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Niederrhein
Flughäfen: IHK drängt auf Kooperation

Das ist der Airport Weeze
Das ist der Airport Weeze FOTO: Seybert
Niederrhein. Der Airport Weeze ist mit 1,8 Millionen Passagieren der viertgrößte des Landes. Dennoch spielt er laut IHK-Präsident Burkhard Landers noch immer in der dritten Liga. Die A40-Baustelle und die Betuwe-Linie sind ebenfalls in der Kritik. Von Dieter Ackermann

Die wirtschaftliche Lage am Niederrhein ist derzeit gut. Das war aber praktisch auch schon die einzige positive Nachricht, mit der die Niederrheinische IHK bei ihrer gestrigen Jahres-Pressekonferenz aufwarten konnte. Erleichtert sei er außerdem, so IHK-Präsident Burkhard Landers, dass der Landesentwicklungsplan "auch auf unser Drängen hin" nachgebessert worden sei. Aber weil beispielsweise das immer noch nicht überarbeitete NRW-Luftverkehrskonzept aus dem Jahr 2000 nach wie vor Bestand habe, spiele der Airport Weeze als viertgrößter Flughafen in NRW immer noch nur in der "dritten Liga".

Der beim Land weiterhin als Konversionsprojekt bezeichnete Airport habe bei den von der Politik angedachten Plänen einer zukünftigen Kooperation zwischen Düsseldorf und Weeze nur dann eine Chance, wenn beide Flughäfen endlich auf Augenhöhe miteinander kommunizieren könnten. Landers: "Das offenkundige Interesse unseres Wirtschaftsministers macht uns trotzdem optimistisch, dass wir auch dieses schwierige Thema noch gewuppt kriegen."

Große Sorgen bereite der Kammer ferner der immer enger werdende Flaschenhals der Betuwe-Linie bei Emmerich. Der IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger verwies gestern darauf, dass schon heute zunehmend Güter auf der Schiene nach Venlo umgeleitet werden, die von dort aus - umgeladen auf Lkw - über die A 40 nach Duisburg rollen. "Dadurch wird unsere Region zusätzlich belastet, die Wertschöpfung bleibt dagegen in den Niederlanden."

Übersicht: Diese Flugziele erreicht man vom Flughafen Weeze FOTO: gms

Dietzfelbingers Folgerung: "Klar, dass der Bau des dritten Gleises zwischen Emmerich und Oberhausen dringend erforderlich ist." Ansonsten drohe der niederrheinischen Anrainer-Industrie in der Bauphase das "Abstellgleis". Beim Thema A 40 vergaß Landers natürlich nicht den Hinweis auf die marode Homberger Rheinbrücke, "die uns als bauliches Nadelöhr noch für mindestens zehn Jahre bremsen dürfte."

Eine Blitzumfrage bei niederrheinischen Unternehmen habe ergeben, dass durch die erforderlichen Staus und Umwege bis zur fernen Lösung ein wöchentlicher volkswirtschaftlicher Schaden von etwa 3,5 Millionen Euro entsteht. In diesem Zusammenhang gab Dietzfelbinger zu bedenken, "dass unser Niederrhein, was Fläche und Einwohnerzahl betrifft, mit dem gesamten Bundesland Saarland vergleichbar ist. "Insofern hat unsere Region doch zweifellos ein gewisses Gewicht!"

Außerdem würden die Konsequenzen der Energiewende die Region Niederrhein besonders hart treffen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für Pläne, etwa im Klever Reichswald ein Dutzend Windkraftanlagen (jeweils 200 Meter hoch) zu erreichten, sei noch längst nicht gewonnen. Der IHK-Hauptgeschäftsführer: "Es gibt folglich auch Bestrebungen gegen diese Pläne".Dr. Andreas Henseler, IHK-Zweigstellenleiter in Kleve, sprach noch ein weiteres Projekt an, das sich nach wie vor in einer Warteschleife befindet. Schon im Jahr 2012 sei dem Netzwerk Agrobusiness Niederrhein mit Sitz in Straelen ein Förderbetrag über etwa 1,2 Millionen Euro aus EU-Sondermitteln in Aussicht gestellt worden.

Die Politik befürworte diese grenzüberschreitende Initiative generell, aber vorangekommen sei Agrobusiness damit noch nicht.

Allerdings lobte Henseler das Engagement der Europa-Abgeordneten Karl Heinz Florenz (CDU) und Jens Geier (SPD), die sich nach wie vor für eine erneute Ausschreibung dieser Förderung einsetzten. "Aber erst dann können wir uns wieder konkret bewerben, bis dahin hängen wir in der Luft."

Kreis Kleve: So weit ist es zum Flughafen Weeze FOTO: Airport

Zum letzten Mal moderierte Alfred Kilian als Chef der Pressestelle die Jahrespressekonferenz der Niederrheinischen IHK in Duisburg. Präsident Burkhard Landers und Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger verabschiedeten in diesem Rahmen den Wachtendonker, der Ende Juni nach 31 Jahren, davon 29 Jahre als Leiter der IHK-Pressestelle, aus dem aktiven Dienst der Kammer ausscheiden wird.

Das IHK-Führungsduo bedankte sich aus diesem Anlass schon vor dem offiziellen Abschied in den Ruhestand bei Kilian, der in drei Jahrzehnten der heimischen Wirtschaft und der Kammer höchst erfolgreich eine Stimme gegeben habe. Der sachkundige Rat des Wachtendonkers bleibe bei Präsidium und Geschäftsführung der Niederrheinischen IHK auch weiterhin gefragt.

Quelle: RP
 
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