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Kleve
Gemeinsam gegen den Ärztemangel

Kleve: Gemeinsam gegen den Ärztemangel
Engagierte Mütter, Fachbereichsleiter Jan Traeder (3. v. l.), Bürgermeisterin Sonja Northing (M.) und Kinderarzt Wolfgang Brüninghaus gehen Hand in Hand im Kampf gegen den Ärztemangel im Kleverland. FOTO: G. Evers
Kleve. Die Elterninitiative Kleve hat mit ihrer Petition großen Erfolg. 3813 Menschen haben unterschrieben. Bis Ende Februar ist die Liste online. Politiker sind aufgerufen, Stellung zur schlechten ärztlichen Versorgung in der Region zu beziehen. Von Marc Cattelaens

Für die Elterninitiative Kleve steht fest: "Ärztemangel - nicht mit uns! Wir kämpfen, für unsere Kinder, für unsere Zukunft." Dem Protest der 14 engagierten Mütter haben sich inzwischen massenweise Patienten angeschlossen. Mütter, die keine Arzttermine für ihre Kinder mehr bekommen, Menschen mit akuten gesundheitlichen Problemen, die monatelang darauf warten müssen, dass ein Facharzt Zeit für sie hat. Die Petition der Elterninitiative, die sich für eine bessere ärztliche Versorgung im Kreis Kleve ausspricht, zählt inzwischen 3813 Unterschriften. Noch bis Ende Februar können sich Interessierte unter www.ei-kleve.de eintragen.

Ab der Marke von 2400 Unterschriften ist das so genannte Quorum erreicht. Damit steht fest, dass sich politische Entscheidungsträger mit dem Thema befassen müssen. Sie werden von der Plattform openpetition.de angeschrieben und aufgefordert, Stellungnahmen und Lösungsansätze zu liefern. Die Antworten sind öffentlich einsehbar. "Jetzt können Politik, Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung uns nicht mehr ignorieren", sagt der Klever Kinderarzt Wolfgang Brüninghaus, der sich stark für die Elterninitiative engagiert.

Die "Elterninitiative Kleve - Mehr Kinderärzte für den Kreis Kleve" hatte bereits vor zwei Jahren eine Evaluationsstudie zum Mangel an Kinderärzten im Kreis Kleve durchgeführt. Das Ergebnis: Die meisten Kinderärzte (70 Prozent) sind so überlastet, dass sie keine neuen Patienten mehr aufnehmen - Aufnahmestopp. Kinder, die bereits in der Patienten-Kartei sind, müssen auf einen Arzttermin eine bis drei Wochen warten. "Es gibt hier Kinder, die kein Arzt mehr behandelt, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt", sagt Brüninghaus. Hinzu kommt, dass sich die Altersstruktur der Ärzte im Kreis Kleve dramatisch verschlechtert. "In vier bis fünf Jahren wird es hier massive Versorgungsengpässe geben, weil Nachfolger nicht in Sicht sind", sagt Brüninghaus. Ihn wundert das nicht. So habe ein Kassenarzt in Kleve 50 Prozent mehr Patienten zu versorgen als ein Kollege in Düsseldorf. Die Folge: "Das will sich doch keiner antun. In allen Facharztbereichen ist die Versorgung schlecht. Es gibt in der Region überall lange Wartezeiten. Patienten werden abgewiesen", so Brüninghaus.

Schuld an der Misere sei die Anwendung unterschiedlicher Verhältniszahlen zwischen Großstadt und Land bei der Definition von sogenannter Über- und Unterversorgung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss. So gelte der Kreis Kleve als überversorgt, weil es nach den Bedarfsplanungen weit mehr Ärzte als notwendig für eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung gibt. Deswegen werden keine neuen Arztsitze mehr ausgeschrieben. Die Elterninitiative hat hingegen nachgewiesen, dass es eine massive Unterversorgung gibt. Anne Dekkers von der Initiative sagt: "Das ist ungerecht. Wir zahlen die gleichen Kassenbeiträge." Unterstützung kommt auch von Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing. Sie hat das Thema in die Bürgermeisterkonferenz gebracht. Jetzt hoffen alle auf Reaktionen aus der Politik. So soll demnächst der Kreistag mit der Petition konfrontiert werden. Mit Spannung wird die Antwort von Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann erwartet. Northing ist sich sicher: "Wenn Stadt, Kreis und Patienten kämpfen, dann reagiert man auch in Berlin".

Quelle: RP
 
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