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Kleve
"Frauen sind nicht nur Opfer"

Kleve. Zum Internationalen Frauentag gab es in der Stadthalle einen Klever Abend für Frauenrechte. Beim Info-Café stellten Veranstalter ihre Arbeit vor. Nach einem Vortrag von Barbara Lochbihler wurde diskutiert. Von Katrin Haas

Schirmherrin. Über dieses Wort kann man beim Aussprechen schon mal schnell stolpern. Gibt es denn überhaupt ein anderes Wort dafür? Schirmdame oder Schirmfrau klingen auch nicht besser. Die Preisträgerin des Klever Frauenpreises 2009, Dr. Heidemarie Schmidt, musste sich wohl oder übel mit "Schirmherrin" anfreunden, zumindest noch in diesem Jahr. Ihr Wunsch: Bis zum nächsten Jahr muss ein anderes Wort her! Sie übernahm nämlich die Schirmherrschaft des Klever Abends für Frauenrechte, der zum heutigen Internationalen Frauentag stattfand. Der Abend begann mit einem Infocafé in der Stadthalle, bei denen sich die Besucher an Ständen über die Arbeit der Veranstalter im Kreis Kleve informierten.

Die Rede

Im Anschluss hielt Barbara Lochbihler ihre Rede, ehemalige Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International und Mitglied des europäischen Parlaments. Sie erinnerte an den Anfang der Frauenbewegung, den Sklavinnen an der Ostküste in den USA machten. Bisher habe sich viel verbessert. "Die Kämpfe sehen in jedem Land anders aus", erklärte Lochbihler.

Erst seit 1993 sind in Wien schriftlich die Frauenrechte als Menschenrechte festgehalten worden, zwei Jahre später wurde auf der Weltfrauenkonferenz in Peking zu den drei Zielen Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden auch ein Leben ohne Gewalt hinzugefügt. Die Gewalt gegen Frauen sei allgegenwärtig, sie werde verurteilt, trotzdem gäbe es keinen Rückgang der Zahlen. Das Gewaltschutzgesetz sei wichtig, werde aber noch zu wenig angewendet. Durch dieses haben Frauen nach Gewalttaten ihres Ehemannes Anspruch auf die gemeinsame Wohnung.

Das Thema Gewalt im Krieg bewegte Barbara Lochbihler besonders. Sie gab mehrere erschreckende Augenzeugenberichte weiter, unter anderem aus dem Kongo. Die größte Mehrheit der Opfer habe unter zum Teil mehrfacher Vergewaltigung, erzwungener Prostitution und Schwangerschaften sowie Menschenhandel zu leiden. Der Krieg sei im Kongo beispielsweise beendet, die Gewalt gegen Frauen gehe jedoch weiter. Unterstützung erhalten sie keine.

Lochbihler übte Kritik an Deutschland, trotz des großen internationalen Einflusses werde immer noch zu wenig getan. Die Probleme hier seien zum einen die fehlende Lohngleichheit mit einem Gefälle von 23 Prozent. Doch das liege meist nicht an der fehlenden Ausbildung, sondern daran, dass viele Frauen Teilzeit arbeiten. Zum anderen sei das Thema häusliche Gewalt immer noch aktuell.

Im Anschluss diskutierten Andrea Hermanns vom Frauenhaus Kleve, Hedwig Kerken für den FlüchtlingsRat im Kreis Kleve, Marion Claaßen von der Frauenberatungsstelle Impuls und Yvonne Tertilte-Rübo, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kleve mit Barbara Lochbihler. Die betonte: "Frauen sind nicht nur Opfer, sondern kämpfen für ihre und die Gleichberechtigung anderer."

Quelle: RP
 
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