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Heimat genießen - in Kleve
Frisches Brot - direkt in der Mühle gebacken

Heimat genießen - in Kleve: Frisches Brot - direkt in der Mühle gebacken
Faszinierende alte Technik im Inneren der Alten Mühle in Donsbrüggen, um die sich seit Jahren ein Förderkreis kümmert. FOTO: Klaus Dieter Stade
Kleve. In Donsbrüggen betreiben Förderkreis-Mitglieder eine Mühle aus dem Jahr 1824. Nach einer umfangreicher Restaurierung kann dort auf traditionelle Weise Mehl gemahlen und Bort hergestellt werden. Von Marcel Romahn

Frisches Brot - der Grund für lange Schlangen morgens an der Bäckertheke. Doch kaum irgendwo in der Region gibt es so frisches Brot wie in Donsbrüggen. Dort verkaufen die Mitglieder des Förderkreises "Alte Mühle Donsbrüggen" jeden Samstag etwa 60 selbst gebackene Laibe an Touristen oder Anwohner aus der Nachbarschaft. Das Mehl kommt direkt von nebenan, aus der historischen Getreidemühle, die schon fast zwei Jahrhunderte alt ist und deren Flügel sich dank umfangreicher Restaurierung seit 30 Jahren wieder regelmäßig drehen - Symbol für ein am Niederrhein traditionelles Handwerk.

1824 wurde die Mühle auf den Feldern von Donsbrüggen errichtet. Paul Kersjes, Geschäftsführer des Förderkreises, und seine Mitstreiter haben viel Zeit, harte Arbeit und Geld investieren müssen, um die Mühle wieder betriebstauglich zu machen. 1956 wurde die Mühle stillgelegt - das hat Spuren hinterlassen. Das Mahlwerk, die Mühlenkappe, die Flügel, die Decken und die Schindeln mussten restauriert werden.

"Ein hartes Stück Arbeit", sagt Kersjes. "Aber es ist uns sehr wichtig, das alte Handwerk zu erhalten und den Menschen diese Tradition näherzubringen." Nach mehr als drei Jahren Reparaturzeit konnte wieder Korn gemahlen werden. Seither arbeitet der Förderkreis dort in jedem Jahr zwischen März und November und vermahlt Roggen und Weizen zu Vollkornmehl. Am Ende wird daraus Roggen-Weizen-Mischbrot sowie Weizenvollkornbrot - mit oder ohne Rosinen.

Die Mühle wurde im Originalzustand rekonstruiert. Der alte Baukörper aus Eichenholz und die Bodenplatten wurden verstärkt. Das hohe Alter macht dem denkmalgeschützten Bauwerk ansonsten nichts aus. Der 15 Tonnen schwere Mühlenkopf ragt sicher befestigt über die Felder hinaus, ebenso die Flügel mit einer Spannweite von 21 Metern. "Die Mühle ist sehr robust", sagt Förderkreis-Vorsitzender Hermann Berson. "Auch die Technik war damals schon so fortschrittlich und durchdacht, dass eine Person die Mühle ganz allein problemlos bedienen kann." Bei gutem Wind könne man dort rund 150 Kilogramm Korn pro Stunde vermahlen. Wie effektiv die alte Mühle noch ist, beweist schon ein leichter Windstoß - ab einer Geschwindigkeit von 0,2 Metern pro Sekunde dreht sich der mächtige Flügelbaum.

Damit aus dem frisch gemahlenen Mehl schnell Brote werden, hat der Förderkreis zwei Jahre nach Ende der Restaurierung ein Backhaus samt kleinem Museum angebaut. In der Stube riecht es nach frischer Hefe. Der Steinofen sorgt für eine angenehme Wärme. "Hier empfangen wir jährlich bis zu 3000 Schulkinder und sehr viele Touristen", sagt Kersjes. Und die Besucher dürfen auch selbst mit anpacken. Bevor die Brote in den Ofen geschoben werden, formen die Kinder die Hefe zu dicken Laiben oder flechten Brotzöpfe. "Unsere Besucher stellen viele Fragen, wenn sie durch die Mühle geführt werden oder mit uns backen", sagt Berson. "Und genau das wollen wir erreichen - die Neugier auf das alte Handwerk wecken."

Ein lukratives Geschäft kann und soll die kleine Bäckerei nicht sein. "Wir backen jede Woche nur wenige Brote, die auch nicht sehr teuer sind", sagt Kersjes. Konkurrenz des hiesigen Bäckers möchten die Förderkreis-Mitglieder auch nicht sein, "Wichtig ist nur, dass wir genug Geld zur regelmäßigen Wartung und Instandhaltung der Mühle haben." Dabei müsse sich der Verein auf die Beiträge der 110 Mitglieder sowie auf Sponsoren und Spendengelder verlassen.

Quelle: RP
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