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Kleve
Gästebuch erinnert an Hotel Bollinger

Kleve. Christa Bialas, die Ex-Gocher Großnichte der Eigentümerin der ehemaligen Nobel-Herberge, schenkte der Stadt Kleve das Verzeichnis. Viele Berühmtheiten waren zu Besuch in dem Hotel. Ihre Eintragungen sind im Gästebuch zu finden. Von Lea Ebbers

Auf einer hohen Terrasse auf der Kavarinerstraße in Kleve lag es einst - das Hotel Bollinger. "Ich erinnere mich noch an den großen Wintergarten und den Hügel, den wir immer hoch gelaufen sind, als wir meine Großtante besucht haben", sagt Christa Bialas. Damals war die ehemalige Gocherin ungefähr sechs Jahre alt.

Bialas ist die Großnichte von Emma Hohl, die das Hotel zusammen mit ihrem Mann Jakob von 1919 bis 1963 leitete. In dem Gästebuch verewigten sich einige bekannte Persönlichkeiten. Vor 20 Jahren hat Bialas das Gästebuch des Hotels von ihren Eltern bekommen. "Ich habe es damals in den Schrank gestellt und wusste, dass es etwas Besonderes ist", sagt Bialas. Nun hat sie es wieder aus dem Regal herausgeholt und es der Stadt Kleve geschenkt, damit jeder einen Einblick in die Namen der prominenten Gäste bekommen kann.

Bekannte Persönlichkeiten wie die Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander, Schauspieler und Entertainer Peter Frankenfeld sowie Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Lilian Harvey übernachteten bei Bollinger. "Das Hotel Bollinger war vor allem für die Terrasse mit Aussicht auf die Niederung bekannt", sagt Bert Thissen, Archivleiter der Stadt. Ein großer Konferenzraum, ein Festsaal und eine Veranda für 200 Personen standen den Gästen zur Verfügung. Außerdem war das Hotel bis 1965 ein wichtiger Ort für große Veranstaltungen. Bei vielen Klevern war es die Adresse für gute und große Feste.

Christa Bialas ist die Tochter von Wilhelm Bialas, der als Vertriebener aus Oberschlesien die ostdeutsche Heimatstube in Goch gründete. "Er hat sich mit anderen Vertriebenen in Goch neu eingefunden und setzte sich sehr für sie ein. Er war bis in das hohe Alter in der Heimatstube in Goch präsent", sagt Bialas. "Meine Großtante Emma ist 1982 im Altersheim gestorben. Ihre Wohnung war ein Anbau des Hotels, die nach ihrem Tod aufgelöst wurde, bei der meine Eltern das Gästebuch fanden", sagt Bialas. Sie habe nur eine Nichte, der sie das Buch hätte schenken können. Diese könne mit den Namen, die in dem Buch stehen, aber nichts mehr anfangen. Daher habe sie das Buch Bürgermeister Theo Brauer und dem stellvertretenden Bürgermeister Heinz-Joachim Schmidt überreicht.

Im zweiten Weltkrieg wurden namhafte Hotels in Kleve wie Hotel Maywald, Hotel Prinzenhof und Hotel Robbers zerstört. Das Hotel Bollinger hatte zwar auch Schäden erlitten, konnte aber renoviert werden und die Gäste der anderen Hotels übernehmen.

Das Ehepaar Hohl war nicht von Anfang an im Besitz des Hotels. 1852 übernahm Franz Bollinger das Gebäude, das er von einer Schenkwirtschaft zu einem Hotel umfunktionierte - daher auch der Name "Bollinger". Die Hohls leiteten das Hotel 42 Jahre lang. Nachdem Jakob Hohl verstorben war, verkaufte Emma Hohl den Betrieb an das Ehepaar Meyburg. Genaue Gründe dafür sind heute nicht bekannt, aber Archivleiter Thissen vermutet, dass Altersgründe ausschlaggebend für den Verkauf waren. 1971 verkauften die Meyburgs das Hotel an die Firma Sengers, die das Gebäude als Verkaufs- und Lagerraum nutzte. "Die Lage der Gastwirtschaft war zu der Zeit nicht sehr gut. Es schlossen auch Hotels wie 'Hof von Holland' und 'Kölner Hof'", sagt Thissen. Ein weiterer Grund für die Schließung des Hotels könnte die 1965 eingeweihte Stadthalle sein, die dem Hotel zu viel Konkurrenz machte. Bis 1965 war Hotel Bollinger ein wichtiger Ort für große Veranstaltungen in Kleve. Diese Funktion übernahm dann die Stadthalle weitgehend. 1983 wurde das Gebäude schließlich abgerissen. Ein Stück Klever Geschichte war verloren. Das Gästebuch ist jedoch eine kleine Erinnerung daran.

Quelle: RP
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