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Niederrhein
Frommes im Xantener Stiftsmuseum

Niederrhein: Frommes im Xantener Stiftsmuseum
Messe spielen: Maren Tombold, Elisabeth Maas, Claudia Kressin und Stefan Kube (v.r.) zeigen ein Kinderzimmer mit liturgischen Gegenständen im Kleinformat. FOTO: Armin Fischer
Niederrhein. Eine Sonderausstellung befasst sich mit religiösen Kultgegenständen aus niederrheinischen Privathäusern. Von Heinz Kühnen

Ein Tabernakel aus Holz, Messkelch, Monstranz und Weihrauchfass, Weihwasserkelch, das weiße Untergewand der Priester, ein Messgewand, Stola - und das alles im Kleinformat. Mit diesen Nachbildungen liturgischer Ausstattungsgegenstände spielten Jungen im 19. und im frühen 20. Jahrhundert die Heilige Messe nach. Entdeckt hat die Utensilien eine Niederländerin auf einem Flohmarkt. Jetzt ist der Spielaltar in einer Ausstellung im Xantener Stiftsmuseum zu sehen, die am heutigen Freitag startet. "Fromme Sachen" - eine Sonderausstellung, die die private Seite religiöser Kultur am Niederrhein zeigt.

Die Präsentation ist ein Museum im Museum: Großformatige Bühnenbilder - gezeichnet von der Klever Künstlerin Maren Tombold - bilden das Innere von Wohnhäusern ab, in die die "Frommen Sachen hineingestellt, gelegt und gehängt wurden - vom Versehkreuz für die "letzte Ölung" über Heiligenbilder und Weihwasserkessel bis zu Rosenkränzen und Geschenken zur Kommunionsfeier.

Die 13 Stationen mit dem, was Menschen "heilig" ist, sind eingebettet in die normale Ausstellung kostbarer Museumsstücke. Vom Museum in den Alltag, von der Vergangenheit in die Gegenwart - das ergibt tatsächlich einen spannenden Dialog zwischen Hochkultur und Alltagsgeschichte.

Denn jede "fromme Sache", egal ob sie irgendwo verstaubte oder heute noch in Gebrauch ist, erzählt auch eine Geschichte, eine, die die mehr als 100 Leihgeber vom ganzen Niederrhein und aus den Niederlanden mit Erinnerungen etwa an bestimmte Personen verknüpfen oder die heute noch im täglichen Gebrauch sind.

Eine Geschichte, die die Leihgeber der stellvertretenden Museumsleiterin Elisabeth Maas und ihren Mitarbeitern gleich mitlieferten oder die die Journalistin Claudia Kressin recherchierte, um auf diese Weise zahlreiche Geschichten zu komplettieren. Diese wurden auch in einem gut 100 Seiten umfassenden, von Stefan Kube reich illustrierten Begleitheft festgehalten. Da erfährt der Leser auch Geschichtliches, zum Beispiel über die offensichtlich außerordentlich große Zahl von erhaltenen Herz-Jesu-Bildern, die meist in Schlafzimmern hingen.

Diese Art der Christusfrömmigkeit hatte besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts großen Zuspruch gefunden.

Zu finden sind auch "Heilige Begleiter". Ein Püppchen, das Antonius von Padua darstellt. Ein Soldat hatte es in eine abgeschossene Gewehrpatrone gesteckt und - die Schlacht von Ypern im Ersten Weltkrieg völlig unversehrt überstanden.

Schön auch die rekonstruierten Gegenstände aus der Leidensgeschichte Jesu, die die Kommunionkinder aus Rheurdt bis in die Mitte der 50er Jahre in der Fronleichnamsprozession mit sich trugen.

Claudia Kressin jedenfalls hofft, mit der Ausstellung auch viele Menschen aus der näheren wie weiteren Umgebung, die das Stiftmuseum in Xanten bisher noch nicht gekannt haben, neugierig zu machen. Sie verspricht jedenfalls allen Besuchern: "Jedem fällt eine Geschichte ein zu den Dingen, die er da sehen kann."

Quelle: RP
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