sicherheit der Stadtbewohner und deren Besitztümer, in seiner Funktion als Stadtmühle war er über Jahrhunderte unverzichtbar für die Versorgung der Bevölkerung mit dem täglichen Brot. Peter Willemsen, der ehrenamtlich als Turmwächter fungiert, zählt rund 3000 Besucher im Jahr. Davon kommen je die Hälfte aus den Niederlanden und Deutschland.

Der Turm trägt auf seiner Spitze das Wappentier der Gemeinde Kranenburg, den Kranich, und stellt damit ein bedeutendes Wahrzeichen des Ortes dar. In den Wirren der Jahre 1944-45 wurde der Turm durch Granaten beschädigt. Erhalten blieb ein durchlöcherter Kranich, der sich im Mühlenturm-Museum befindet. Beginnend mit Exponaten der Frühgeschichte, unter anderem der niederrheinischen Grabhügelkultur, nimmt eine Ausstellung in der obersten Turmetage ihren Anfang.

Von hier, durch die kleinen Turmfenster, über Stadtmauer und Graben, Pulvertürme und Rütterswall hinweg, ist außerdem der schönste Ausblick auf den historischen Teil von Kranenburg zu genießen, der überhaupt möglich ist. Man arbeitet sich dann über die schmale, im Turm rundumlaufende Treppe über fünf Etagen durch das Thema der hochinteressanten Kranenburger Geschichte. Hier fehlen weder die römische Zeit noch das für die Entstehung von Kranenburg bedeutende Mittelalter mit der Verleihung der Stadtrechte vor dem Jahr 1294.

Die Kirchen- und Wallfahrtsgeschichte, deren Beginn ebenfalls in diese Zeit fällt, sind bis in die Neuzeit prägender Faktor des Gemeindelebens, der ergänzt durch die Vereinsgeschichte, den aktuellen Abschluss findet. Im Buch "Geschichte im Turm", 2006 herausgegeben vom Verein für Heimatschutz 1922 e.V. Kranenburg, wird die ortsgeschichtliche Ausstellung im Mühlenturm anschaulich beschrieben. So wird das frühe Leben in der Region dargestellt, werden die frühen Kulturen am Niederrhein wieder lebendig, erfährt man etwas über Siedlung und Herrschaft, Glaube und Kirche. Der Mühlenturm und seine Ausstellung bieten Gelegenheit, die Wurzeln der eigenen Heimat zu ergründen.

Quelle: RP
 
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