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Kleve
Folgt zweite Gesamtschule für Kleve?

Kleve: Folgt zweite Gesamtschule für Kleve?
Die Sekundarschule hat 91 Anmeldungen (Stand: 4. Juli 2016). FOTO: Evers Gottfried
Kleve. Der Sekundarschule Kleve fehlen die Schüler: wie landesweit hat sie auch in Kleve das Problem, als Schulform zu überzeugen. Der Schulausschuss in Kleve diskutierte Lösungen. Von Matthias Grass

Am Ende konnten weder die Ausschussvorsitzende Petra Tekath (SPD), noch Bürgermeisterin Sonja Northing oder der Protokollführer formulieren, welchen Auftrag die Politik in langer, teils heftig geführter Diskussion für die Verwaltung hatte, um der Sekundarschule eine Zukunft zu geben. Dabei waren alle Vorschläge diskussions- und prüfungswürdig. Denn dieser Schulform bleiben die Schüler weg, vor allem der Standort in Bedburg-Hau ist gefährdet und kann nur noch mit Ausnahmegenehmigung gehalten werden. Um dem Stand der Dinge Nachdruck zu verleihen, füllten so viele Eltern der Sekundarschule die Reihen für die Besucher, dass noch Stühle nachgeräumt werden mussten. Die Forderung der Eltern war einfach und klar: "Chancengleichheit" auch für ihre Schule.

Kleves Kämmerer Willibrord Haas klärte in einer Sitzungsunterbrechung mit den Schulpolitikern die drei Lösungsvorschläge, die die Verwaltung prüfen soll. Dann kann der Schulausschuss nach den Sommerferien empfehlen und der Rat beschließen, wie es weitergeht. Die Entscheidung muss bis zum 30. November fallen. Das ist der Stichtag, bis zu dem die Stadt einen Antrag "auf eine schulorganisatorische Änderung" stellen kann, so Haas. In der ersten Ausschusssitzung nach den Ferien sollen die zuständigen Dezernenten der Bezirksregierung dem Ausschuss zur Entwicklung der Sekundarschulen Rede und Antwort stehen.

Die Karl-Kisters-Realschule hat 113 Anmeldungen. FOTO: Evers Gottfried

Die Vorschläge für die Zukunft der Sekundarschule, die Haas in klaren Worten formulierte, setzen sich aus dem Inhalt eines Antrags der SPD (den die Sozialdemokraten dann nach der vorangegangenen Diskussion zurückzogen) und Erweiterungsanträgen von CDU, FDP und Grüne zusammen. Die Verwaltung wird prüfen:

Die Eingliederung der Sekundarschule in die bestehende Gesamtschule unter Prüfung der vorhandenen Standorte.

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium hat 108 Anmeldungen. FOTO: Evers Gottfried

Die Umwandlung zu einer eigenständigen Gesamtschule an zwei Standorten.

Eine gemeinsame Oberstufe von zwei Gesamtschulen.

Zu jedem der Punkte wird die Verwaltung zur zweiten Schulausschusssitzung nach den Ferien Daten und Fakten sammeln, anhand derer die Politik eine Entscheidung treffen möchte. Während sich Niklas Lichtenberger (SPD) bei der Verwaltung für ihre zügige, gute Arbeit bedankte, musste sie sich von Michael Bay (Grüne) heftige Kritik gefallen lassen: Bereits Ende April habe es Gespräche zu diesem Problem zwischen Verwaltung und Bezirksregierung gegeben, am 9. Juni sei es in der Fraktionsvorsitzenden-Runde besprochen worden. "Diese Diskussion hätten wir also bereits vor zwei Monaten führen können", konstatierte der Grünen-Politiker. Das Schulgebäude, in das die Sekundarschule einziehen sollte (und mit dem sie als Energie-plus-Schule hätte punkten können) sei 2008 geplant worden und sollte 2012 fertig sein. Jetzt werde es voraussichtlich erst 2020 fertig werden. "Das alles ist alles andere als zügig", sagte Michael Bay.

Bay hatte in der Diskussion zuvor angeregt, der Schule mehr Zeit zu lassen, sich entwickeln zu können. Dagegen hatte Petra Tekath in mehreren ausführlichen Wortmeldungen deutlich gemacht, dass die Schule einen anderen "Mantel" brauche, damit sie nicht als "Restschule" disqualifiziert werde. "Nur als Gesamtschule hat sie eine Chance", postulierte Tekath. Das unterstrich auch Eva-Maria Delbeck von den Offenen Klevern.

Jörg Cosar (CDU) attestierte der Bezirksregierung in Sachen Sekundarschule eine "Bankrotterklärung in der Schulpolitik". Da schließe er ausdrücklich alle Parteien ein. Er erinnerte daran, dass man in Kleve 2005 das Sebus-Gymnasium schließen musste, weil nicht genug Schüler für drei Oberstufen neben dem Berufskolleg in Kleve waren. Auf den Punkt brachte das auch Daniel Rütter (FDP): "Die Bezirksregierung soll uns mal erklären, wo auf einmal ,Hoppla-Hopp' die vielen Schüler für fünf Oberstufen herkommen sollen", sagte er. Wolfgang Gebing (CDU) forderte deshalb die Prüfung der Eingliederung, Rütter stellte infrage, ob man überhaupt am Standort Bedburg-Hau festhalten müsse.

Annette Wier, Fachbereichsleiterin Schule der Stadtverwaltung Kleve, erinnerte an die wenige Zeit, die bleibt: wenn in Bedburg-Hau zum Schuljahr 2017/18 keine zwei Klassen gebildet werden können, müsse man den Standort aufgeben.

Quelle: RP
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