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Bedburg-Hau/Kleve
Gedenken an die Holocaust-Opfer

Bedburg-Hau/Kleve: Gedenken an die Holocaust-Opfer
Stephan Lahr und Peter Driessen legten gestern am Mahnmal in der LVR-Klinik einen Kranz zum Gedenken nieder. FOTO: Klaus Stade
Bedburg-Hau/Kleve. In der LVR-Klinik gedachte man der Ermordung von Patienten während des Nationalsozialismus. Am Mahnmal vor der Klinikkirche wurde ein Kranz niedergelegt. In Kleve berichtete Edmund Verbeet am Abend von der Aktion Stolpersteine. Von Matthias Grass

Die brutale Vernichtungsmaschinerie war gründlich: Schon im November 1939 wurden die ersten Patienten aus Bedburg-Hau verlegt, allein im März 1940 wurden 1600 Männer und Frauen abtransportiert und in Grafeneck oder Hadamar ermordet. Der letzte Transport aus Bedburg-Hau war am 12. Juli 1944. "Bis dahin wurden mehr als 2800 Patienten aus Bedburg-Hau in andere Anstalten gebracht. Die meisten fanden den Tod", sagte gestern der kaufmännische Direktor der LVR-Klinik in Bedburg-Hau, Stephan Lahr, in seiner Rede zum Holocaust-Gedanken.

"Nicht wenige vergaßen damals ihre ethischen Grundsätze und halfen beim Abtransport und der Ermordung des plötzlich als unwert geltenden Lebens. Sie stellten ihre Arbeitskraft zur Verfügung und wurden so zu Gehilfen oder sogar zu Haupttätern. Andere haben weggeschaut. Die Erinnerung daran muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen", zitierte Lahr.

"Wir haben hier in Bedburg-Hau die Fratze des Nationalsozialismus unmittelbar erlebt", sagt Peter Driessen, der zusammen mit Lahr zum Gedenken einen Kranz am Mahnmal gegenüber der Klinikkirche ablegte. Erst vor wenigen Jahren sei es gelungen, die Namen der Patienten zu sammeln, fügt der Bedburg-Hauer Bürgermeister an.

Die psychisch Kranken und geistig Behinderten seien von den Menschen verraten und umgebracht worden, in deren Obhut sie sich eigentlich begeben hatten. "Wir wollen Sorgen tragen, dass Menschen, die sich uns als Patientinnen oder Patienten, als Bewohnerinnen oder Bewohner anvertrauen und anvertraut werden, heute und auch in Zukunft die Fürsorge und Pflege erhalten, die Ihnen nach ethischen, moralischen und menschlichen Grundsätzen zusteht", betont der kaufmännische Direktor der LVR-Klinik Bedburg-Hau.

In Kleve sollen künftig endlich nach langer Diskussion auch Stolpersteine im Pflaster der Stadt vor den Häusern an die ermordeten Klever Juden erinnern. Die ersten Steine sollen im September 2016 verlegt werden, informierte Edmund Verbeet im Rahmen des Gedenkens, den die Arbeitsgemeinschaft Geschichte im Haus Mifgash und die Volkshochschule in Kleve organisierten. Er betonte, dass die Aktion mit den Stolpersteinen als "notwendige Ergänzung der Erinnerungskultur" verstanden werden muss. "Hier kann das das entstehen, was wir kulturelles Gedächtnis nennen. Exakt an dieser Stelle sind Stolpersteine hilfreich. Mit Stolpersteinen wird das Gedenken an die Millionen verfolgter und gedemütigter Menschen im wahrsten Sinne des Wortes vereinzelt, konkretisiert, personalisiert und lokalisiert. Die abstrakte Wahrheit des Holocausts bekommt ein Gesicht, vergegenwärtigt auf der Straße im Alltag der Menschen", sagt Verbeet. Ab Herbst werden die ersten Steine genau dies in der Kavariner- und der Tiergartenstraße tun. Zumal für jeden Stein die Geschichte der Person, der Familie, an die erinnert wird, aufgearbeitet werden muss.

Einer dieser Steine kostet 120 Euro. Die ersten fünf Steine bezahlt Haus Mifgash. Alle weiteren Steine müssen über Spenden oder Paten finanziert werden. Spenden: Haus der Begegnung - Beth HaMifgash IBAN DE28 3245 0000 0030 0170 81 Verwendungszweck: Stolpersteine, ggf. plus Name der jüdischen Familie. (Spendenbescheinigungen werden zugesandt).

Quelle: RP
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