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Kleve
Flüchtlingen das Busfahren erklären

Kleve: Flüchtlingen das Busfahren erklären
Rolf Sievernich (ganz rechts im Bild) erläuterte den Flüchtlingen im Bus unter anderem die verschiedenen Tickets und wie man diese richtig entwertet. FOTO: Evers
Kleve. Durch Unwissenheit wurden in der Vergangenheit viele aus fernen Ländern geflohene und nicht deutsch sprechende Menschen ohne gültigen Fahrschein erwischt. Die NIAG möchte dieses Problem mit dem Theodor-Brauer-Haus lösen. Von Sabrina Peters

Das Interesse seitens einer Vielzahl von Flüchtlingen war groß, sich bei Rolf Sievernich vom Betriebsrat der LOOK GmbH der NIAG Unternehmensgruppe über das richtige Busfahren zu informieren. In der Vergangenheit führte das nämlich immer häufiger zu Problemen. "Deshalb wollen wir ihnen das richtige Busfahren erklären", erklärt Sievernich. Die NIAG hat die Idee bereits vor einem dreiviertel Jahr gehabt und nun mit dem Theodor-Brauer-Haus umgesetzt.

Gestern war das erste Treffen. Dieses verlief zwar noch etwas chaotisch ab, Sievernich konnte aber trotz der vor allem sprachlichen Barriere einige Fragen beantworten. Was die Flüchtlinge dabei am meisten interessierte, waren die Kosten: "Wie viel kostet ein Sozialticket? Darf ich meine Kinder mit diesem Ticket mitnehmen?", waren nur zwei Beispiele dafür.

Beantwortet werden Fragen wie diese allerdings auch auf einem vorgefertigten Flyer, den die NIAG in Kooperation mit dem Theodor-Breuer-Haus, das einige der Flüchtlinge betreut, herausgibt. Er soll ab jetzt etwa alle zwei Monate im Bus verteilt werden und beinhaltet auch in arabischer Sprache alle nötigen Informationen zum Thema Busfahren. Damit hilft er zumindest zu einem großen Teil auch bei der sprachlichen Schwierigkeit.

Sowohl die Busgesellschaft als auch die soziale Einrichtung möchten mit diesem Projekt Probleme lösen, und zwar bevor sie entstehen. "Das macht das Zusammenleben für alle reibungsloser und somit angenehmer", meint Sonja Lemm, die als Sozialpädagogin Flüchtlinge am Theodor-Brauer-Haus betreut.

Sie weiß daher auch, was in der Vergangenheit dazu führte, dass nicht deutsch sprechende Menschen ohne einen gültigen Fahrschein kontrolliert wurden und Geldstrafen in Höhe von 60 Euro bezahlen mussten. "Häufig stellte sich danach heraus, dass Unwissenheit die Ursache für das Vergehen war: Zum Beispiel wissen manche nicht, dass ein gekauftes Einzel-Ticket für die Hinfahrt nicht auch noch für die Rückfahrt gilt", so Lemm. Dies würden sie dann erst vom Kontrolleur erfahren, der sich oftmals aber auch nicht in ausreichender Weise mit dem Flüchtling verständlich machen könne. "Und dann ist das Problem da: Diese Menschen fühlen sich hilflos, schlecht informiert und nicht selten diskriminiert", sagt Lemm. Zu einer erfolgreichen Integration trage das nicht gerade bei.

Ein Folgeproblem sei darüber hinaus, dass viele Flüchtlinge auch nicht das Geld hätten, die Strafe zu tilgen - zumal oftmals kein Bankkonto für eine Überweisung zur Verfügung stehe. Auch aus diesem Grund sei es wichtig, die geflohenen Menschen aus vielen fernen Ländern über richtiges Busfahren aufzuklären.

Die NIAG ist als Initiator im Alltag allerdings bereits gut aufgestellt. "Wir haben Mitarbeiter aus 17 verschiedenen Ländern, die auch über Funk bei sprachlichen Problemen helfen können", so Sievernich, dem gestern einer seiner Mitarbeiter bereits als Übersetzer assistierte.

Quelle: RP
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