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Kalkar
Gezeichnete Druckgrafik im Museum Kalkar

Kalkar. Wer seinen Lebenslauf liest, fragt sich, was der Mann zwischen 1979 und 1991 getan hat - unter anderem Mathematik studiert, aber gearbeitet habe er in diesem Bereich nie. Eine zweite ziemlich lange Zeitspanne betrifft die Jahre 1991 (damals begann er seine Arbeit als Grafiker) bis 2005. Seit elf Jahren ist Max Stiller, dessen Werke und Projekte inzwischen internationale Beachtung finden, hauptberuflich tätiger Künstler. Die langen Jahre zuvor habe er gebraucht, um seinen eigenen professionellen Anspruch zu erfüllen, sagt er. Den will er vom morgigen Sonntag an im Städtischen Museum Kalkar nachweisen mit der Ausstellung "Max Stiller. Der geometrische Raum". Verlassen hat der in Neuss geborene 59-Jährige die Mathematik nie. Seit 2009 nennt Stiller seine Arbeit "Trigonometrischen Kubismus". Der kommt mal abstrakt, mal gegenständlich daher und spielt stets mit geometrischen Formen, gerne in Blau- und Erdfarben. Ohne sich einem dieser Künstler zu sehr annähern zu wollen bezieht sich der heutige Kölner, was die Formsprache angeht, auf Lionel Feininger, was die Maltechnik anbelangt, eher auf Vertreter der klassischen Moderne wie Umberto Boccioni. Grundlage ist die Hypothese, dass sich Körper in den Raum einbringen wollen und dieser Raum sich am Ende auflöst. "Die Motive spielen da eher eine Nebenrolle, sie sind manchmal eher Motivation, um in die Gänge zu kommen", sagt Stiller flapsig. So liebe er zum Beispiel die schottischen Castles, die deshalb auf einigen seiner Bilder erkennbar sind. Viel wichtiger ist dem Künstler jedoch sein theoretisches Konzept. Das jeder, der das möchte, auf Stillers Internetseite nachlesen kann. Leichte Kost ist das nicht, "eher etwas für Puristen", sagt er schmunzelnd. Den übrigen Interessenten gönnt er die unvoreingenommene Betrachtung. Schreiben gehört für Max Stiller allerdings zu seiner Kunst dazu - und wenn es manchmal nur dazu diene, den Kopf frei zu machen von all dem, was sich da drängt. Von Anja Settnik

Der Mann ist schließlich Mathematiker mit einer besonderen Neigung zur Ziffer 3, zu Dreiecken und zu Primzahlen. Deshalb legt er seine grafischen Arbeiten gerne in Auflagen von 3, 13 oder 23 auf. Es gibt Pigmentdruck auf Büttenpapier und Druckgrafiken. Die digitalen Zeichnungen entstanden in weitestgehender Handarbeit. Zunächst wird ganz klassisch gezeichnet und dann in Öl gemalt, meist auf einer mit Steinmehl behandelten Leinwand. Die weitere Bearbeitung und Reproduktion geschieht durch ein PC-Grafikprogramm und Drucker. Der Verein der Freunde Kalkars und Harald Münzner vom Museum laden zur Ausstellungseröffnung am morgigen Sonntag um 12 Uhr ein. Die Rede zur Einführung übernimmt die Kunsthistorikerin Dr. Donatella Chiancone-Schneider.

Quelle: RP
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