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Kalkar
Flügel im Ratssaal zu alt für Konzerte

Kalkar. Der Ibach-Flügel im Kalkarer Rathaus hat ausgedient. Das zumindest findet so manch ein Zuhörer, und auch der Klavierbauer Georg Neinhuis ist nicht mehr zufrieden mit der Qualität des Instruments. Von Nicole Scharfetter und Anja Settnik

Ein Musiker kann noch so talentiert sein - wenn das Instrument nicht anständig funktioniert, hätte selbst Beethoven kein Meisterstück abgeliefert. Im Kalkarer Ratssaal steht so ein Instrument. Mehr als 100 Jahre hat der Ibach-Flügel schon auf den Tasten, "er ist einfach zu alt für Konzerte", findet Klavierbauer Georg Neinhuis. Zwar sei der Zustand des Flügels noch okay, geeignet für Hobby-Pianisten. "Konzertflügel sollten aber nicht älter als 50 Jahre sein", so der Experte. Weil der Klang nicht stimme.

Schon öfter habe er gehört, dass Zuhörer unzufrieden mit der Qualität des Pianos waren. "Das Problem ist bekannt", sagt Neinhuis. Aber es fehle einfach das Geld für einen neuen Flügel, fügt er hinzu. Immerhin müsse die Stadt mit etwa 20 000 Euro rechnen, und das in Zeiten klammer Haushaltskassen. Laut der Landesdatenbank IT.NRW liegt die Pro-Kopf-Verschuldung in Kalkar bei 1020 Euro.

Um Geld machen sich die Stundenten des Internationalen Euregio Rhein-Waal Studentenmusikfestivals, die kürzlich an drei Abenden Konzerte im Ratssaal gegeben haben, keine Sorgen und nehmen das Spiel auf dem ausgedienten Flügel gelassen. "Weil die jungen Musiker so eine Plattform bekommen, um Erfahrungen zu sammeln", sagt Projektleiter Professor Boguslaw Jan Strobel. Da gehe man auch schon mal Kompromisse ein, "wie auf einem alten Flügel zu spielen", so Strobel. Natürlich hätten die Nachwuchs-Talente gerne einen besseren Flügel, für den Studenten Tobias sei der Auftritt Ende Juli aber ein echtes Erlebnis gewesen. "Weil er spezialisiert ist auf alte Instrumente", sagt sein Professor.

Strobel hat sogar Verständnis für die Stadt, "die Gelder sind einfach nicht da." Er schlägt vor, dass Musiker Geld sammeln könnten für einen neuen Flügel. Strobel selbst würde ein Konzert im Kalkarer Ratssaal spielen, "zum Beispiel mit meiner Frau, die in Belgien eine bekannte Geigerin ist." Und Kontakte habe der Professor einige, vielleicht findet sich noch der ein oder andere Musiker, der eine solche Initiative musikalisch unterstützen würde. "Schließlich ist der Konzertsaal in Kalkar fantastisch", findet Strobel.

Auch Karl-Ludwig van Dornick vom Verein Freunde Kalkars wünscht sich einen neuen Flügel für Kalkar. Der Verein unterstützt das Studentenmusikfestival finanziell, "für ein neues Instrument haben wir aber nicht die Mittel", so van Dornick. Das sei die Aufgabe der Kommune, fügt er hinzu. "Wenn eine Stadt einen so repräsentativen Ratssaal wie Kalkar hat, sollte sie auch für ein gutes Instrument sorgen", findet der ehemalige Bürgermeister von Kalkar. Schließlich treten dort nicht nur Studenten auf, auch die Kreismusikschule nutze den Saal samt Flügel für Auftritte, so Neinhuis. "Und Privatpersonen, ob Karnevals- oder Hochzeitsgesellschaft", sagt der Klavierbauer.

Van Dornick vermutet, dass die Verantwortlichen bei der Stadt die Mängel am Flügel so noch nicht wahrgenommen haben. Seine Idee: "Vielleicht könnte man neue Sponsoren gewinnen."

Die Stadt selbst hält das Problem für nicht ganz so gravierend. "Wir haben zur Zeit wirklich andere Probleme", sagt Harald Münzner, Chef des Kulturamts. Die Studenten würden sich erfahrungsgemäß auf das Instrument gut einstellen; von großer Unzufriedenheit habe er noch nie gehört. 230 Konzertgäste an drei Abenden kämen wohl nicht, wenn sie leiden müssten. "Der Flügel wird regelmäßig gewartet und ist, wie uns Fachleute versichern, ein durchaus charmantes Instrument. Natürlich nicht so modern, wie es viele Musiker heute gewohnt sind."

Quelle: RP
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