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Kreis Kleve
"Gemeinsames Lernen" ist zweite Wahl

Kreis Kleve: "Gemeinsames Lernen" ist zweite Wahl
Das Thema "Inklusion" ist an den Schulen wegen anderer Themen in den Hintergrund getreten. FOTO: Matzerath
Kreis Kleve. Viele Eltern von behinderten Kindern geben Förderschulen den Vorzug gegenüber Regelschulen. Das Vertrauen in die Inklusion scheint noch nicht sehr groß - vielleicht, weil Sonderpädagogen knapp sind. Migrantenkinder oft im Fokus. Von Anja Settnik

Wenn es um besondere Personengruppen an Schulen geht, ist seit längerer Zeit nur noch von einer die Rede: Migrantenkinder. Dabei war noch vor ein, zwei Jahren das Thema Inklusion in aller Munde. Der politische Auftrag, behinderte Kinder so weit wie möglich in Regelschulen zu integrieren, wurde auf allen Ebenen diskutiert; nicht wenige sahen diese Aufgabe als kaum zu stemmende Herausforderung. Seit allerdings Flüchtlinge in ungeahnter Zahl nach Deutschland und eben auch in den Kreis Kleve kommen, kreisen die Debatten insbesondere um die Einrichtung von Seiteneinsteigerklassen und das Fehlen von Lehrern für Deutsch als Zweitsprache. Dabei bleibe die Umsetzung der Inklusion brandaktuell, sagt Schulrat Johannes Mulders.

Der frühere Leiter von Förderschulen managt seit Jahren im Kreis Kleve das, was das reformierte Schulgesetz den Kommunen aufträgt: Eltern zu ermöglichen, für ihr behindertes Kind die Entscheidung zu treffen, entweder eine Förderschule oder eine Regelschule zu besuchen. Beim Übergang vom Kindergarten zur Primarstufe und beim Wechsel ins fünfte Schuljahr können Erziehungsberechtigte die Wahl treffen.

"Noch immer besucht mehr als die Hälfte der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Förderschule, nur 45 Prozent sind auf einer Schule des gemeinsamen Lernens angemeldet", sagt Mulders. Konträr zu der Vorstellung, dass es "normal" werden soll, alle Kinder gemeinsam zu unterrichten, nehme die Anzahl der Anmeldungen in den verbliebenen Förderschulen des Kreises leicht zu.

Für Kinder mit geistiger Entwicklungsstörung gibt es im Kreis Kleve zwei Spezialschulen, für Körperbehinderte eine, für Lernen, Sprache und emotionale Entwicklung drei - in Emmerich, Goch und Geldern. "Viele Eltern meinen, dass sich ihr Kind im geschützten Raum einer Förderschule erst einmal stabilisieren sollte, bevor man dann vielleicht später den Übergang auf eine Regelschule versucht", erklärt Mulders. Rund 220 Schüler sind in der Franziskus-Schule in Geldern (für Kinder aus dem südlichen Kreisgebiet) und der Astrid-Lindgren-Schule in Goch (Kinder aus dem Mittelkreis) angemeldet, 290 in Emmerich (für die Nord-Kommunen). Hinzu kommen die Schüler an den Schulen für körperlich und geistig Behinderte. Hingegen besuchen 325 Jungen und Mädchen mit Förderbedarf den Primarbereich von Regelschulen und 622 die Sekundarstufe I von Haupt- und Gesamtschulen.

23 von 51 Kreis Klever Grundschulen stellen sich der Herausforderung Inklusion; "in jeder Kommune haben wir mindestens eine inklusive Grundschule", sagt Mulders. Es sei vorerst nicht geplant, diese Quote zu erhöhen, denn dafür gebe es nicht genügend Sonderpädagogen-Stellen. An den weiterführenden Schulen sind die Lern- und Sprachbehinderten noch längst nicht so häufig vertreten: Gerade mal elf von 46 Schulen sind dort mit der Inklusion befasst. Was die Lehrerausstattung anbelangt, stellt Mulders fest, dass diese "budgetiert" sei, was bedeutet, dass es eine festgelegte Anzahl Sonderpädagogen gibt, die nicht etwa steigt, wenn mehr behinderte Kinder zu unterrichten sind. Anders ausgedrückt: Die Verantwortung für die Jungen und Mädchen mit Förderbedarf liegt immer stärker in den Händen "normaler" Lehrer. Zwar habe das Land durchaus mehr Lehrer(stellen) eingerichtet, aber eben nicht für Spezialisten.

Was mit Lernbehinderten noch recht gut funktioniert, bereitet im Bereich der Kinder mit emotional-sozialen Defiziten vermehrt Probleme, deutet Mulders an. Nach seiner Schätzung gibt es im Kreis etwa 80 Schüler, die einer besonders intensiven Betreuung bedürften etwa im Stil des Projekts "U-Turn", das beim Gocher Anna-Stift und der Astrid-Lindgren-Schule angesiedelt ist. Aber dazu fehlen wohl die Mittel.

Quelle: RP
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