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Kleve
Förderklasse für Flüchtlinge am Start

Kleve: Förderklasse für Flüchtlinge am Start
FOTO: Klaus-Dieter Stade
Kleve. Insgesamt 25 vorwiegend männliche Schüler mit nur sehr geringen Deutschkenntnissen werden jetzt am Klever Berufskolleg unterrichtet. Unter ihnen sind unbegleitet eingereiste Minderjährige, die in Wohngruppen leben. Von Anja Settnik

Dass der eine bessere Chancen hat als der andere, als Asylant anerkannt zu werden, spielt hier keine Rolle. Ob sie aus Albanien, Iran oder Syrien stammen: Wer als Flüchtling einer deutschen Kommune zugewiesen und noch nicht 18 Jahre alt ist, ist schulpflichtig. Nicht erst, seit die Hilfesuchenden in derart großer Zahl zu uns kommen, besteht die Notwendigkeit, sie in hiesige Schulen aufzunehmen. Aber da die Anzahl der Asylbewerber so groß geworden ist, "lohnt" es sich, eigene Seiteneinsteigerklassen einzurichten. Und zwar nicht nur an den Grund- und Hauptschulen. Ältere Jugendliche, die in Deutschland bleiben wollen, aber die Sprache nicht sprechen, werden jetzt auch am Berufskolleg unterrichtet. Für sie gibt es zwei "Internationale Förderklassen".

Mohammad, Leandro, Aballo und ein Dutzend anderer 16- bis 18-Jähriger sind als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an den Niederrhein gekommen. Sie wurden von den Behörden "in Obhut genommen" und Jugendhilfeeinrichtungen zugewiesen. Ohne Eltern oder andere Familienangehörige leben sie nun in Wohngruppen des AnnaStifts oder der Caritas, betreut zum Beispiel von Darija Jeftic, die die "Clearing-Stelle" des Anna-Stifts leitet. Sechs bis neun Monate lang bleiben die Jungen und (wenigen) Mädchen in einer Diagnosegruppe, in der vom Gesundheitscheck bis zur Alltagsgewöhnung alles Wichtige geregelt wird. So schnell wie möglich beginnen die Jugendlichen mit der Schule.

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"Einige haben schon an den Hauptschulen Pfalzdorf und Rindern etwas Deutsch gelernt, andere konnten noch kein Wort, als sie zu uns kamen", berichtet Peter Wolters, der Leiter des Berufskollegs. Schule ist ihnen grundsätzlich allerdings nicht fremd; alle lernten auch in ihren Herkunftsländern Sprachen, Mathe und vieles mehr. "Aber viele konnten durch die Flucht lange Zeit keine Schule besuchen", weiß Heide Wieting, die Bildungsgang-Leiterin. Aber sie sind fleißig, freut sie sich, machen Hausaufgaben, wenden das Gelernte immer selbstbewusster im Alltag an.

Was dem Schulleiter wichtig ist: "Niemand leidet darunter, dass wir uns um Flüchtlinge kümmern." Vier Stellen seien ihm für ihre Unterrichtung zugewiesen worden, und Wolters ist zuversichtlich, dass dafür Bewerbungen eingehen werden. "Deutsch für Ausländer" ist eine Zukunftsaufgabe. Wolters: "Ich bin sicher, dass junge Lehrer darin ihre Chance erkennen werden." Die 150 Flüchtlinge, die in der Turnhalle des Berufskollegs untergekommen sind, haben (auch diejenigen, die unter 18 sind), mit Schule noch nichts zu tun. Die Halle ist schließlich eine Notunterkunft für nicht registrierte Flüchtlinge. Gut möglich allerdings, dass einige von ihnen demnächst schulpflichtig werden. Wie auch viele andere, die vermutlich noch in den Kreis kommen werden. "Ich gehe davon aus, dass viele Schulen dann weitere Klassen einrichten müssen", sagt Wolters.

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Er wünscht sich, dass Unternehmen Praktikums- und künftig auch Ausbildungsplätze für die oft motivierten jungen Leute zur Verfügung stellen. Die Schule werde die Jugendlichen gerne begleiten, nötig sei aber ein Netzwerk zur Flüchtlingsintegration. Die Bildungsangebote müssten koordiniert werden.

Quelle: RP
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