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Kleve
"Frühe Hilfe" soll junge Familien unterstützen

Kleve: "Frühe Hilfe" soll junge Familien unterstützen
Auch Hebammen sollen für die frühen Hilfen eingebunden werden - sie gelten als wichtige Ansprechpartner für junge Mütter. FOTO: Endermann
Kleve. Langfristiges Ziel ist es, Familien so zu festigen, dass die Stadt Kleve nicht mehr eingreifen muss. Das soll auch die Kosten dämpfen. Von Matthias Grass

Früh soll die Hilfe einsetzen. Ganz früh. Am besten schon in der Schwangerschaft, spätestens aber in den ersten Lebensjahren der Kinder. Sie soll helfen, mit der neuen Lebenssituation zurecht zu kommen, sie soll helfen, den Tag mit dem neuen Erdenbürger zu koordinieren: "Wir wollen Eltern bei der Wahrnehmung ihres Erziehungsrechtes und ihrer Erziehungsverantwortung mit Information, Beratung und Hilfe unterstützen", sagt Jan Traeder vom Fachbereich Jugend und Familie der Stadt Kleve.

Das, was das Jugendamt bieten möchte, firmiert unter "Frühen Hilfen" und wurde jüngst einstimmig vom Rat der Stadt Kleve beschlossen. Es soll eine frühzeitige Zusammenarbeit aller freier Träger der Jugendhilfe ermöglichen, vor allem aber auch das Gesundheitswesen einbinden. "Wir denken da an Hebammen und Kinderärzte", sagt Traeder. Gefördert wird das Projekt vom Bund, der jährlich 51 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung stellt. Umgerechnet auf die einzelnen Kommunen bleibt nicht viel: Kleve bekam 2014 und 2015 für Projekte in diesem Rahmen jeweils rund 20.503 Euro. Das ist auch die Summe, die bei "Frühe Hilfen" 2016 wieder eingesetzt werden soll - wobei ganz oben auf der Liste Netzwerken und Fortbildung besteht. "Wir wollen die verschiedenen Träger, Ärzte und Hebammen zusammenführen", sagt Traeder.

Oft wird das Jugendamt allein in der ihm auch per Gesetz zugeordneten Rolle des "Wächters" gesehen. Wobei "Frühen Hilfen dazu führen soll, dass das Amt eben nicht als Wächter auftreten muss. "Langfristiges Ziel ist es, junge Familien so zu festigen, dass wir nicht mehr eingreifen müssen. Unser Interesse muss doch sein, dass nicht wir als Staat die Erziehung übernehmen, sondern dass die Eltern in der Lage sind, ihre Kinder selbst zu erziehen", sagt Traeder. Damit erfüllt die Stadt nicht nur ihre Daseinsfürsorge, wie es der Gesetzgeber nennt, sie spart langfristig auch Geld, wenn weniger Kinder bei Pflegeeltern oder gar im Heim untergebracht werden müssen, weil die Eltern überfordert sind.

Der Mann vom "Jugendamt" weiß: "Man kann nicht darauf warten, dass die Menschen zu uns kommen". Man müsse dorthin, wo die Familien sind, man müsse die Hebammen, die Ärzte, auch die Krankenhäuser, die Familienzentren ansprechen, wo die Kinder betreut werden. "Wir möchten, dass die Mitarbeiter dort, zu denen die jungen Mütter auch ein Vertrauensverhältnis haben, aufzeigen, dass wir eben nicht allein der Wächter sind, den wir sicher nicht ausblenden können. Aber wir verstehen uns doch vor allem auch als ,Helfer' und ,Berater'", sagt Traeder. Deshalb plant die Stadt weiterhin regelmäßige Netzwerktagungen, um die Jugendhilfeträger, das Jugendamt und alle anderen Beteiligten an einen Tisch zu bringen.

Traeder hat in einer "Handreichung" der Stadt ein "Who-is-Who" der Familien- und Jugendhilfe zusammengestellt, die alle Einrichtungen und Träger vorstellt. "Diese Handreichung ist eine Zusammenstellung von Angeboten und Ansprechpartnern für junge und werdende Eltern in Kleve und richtet sich an alle Fachkräfte, die mit jungen Eltern in Kontakt stehen und diese beraten. Die Handreichung soll dabei helfen, Eltern Angebote vor zu schlagen und zu vermitteln", sagt Traeder. Darin sind für jedes Alter Ansprechpartner zu finden. Von der Mitarbeitern des Jugendamtes, dem Sozialdienst Katholischer Frauen, der Schwangere berät, über die Hebammen bis hin zu den Angeboten von AWO und Caritas.

Quelle: RP
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