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Kleverland
Flüchtlinge bald raus aus Turnhallen

Kleverland: Flüchtlinge bald raus aus Turnhallen
Ende Februar dürfte die Turnhalle am Klever Konrad-Adenauer-Gymnasium wieder frei von Flüchtlingen sein. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kleverland. In Kleve und Kalkar sollen die Turn- und Freizeithallen bald wieder den Bürgern zur Verfügung stehen. Die Tennishalle in Goch kann laut Bezirksregierung bis Oktober anders genutzt werden. Viele Notquartiere nur bis Februar in Betrieb. Von Anja Settnik

Das Land Nordrhein-Westfalen hat angekündigt, künftig Notunterkünfte, die nicht mehr als 200 Flüchtlinge aufnehmen können, zugunsten deutlich größerer Zentraler Unterbringungseinrichtungen aufzugeben. Nach RP-Informationen betrifft das schon bald die Turnhallen in Kleve, die bekanntlich seit einigen Monaten nicht mehr dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen, sondern Flüchtlinge beherbergen. Die Tennishalle in Goch, die die Stadt von privat gekauft hatte, um sie als Notunterkunft anzubieten, wird danach vermutlich noch etwas länger genutzt. Bürgermeister Ulrich Knickrehm teilte auf RP-Anfrage mit: "Die Nutzung war uns vom Land für eine bestimmte Nutzungsdauer zugesagt; wir gehen davon aus, dass das Land die Zusage auch erfüllt. Eine gegenteilige Aussage haben wir bislang nicht." Die Bezirksregierung Düsseldorf erklärt auf Anfrage, die Laufzeit sei bis Oktober vereinbart.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Recht einsilbig fällt die Antwort auch aus dem Klever Kreishaus aus. Sprecherin Ruth Keuken bestätigt, dass es ein Schreiben gibt, in dem die Bezirksregierung nachfragt, ob der Kreis willens wäre, die Flüchtlinge noch für längere Zeit in den Turnhallen seiner Berufskollegs in Kleve und Geldern zu beherbergen. Solche Anfragen haben auch die Kommunen erhalten. "Der Kreis hat sich zu diesem Schreiben jedoch bisher nicht geäußert, weil es noch internen Klärungsbedarf gibt", erklärt Keuken. "Selbstverständlich" werde die Antwort des Landrats aber fristgerecht bei der Bezirksregierung eintreffen. Nach RP-Informationen steht dafür der 14. Januar im Raum.

Peter Wolters, Direktor des Berufskollegs Kleve, möchte gerne bald bestätigt bekommen, dass er "seine" Turnhalle wieder nutzen kann. "Derzeit müssen wir die Schüler mit Bussen zu nahen Turnhallen und Sportstudios transportieren, denn zumindest die Vollzeit-Bildungsgänge brauchen auch ihre Sportstunden." Bekanntlich bietet das Berufskolleg auch einen gymnasialen Zweig mit obligatorischem Fächerkanon.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

In Kalkar ist Fachbereichsleiter Andreas Stechling verhalten optimistisch. In der Stadt wird seit mehreren Monaten die Sporthalle des Freizeitparks Wisseler See als Wohnstatt für Flüchtlinge genutzt. Bisher war davon auszugehen, dass mit dem Beginn der Freiluftsaison, wenn der Freizeitpark (der damit Geld verdienen muss) die Halle wieder benötigt, die Menschen in der Turnhalle des Schulzentrums hätten einquartiert werden müssen. Das ist der Politik, die dabei an die Schüler denkt, ein Dorn im Auge. Die Verwaltung war deshalb aufgefordert worden, alle Mühe darauf zu verwenden, eine Alternative zur Flüchtlingsunterbringung zu finden - bislang erfolglos. Nun besteht Hoffnung, dass ab Mitte Februar die Freizeithalle geräumt wird und die Schul-Turnhalle gar nicht erst umgewidmet werden muss. Was Stadtsprecher Harald Münzner allerdings voraussieht: "Sicher wird es dann bald wieder mehr Zuweisungen für die Gemeinden geben."

Der Gocher Hausarzt Dr. Karl-Heinz Krause, der mit seinem Team die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in inzwischen 17 Unterkünften sicherstellt, geht davon aus, dass er auch künftig in Weeze, Stenden, Orsoy, Duisburg und Niederkrüchten impfen und untersuchen wird, jedoch nicht mehr lange in Kleve, Goch und Kevelaer (Jugendherberge). Der Arzt hat zehn Arzthelferinnen und Rettungssanitäter, fest und in Teilzeit, eingestellt, um die Menschen zu versorgen. Ihn unterstützen dabei Kollegen aus seiner Praxis, drei Assistenz- und vier pensionierte Ärzte. Sie alle wollen schnell wissen, wie es weitergeht.

Diese Menschen sind in der ehemaligen Gocher Tennishalle untergekommen. Eventuell wird die Unterkunft bis Oktober weiter betrieben. FOTO: Archiv

Zur Situation in Kleve sagt Stadtsprecher Jörg Boltersdorf: "Eine Beendigung der derzeitigen Nutzung der Turnhalle in Kellen für Flüchtlinge wird mit der Bezirksregierung abgestimmt. Parallel erfolgt derzeit eine Aufnahme möglicher Instandhaltungsarbeiten. Danach ist eine Nutzung durch Schule und Vereine wieder möglich. Ein konkreter Termin kann heute leider noch nicht benannt werden."

Benjamin Hahn von der Bezirksregierung Arnsberg sagt, mit den Kommunen seien meist Verträge bis Ende Februar geschlossen worden, sie sollen nicht verlängert werden. "Land und Bezirksregierungen möchten nun vom breitgefächerten Netz kleiner Notunterkünfte wieder zurück zu einem Regelverfahren mit Erstaufnahmeeinrichtungen und großen Zentralen Unterbringungseinrichtungen. Dies bedeutet die Schließung der Notunterkünfte und die Einrichtung neuer ZUEs."

Quelle: RP
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