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Zum Sonntag
Freut euch! - Wie macht man das?

Kleve. Der dritte Sonntag im Advent ist wie der vierte Sonntag der Fastenzeit von der Freude geprägt: Der Einzugsgesang der Messe (Introitus) beginnt mit "Gaudéte", am vierten Fastensonntag mit "Laetáre", was "Freut euch" bzw. "Freu dich" bedeutet. Daher rührt auch der Kehrvers des Liedes "Wir sagen euch an": "Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr: Schon ist nahe der Herr."

Dieser Aufruf zur Freude ist eigentlich erstaunlich: Denn der Advent ist wie die vorösterliche Fastenzeit eine Bußzeit, wie die violette Farbe der gottesdienstlichen Gewänder deutlich macht. Buße ist nötig, wenn etwas falsch ist. In unserem irdischen Leben spüren wir alle eine gewisse "Schwerkraft der Seele", etwas, das uns von Gott und dem Mitmenschen wegzieht, uns zur Isolation verführen will. So nennt die christliche Tradition den Sünder den "homo incurvatus in se", d.h. den auf sich selbst verkrümmten Menschen. Sünde ist also Bachnabelschau. Da stimmt etwas nicht mit mir. Im christlichen Sprachgebrauch meint Buße nicht (Selbst-) Bestrafung: "Buße" ist sprachlich mit "besser" verwandt: Die Christen streben gerade in den beiden Bußzeiten vor Weihnachten und Ostern nach einem besseren Leben: weniger gleichgültig, wahrhaftiger, gerechter, barmherziger und frömmer wollen sie werden. Darum ergeht im Advent immer wieder der Ruf: "Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn es nahet eure Erlösung." (Lk 21, 28) Christliche Buße ist nicht selbstgemacht sondern von Gott geschenkt. Die Buße des Advents will den Menschen aufrichten, damit er geradeaus schauen kann - auf die Freude, die von Gott kommt.

"Gaudete - freut euch!" Das klingt schön und frohmachend - und das Messgewand ist daher an den beiden Vorfreudensonntagen rosa. Doch fragt man sich, wie man diese Freude sehen, wie man den anscheinend nahen Gott wahrnehmen soll, der ja unsichtbar ist und sich selbst den Gläubigen nicht selten zu entziehen scheint. In der Tat ist die christliche Freude noch nicht vollkommen, sie ist eine Vorfreude, die auf einer Verheißung beruht: Gott wird kommen, alles heilen und vollenden.

Dennoch ist diese Vorfreude eine echte und wahre Freude, weil Gott bereits gekommen ist in Jesus Christus, sodass einer seiner Jünger hinterher sagen kann: "Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Lebens - das Leben ist erschienen und wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist." (1Joh 1, 1-2)

Die, die Jesus als Mensch erlebt haben, verkünden uns das ewige Leben. Das ist der Grund der christlichen Freude, die darum Vorfreude bleibt. Das irdische Leben ist die Zeit, uns "aufzurichten" auf die Freude des ewigen Lebens hin, uns einzuleben in die reine Freude Gottes. Das tun Christen, indem sie sich vor allem in der Mitfeier des Gottesdienstes der Kirche immer wieder beleben und "bessern" lassen durch die Worte und Sakramente des Heils. Sie tun es, indem sie sich vor allem in den Bußzeiten zu den Notleidenden hinwenden, auch durch Spenden, denn wenn Gott mir alles gibt, kann ich ja auch (wenigstens etwas) geben. Sie tun es schließlich auch, indem sie "in sich gehen", nicht etwa um sich zu "verkrümmen", sondern um wirklich "bei sich zu sein", wenn ER kommt. Und Gott kommt nicht erst am Ende der Zeiten, er kommt auch jetzt: In seinen vielen "kleinen Ankünften" in unserem alltäglichen Leben, für die Christen im Advent aufmerksamer werden wollen, schenkt er uns heute schon die Freude, die uns zur Lebenskraft wird. Advent heißt: Ankunft des Herrn.

Daher sagt Johannes der Täufer im Evangelium dieses Sonntags: "Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt." (Joh 1, 26).

Quelle: RP
 
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