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Kleve
Frühlingsboten mischen Tiergarten auf

Kleve: Frühlingsboten mischen Tiergarten auf
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und die kleinen Ziegen machen sich über Yaras Futterbox her. So nah war das Berliner Mädchen solchen Tieren wohl noch nie. Passiert ist ihr aber nichts. Die keinen Tiere haben Acht gegeben. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Im Klever Tiergarten sind in den vergangenen Wochen rund 50 Junge geboren worden. Jede kleine Tierfamilie erzählt dabei seine eigene Geschichte. Einige lassen aber auch noch auf sich warten. Ein Ehrengast hat die Voliere bezogen. Von Kilian Treß

Für Yara fällt heute Ostern und Weihnachten auf denselben Tag. Zusammen mit Tiergartenleiter Dietmar Cornelissen darf sie nämlich das Gehege der Westafrikanischen Zwergziegen betreten, um eines der gerade erst geborenen Zicklein aus der Nähe zu betrachten. So nah kommt sonst kein Besucher an die frisch Geborenen. "Die sind so süß", quiekt die Siebenjährige entzückt. Kurz darauf wird sie von weiteren kleinen Ziegen regelrecht überrannt - ein witziges Bild. Erst als sie die Futterbox fallen lässt, lassen die kleinen Huftiere von ihr ab.

Yara, die von ihrer Oma mit dem Besuch des Tiergartens überrascht wurde, darf als Einzige eines der rund zwei Dutzend kleinen Zicklein - dem größten Tier-Kindergarten der Anlage - streicheln. Sie sind die Vorboten des Frühlings. "Das ist für mich die beste Jahreszeit", sagt Dietmar Cornelissen. "Wegen der vielen Jungtiere kommen bald auch viele Besucher - der Park ist dann pickepacke voll."

Das erste Dutzend der Westafrikanischen Zwerg-Zicklein erblickte vor etwa sechs Wochen das Licht der Welt, das zweite vor etwa einem Monat. Nach und nach erhielten auch die Owamboziegen, die Wollschweine sowie die Rhön- und Jacobsschafe Zuwachs.

Babyboom im Tiergarten Kleve

Der ungarischen Wollschwein-Mama stehen jetzt aber erstmal harte Wochen bevor. Ihr Gatte - Eber Nummer Eins, wie er der Einfachheit im Park genannt wird - hatte sich nach der Zeugung der Jungen schleunigst aus dem Staub gemacht. Er ist eben, wie alle seiner Art, Einzelgänger und führt offenbar lieber einen Single-Haushalt, als sich um seine sieben, jetzt etwa 14 Tage alten Jung-Ferkel zu kümmern. Jetzt halten die gestreiften Frischlinge ihre Mama rund um die Uhr auf Trapp. Doch ist sie auch nicht ganz unschuldig an ihrer Situation. Sechs Mal war sie in den vergangenen fünf Jahren trächtig. 40 Jungtiere zog sie bereits groß. Eine Zahl, die wohl jedem noch so treuen Familienvater auch in Zukunft vor einer Beziehung abschrecken dürfte.

Ganz anders stellt sich da das Rhönschaf Hermann an (Bild links mit Dietmar Cornelissen): Der rund 100-Kilo schwere Bock ist zwar recht zickig, wenn Gäste in sein Revier eindringen. Selbst der Tiergartenleiter hat so seine Mühe, wenn er das Gehege betritt. Doch um das Wohlergehen seiner Ziege und seinem einzigen Jungtier in diesem Jahr kümmert sich Hermann. Seine Liebe ist, beziehungsweise war, grenzenlos. "Früher hatte Hermann sogar mal drei Frauen und sechs Kinder gleichzeitig", sagt Dietmar Cornelissen. Heute reicht dem älter werdenden Zuchtbock lediglich eine Dame. Der Trieb lasse im Alter nach.

Publikumsmagneten werden künftig auch die beiden "Flaschenkinder" des Tiergartens. Mehrmals am Tag werden Ulrike, ein wenige Wochen altes Jacobsschaf, und Lulu, eine etwa gleichaltrige Owamboziege, von Hand gefüttert. Sie wurden von ihren Müttern nach der Geburt verstoßen. Das könne viele Gründe haben. "Manche Jungen schaffen es einfach nicht, die Milch zutrinken. Andernfalls erschrecken die Mütter bei der Geburt vor ihrem eigenen Jungen", erklärt Cornelissen. In solchen Fällen müsse das Tiergarten-Team ran und Mama spielen. Solange, "bis sie keine Milch mehr trinken. Dann werden sie vom Menschen entwöhnt", sagt Cornelissen. Anschließend können sie auch wieder zur Herde und vors Publikum.

In den kommenden Wochen werden im Tiergarten auch der Weißkopfseeadler, Bartkauz sowie die Störche beginnen, ihre Nester zu bauen, Eier zu legen und zu brüten. Nur die Raubtiere im Tiergarten lassen Fragen offen. Bei den Erdmännchen, Roten Pandas, Frettchen oder Seehunden "kann man schlecht erkennen, ob sie tragen", sagt Cornelissen. Größere Probleme mache aber wohl weiterhin Karlchen. Der Polarfuchs, der extra aus dem Duisburger Zoo nach Kleve umgesiedelt wurde, sollte Nachwuchs zeugen. Doch war ihm der Klever Winter offenbar zu warm. Oder die Polarfuchs-Dame nicht nach seinem Geschmack? Wie auch immer: Lust wollte bei Karlchen zumindest nicht aufkommen. "Ich kann ihm aber auch nicht vormachen, was er tun muss", sagt Cornelissen und lacht.

Wegen des Sturmtiefs blieben in den vergangenen Tagen die Gäste im Tiergarten zwar noch aus, Yaras Oma aber hatte offenbar den richtigen Riecher. Beide konnten an dem Tag sogar den Einzug eines neuen Storchs beobachten. Auf der Voliere, auf der im vergangenen Jahr der Tiergarten extra ein Nest errichtete, um damit ein Paar anzulocken, landete darin. Sollte er hier verweilen, ist er eine weitere Sehenswürdigkeit im Frühling des Klever Tiergartens.

Quelle: RP
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