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Kleve
Fingerabdruck mit Fliege im Projektraum

Kleve. Der Projektraum-Bahnhof zeigt Werke von Rita Beckmann, Pauline Flory und Johannes Trittin. Von Saskia Nothofer

Eine Zeitung hängt an einer Holzvorrichtung an der Wand. Ein Absatz in einem Text über Flüchtlinge ist mit schwarzem Papier überklebt. Daneben eine weitere Holzvorrichtung mit einer Blanko-Zeitung. Lediglich die versteckte Textstelle findet sich hier wieder. Doch nicht nur dort. Der Boden ist mit etlichen Kopien des kurzen Absatzes bedeckt. Wie bei einem Memory-Spiel liegen die Zettel geordnet nebeneinander, sind nur an einigen Stellen durcheinander.

"Schutz und Schütze" lautet der Titel dieses Objekts von Rita Beckmann. Für die gelernte Archivarin aus Kleve hat das Sammeln, Dokumentieren und Bewahren von Spuren, die Zeit und Gesellschaft hinterlassen, auch in der Kunst einen hohen Stellenwert.

"Gerade die Zeitung ist in diesem Zusammenhang ein bedeutendes Objekt", sagt Elisabeth Schink vom Projektraum Bahnhof 25. Eine Zeitung sammle viel Wichtiges, doch schon nach nur einem Tag werde eine Ausgabe unbedeutend, sei also ein sehr flüchtiges Objekt.

Mit Rita Beckmann, Pauline Flory und Johannes Trittin hat Schink drei Künstler in den Projektraum geholt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Heute wird die Ausstellung um 16 Uhr vom Gocher Museumsleiter Stephan Mann eröffnet.

Neben den Arbeiten aus Papier zeigen die Videoinstallationen der in Köln lebenden Französin Pauline Flory eine ganz andere Seite der Kunst. Ihre Animationen schaffen es, das Statische in Bewegung zu setzen. So lässt Flory in einem ihrer Videos einen Igel und einen lilafarbenen Hasen eine Coverversion des Hits "Survivor" von Destiny's Child singen, während bunte Eulen im Hintergrund ihre eigenen Gliedmaßen dazu benutzen, die Musik dazu zu spielen. Es folgt ein Selbstporträt Florys, dargestellt durch das Abspulen zahlreicher Bilder ihres eigenen Fingerabdrucks in verschiedenen Farben. Am unteren Rand trägt der Abdruck eine Fliege, so dass er wie ein menschlicher Kopf wirkt.

Der eher abstrakte Ansatz wird durch den Künstler Johannes Trittin vertreten. Der Krefelder arbeitet hauptsächlich mit Stahl. Doch da er sich mit den starren Konstruktionen nicht zufrieden gibt, füllt Trittin Wachs in die hohlen Stäbe und verleiht ihnen somit etwas Lebendiges. "Es hat etwas von Knochenmark, gibt dem Stahl ein Innenleben", sagt Schink. Trittins Arbeiten veranschaulichen den Begriff Fraktur, sie sollen Transformation deutlich machen.

Bis 6. März. Geöffnet samstags und sonntags, von 13 bis 17 Uhr. Infos www-bh25.de.

Quelle: RP
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