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Kreis Kleve
Frauensommerabend: Wie Kunst und Religion verknüpft sind

Kreis Kleve. Der Frauensommerabend zum Thema "Wie hältst du es mit der Kunst?" zeigte, wie viel Religion und Kunst miteinander zu tun haben. Religion wirkt in der Kunst bis heute und auch bis in die Unterhaltungsindustrie hinein. "Man sollte jedoch den religiösen Hintergrund kennen, um bestimmte Bilder verstehen und deuten zu können", sagte Dr. Andreas Mertin. Den freiberuflichen Theologen hatte der Fachausschuss Frauenfragen des Evangelischen Kirchenkreises Kleve nach Neulouisendorf eingeladen.

Hollywood verwendet in zahlreichen seiner Filme religiöse Symbole, baut biblische Handlungen ein, religiöses Wissen wird mittlerweile sogar an Filmakademien gelehrt. Die Pop-Gruppe REM stellte in dem Musikclip "Losing my religion" eine Bildszene mit dem ungläubigen Thomas nach, wie dieser nach Jesu Wunden sucht, um dessen Identität festzustellen.

Auch das Intro der Serie "Desperate housewifes" beginnt mit dem Sündenfall von Adam und Eva im Paradies. Nur zwei von vielen Beispielen, wo Religion heute in Kunst und Kultur eine Rolle spielt.

Und die Protestanten heute? Sie schienen sich bei dem diesjährigen Dekadenthema unsicher: Die Themenjahre sind bislang mit einem Wort ausgekommen, etwa Reformation und: Bildung, Freiheit, Musik oder Politik. "Bei Reformation und Bild wurde zur Sicherheit die Bibel hinzugefügt", so die Vermutung Mertins.

Der freiberufliche Theologe aus Hagen holte zunächst historisch weit aus: Noch bevor der Mensch vor etwa 5000 Jahren zu schreiben begann, malte er bereits vor 43 000 Jahren die ersten Höhlenbilder. Ein Merkmal, das uns wiederum von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Tiere kommunizieren zwar, machen Musik, einige bestatten sogar Familienmitglieder. Bilder malen sie jedoch nicht. Unsere Ahnen malten Bilder, um Wissen in die nächste Generation zu vermitteln, das Zeigen von Bildern wurde teilweise als Einführung in das Erwachsenenleben eingesetzt, "eine Art Konfirmandenunterricht", so Mertin.

Die ersten religiösen Bilder entstanden rund 220 Jahre nach Christus. Spannend sind sie bis heute, weil sie mehr erzählen als das Augenscheinliche. Die Darstellungsweise von Jesus Christus am Kreuz beispielsweise erzählt viel über religiöse Vorstellungen einer bestimmten Generation. Ist Jesu mehr ein Mensch für uns, der mit uns in der Welt leidet oder hat er den Tod überwunden? Das Schaftlacher Kruzifix (um 980) ist so ein Beispiel des Meinungswandels: Die zunächst offenen Augen für einen Jesus, der den Tod überwunden hat, wurden später übermalt, um ihn menschlich leidend darzustellen. "Menschen machten sich bei der Darstellung Jesu am Kreuz Gedanken darüber, wie ein menschlicher Jesus dort wohl gehangen haben müsse, mit entsprechenden Hängversuchen", erstaunte Theologe Mertin die Zuhörerinnen.

Nach dem Vortrag stärkten sich die rund 50 Frauen mit einem Imbiss für die Arbeitsgruppen. Eine Gruppe vertiefte noch mal den Vortrag mit dem Referenten, weitere Gruppen töpferten, erarbeiteten einen Bibliolog oder machten Entspannungsübungen auf der Matte.

Quelle: RP
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