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Kalkar
Galloways: Das beste Fleisch

Kalkar: Galloways: Das beste Fleisch
Gerd Plorin ist eigentlich Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Zu seinen Galloways auf dem "Haupthof" in Kalkar-Bylerward kam er durch einen Zufall. FOTO: Markus van Offern
Kalkar. Züchter am Niederrhein entdecken das robuste Rind für sich. Die Haltung garantiert höchste Qualität. Welcher Verbraucher kauft freiwillig ein Auto aus schlechter Massenherstellung? Vermutlich niemand. Aber warum kaufen wir dann billiges Fleisch? Von Christian Hagemann

Das ist natürlich nur eine rhetorische Frage. Doch die Erkenntnis bleibt, dass das, was bei uns auf den Teller kommt und was wir unserem Körper durch Nahrungsaufnahme geben, wenig beachtet wird.

Massentierhaltung macht es möglich, dass Fleisch in Deutschland zu Preisen angeboten wird, die unsere Eltern und Großeltern niemals für möglich gehalten hätten. Bei ihnen gab es nicht jeden Tag Fleisch, weil es teuer war. Aber dafür war es mit Sicherheit besser als heute.

Bei diesem Punkt kommen zwei Männer ins Spiel, die beispielhaft dafür stehen, dass es auch anders gehen kann.

Die Tiere können auch im tiefsten Winter draußen bleiben. Ihnen reicht ein Unterstand. FOTO: Georg Menke

Jan Fengels (34) aus Hamminkeln betreibt mit Vater und Bruder zusammen eine Galloway-Zucht. Auf den Flächen des Öko-Betriebs stehen 50 dieser Tiere. Sechs bis zehn Tiere werden pro Jahr geschlachtet und verkauft. Das ist das Gegenteil von Massenhaltung. Und es ist nicht nur die ökologisch bessere Variante. Das Fleisch schmeckt einfach auch viel besser.

"Die Tiere bekommen kein Kraftfutter oder ähnliches, sondern fressen das Gras und Heu von unseren Weiden", sagt Fengels. Sie werden auf natürliche Weise groß und gewinnen an Gewicht und Größe ohne Hilfsmittel.

Und: Sie sind das ganze Jahr draußen auf der Weide. "Galloways sind robuste Tiere. Ich war in Kanada und Russland bei Züchtern. Da stehen die Tiere im Winter bei minus 20, 30 Grad Celsius draußen", sagt Fengels. "Das macht den Tieren nichts aus."

Fengels gehört dem Bundesverband der Galloway-Züchter in Deutschland an. In ihm sind etwa 500 Betriebe organisiert, sagt er. Insgesamt gibt es in Deutschland mittlerweile etwa 1500 Galloway-Halter. "Nicht jeder ist Mitglied im Verband. Das muss ja auch nicht, weil ja nicht jeder die Tiere züchtet."

Einer, der auch im Verband ist, ist Gerd Plorin (66). Anders als Fengels allerdings ist er kein gelernter Landwirt.

Erst vor vier Jahren tauschte der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, der eine florierende Kanzlei in Emmerich sein Eigen nannte, den Anzug mit dem Overall. In Kalkar-Bylerward kaufte er den "Haupthof". Das landwirtschaftliche Anwesen hatte der leidenschaftliche Segelflieger eigentlich als neuen Platz für die Segelflugvereine von Emmerich und Kalkar ins Auge gefasst.

Als die Politik in Kalkar den Vereinen allerdings einen Strich durch die Rechnung machte, stand Plorin mit einem Hof da und der Frage, was jetzt damit zu tun sei. Die Antwort hatte er bald. "Ich stand eines Tages auf der alten Schweinewiese. Sie war zugewachsen mit Brombeersträuchern und Disteln. Nach ein paar Stunden Arbeit wurde mir klar, dass ich die Fläche alleine nie würde schaffen können." Dem "Neu-Landwirt" kam der Gedanke, die Sache doch besser einigen Rindviechern zu überlassen. Seine Wahl fiel auf Galloways. Er kaufte zwei - und statt mit Steuergesetzen und Bilanzen befasste er sich fortan mit Vererbungslehre und Weidezäunen. 2012 freute er sich über die ersten vier Kälber auf seinem Hof, entsprungen aus der segensreichen Tätigkeit eines "Leihbullen".

Ein Jahr später kaufte Plorin einen eigenen Bullen. Mittlerweile ist die Herde ordentlich angewachsen. 19 Tiere stehen aktuell auf den riesigen Weiden. 16 Kälber stammen aus eigener Zucht.

Mittlerweile verkauft Gerd Plorin das Fleisch der geschlachteten Tiere auch. Dabei finden die Tiere den Weg auf den Teller der Verbraucher nicht durch einen Massen-Schlachtbetrieb. "Darauf lege ich großen Wert", sagt er.

Und ebenso wie die Tiere in Würde ihr Ende finden, sollen sie auch artgerecht leben. Keine Mast, kein künstliches Futter, kein Eingezwängt-Sein in einem Stall - diese Tiere sind das, was der Volksmund "glücklich" nennt.

Natürlich hat die Qualität von Fleisch und Haltung hat ihren Preis. Bei Fengels in Hamminkeln beispielsweise gibt es sogenannte "Pakete" zwischen zehn und zwölf Kilogramm.

"Darin enthalten sind beispielsweise Braten, Gehacktes, Beinscheibe und Gulasch. So ein Paket kostet zwischen 12 und 15 Euro pro Kilo", so Fengels. "Das ist der Preis für gutes Fleisch." Die Edelteile wie Roastbeef oder Filet kosten noch einmal deutlich mehr.

Aber die Kunden von Fengels akzeptieren den höheren Preis. "Es geht ihnen um die Qualität und die Art der Haltung." Fengels gibt zudem zu bedenken: "Eine Familie kann mit zehn bis 12 Kilo Fleisch länger auskommen. Es muss ja auch nicht jeden Tag Fleisch geben." Und: "Rechnen Sie doch mal aus, wie viel Geld Sie beim Fast Food für vier Personen ausgeben. Dann kommt Ihnen der Preis für Galloway-Fleisch längst nicht mehr hoch vor."

Quelle: RP
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