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Prozess in Kleve
Lange Haftstrafen für Geldautomatenbande

Fotos: Geldautomaten-Sprengungen in der Region – Chronik
Fotos: Geldautomaten-Sprengungen in der Region – Chronik FOTO: Daniel Bothe
Kleve. Zwölf Mal hatte eine Bande erfolglos versucht, an das in Bankautomaten eingelagerte Geld zu kommen. Nun gab es vor Gericht die Quittung: Drei Mitglieder wurden beim Prozess in Kleve zu bis zu sechs Jahren Haft verurteilt. Von Marc Cattelaens

Die Erkenntnis kam spät: "Ich habe mein ganzes Leben vor die Wand gefahren", sagte Juri D. in seinem Schlusswort vor Gericht. Der 28-Jährige hatte gemeinsam mit seinem Bruder und weiteren Mittätern eine Vielzahl von Geldautomaten gesprengt. Obwohl sie dabei nicht an einen einzigen Geldschein gelangten, richteten die Täter einen Schaden von insgesamt fast 850.000 Euro an. Am Montag wurden Juri D. zu sechs Jahren Haft, Andreas D. zu fünf Jahren Haft und Eugen N. zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 150 Sozialstunden wegen versuchten schweren Bandendiebstahls, versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und Sachbeschädigung in mehreren Fällen verurteilt.

Die Serie von Geldautomaten-Sprengungen erstreckte sich quer über den Niederrhein. Sechs Geräte jagte die Bande im Zeitraum vom 23. März 2015 bis kurz vor Weihnachten in die Luft, in fünf Fällen blieb es beim Versuch, in einem Fall bei einer Verabredung. Eine Sonderermittlungskommission des Landeskriminalamts kam den jungen Männern im Alter von 27 bis 28 Jahren aus Kleve und Bedburg-Hau schließlich auf die Schliche, weil das Handy eines der Täter an mehreren Tatorten im Funknetz eingeloggt war. Bevor die Täter an einer Sparkassen-Filiale in Dorsten zuschlagen konnten, wurden sie durch die Mitglieder eines mobilen Einsatzkommandos einen Tag vor Heiligabend festgenommen. In den beiden Autos, die die Bande zur Flucht bereitstehen gelassen hatte, befanden sich schwarze Stoffmasken, Benzin und Gasflaschen.

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Ihr Wissen besorgten sich Juri D. , Andreas D. und Eugen N. über das Videoportal Youtube. Dort war detailliert in Wort und Bild zu erfahren, wie man eine erfolgreiche Sprengung bewerkstelligt. Bei ihren Taten gingen die jungen Männer arbeitsteilig vor: Einer besprühte die vor den Geldautomaten angebrachten Kameras mit Farbe, einer bohrte ein Loch in die Geräte, leitete ein Gasgemisch ein und entzündete dieses, der Dritte fuhr den Fluchtwagen.

Während sich die Bande anfangs auf frei stehende Geldautomaten-Pavillons beschränkte, wurden die Täter mit der Zeit immer rücksichtsloser. So machten sie später auch vor Filialen nicht Halt, über denen Wohnungen lagen. Zum Glück waren diese zum jeweiligen Tatzeitpunkt nicht bewohnt. Die schweren Explosionen richteten zum Teil beträchtlichen Schaden auch an den Gebäuden an, Glassplitter und schwere Türen wurden zwölf Meter durch die Luft geschleudert. "Sie haben Menschenleben abstrakt gefährdet", wandte sich Richter Gerhard van Gemmeren, Vorsitzender der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Kleve, an die Angeklagten. Bei der letzten Sprengung, in einer Filiale der Postbank in Nettetal-Lobberich, waren die Täter aus ihrer Sicht sogar erfolgreich – die Geldkassette lag frei. Nur bekamen sie davon nichts mit: Weil der Raum völlig verqualmt war, verwechselte einer der Täter den Geld- mit dem unbeschadeten Kontoauszugsautomaten.

Die Angeklagten nahmen ihr Urteil regungslos auf. Während Juri D. in Haft bleibt, wird der Haftbefehl gegen Andreas D. außer Vollzug gesetzt. Er soll sich jetzt freiwillig stellen, so hat er eine Chance, in den offenen Vollzug zu kommen. Mit ihrem Urteil blieb die Kammer weit unter der Forderung von Staatsanwalt Guido Schulte, der Haftstrafen bis zu acht Jahren gefordert hatte. Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten wurde abgetrennt. Gegen das Urteil können die Angeklagten noch Revision einlegen.

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