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Kleve
Giraffen lesen mit beim Bücherbummel

Kleve: Giraffen lesen mit beim Bücherbummel
Kennen sich mit Büchern aus: Die Stelzengiraffen des Teatro Pavano aus Venedig beim Bücherbummel. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Verkaufsoffener Sonntag mit Jubiläums-Bücherbummel zog die Besucher in Scharen, die sich von Stelzengängern überraschten ließen, die Chöre beim Stadtmusikfest hörten und den sonnigen Sonntag in der City genießen konnten. Von Matthias Grass

Giraffen fressen Blätter in Augenhöhe. Also oben. Klar. Neu ist, dass Giraffen Freunde bibliophiler Buch-Ausgaben sind. Denn plötzlich beugt sich ein gelbgefleckter langer Hals mit dicker Nase und höckrigen Hörnern über die Schulter und studiert den grau verschossenen Band mit dem Blumendekor frei nach Jugendstil auf dem Buchdeckel. Interessant. Doch schon ist der gelbgefleckte Kopf wieder weg. War wohl nichts mit dem Band - legen wir das Buch besser zur Seite, wenn die Giraffe es schon nicht will.

Die Stelzengiraffen des Teatro Pavana aus Venedig waren die theatralische Sensation des Klever Bücherbummels - witzig. neu, überraschend. Sie machten Spaß, Spaß wie die Bände auf den Tischen der Aussteller, die in Doppelreihen auf der Herzogbrücke standen und sich bis tief in der Herzogstraße hineinzogen. Spaß, wie das Wetter beim verkaufsoffenen Sonntag, der die Straßen in der City mit Menschen füllte, Spaß, wie die lockere Stimmung unter der warmen Herbstsonne.

Entsprechend gut aufgelegt war gestern Helmut van Bebber, als er von Stand zu Stand ging: Die Stimmung ist gut auf seinem Jubiläumsbüchermarkt, der bereits ein Vierteljahrhundert vom Antiquar der Herzogstraße organisiert wird. "Alle 60 Anbieter sind nach Kleve gekommen, und die, die neu da sind, sind sehr zufrieden", sagt van Bebber. Zufrieden waren auch Eckard Erdmann und Sigrun Hintzen von der Buchhandlung Hintzen: Die hatte erstmals seit 25 Jahren ihren schönen Buchladen oben auf der Herzogstraße am verkaufsoffenen Sonntag abgeschlossen und war mit ihren Büchern nach unten auf die Straße gezogen - ein Weg, der sich gelohnt hat, sagen beide. Allein um der Gespräche willen. "Heute sind nicht die Kunden zu uns, heute sind wir zu den Kunden gekommen", sagte Erdmann. Begehrt waren nicht nur am Stand der Buchhandlung die feinen kleinen Inseltaschenbücher mit ihren bibliophilen Papiereinbänden. "Die Profis kamen ganz früh - wir hatten gerade erst aufgebaut", sagt Sigrun Hintzen. Da wurde abgeglichen, wo das schönere Bändchen an welchen Stand wie viel kostet und wer noch die begehrte Erstausgabe hat . . .

Thomas Pitz, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve, war mit seinen Studenten an den Opschlag gekommen, um mit den Bürgern über die mobile Zukunft zu reden. Schnell war klar: es hakt beim Personen-Nahverkehr. Vor allem nach 19 Uhr. Und Vielen im ländlichen Raum ist ihr Auto wichtig. Dennoch - Car-Sharing kann sich so mancher vorstellen, sagt Pitz. Einige Fahrzeuge, die auf dem Minoritenplatz stehen könnten - das wäre mal ein Ansatz, sagt der Professor.

Einen ganz anderen Ansatz hatte der MGV-Eintracht Materborn unter Leitung von Wolfgang Dahms. Im Rahmen des Stadtmusikfestes vor der Minoritenkirche sinnierten die Herren im schwarzen Anzug mit roter Krawatte sanglich, ob die Angebetete sie noch Liebe oder doch einen anderen "viel mehr . . ."

Für die Liebe, die durch den Magen geht, war gefühlt alle paar Meter bestens gesorgt: Unten in der Stadt kostete die Bratwurst 2,70 Euro, wer's bis oben schaffte, sparte 20 Cent - wenn er nicht zwischendurch bei einem eisgekühlten Yoghurt oder beim Kännchen Kaffee mit Kuchen Station machte.

Quelle: RP
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